Syrien soll ein neues, strategisches Drehkreuz werden – das war die Botschaft, die vom Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Damaskus ausging. Macron, der am Montag in Damaskus landete, ist der erste EU-Staatschef, der Syrien seit dem Sturz des Assad-Regimes besucht hat. Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa warb um Investitionen in die Infrastruktur und die Wirtschaft seines Landes. Am Dienstag hob er in diesem Zusammenhang die mögliche Rolle Syriens als strategisches Bindeglied zwischen dem Mittelmeer, dem Persischen Golf und dem Irak hervor, etwa für Energieexporte.„Nach der Krise um die Straße von Hormus hat die Welt den Wert sicherer und stabiler Handelskorridore erkannt“, sagte Scharaa. Mit seiner geographischen Lage habe Syrien seine entscheidende Rolle als „unverzichtbarer Knotenpunkt“ im globalen Netz der Verkehrs- und Handelswege wiedererlangt.Macron nahm diesen Gedanken während eines gemeinsamen Presseauftritts auf. Er sprach von einer „Chance“ für französische Firmen und Investoren, sich „langfristig“ in Syrien zu engagieren. Macron wurde von Wirtschaftsgrößen begleitet. Er forderte Scharaa auf, gute Bedingungen und Vertrauen für Milliardeninvestitionen zu schaffen.Der IS bleibt eine BedrohungAm Dienstagmorgen zeigten allerdings Explosionen in der Nähe des Hotels, in dem Macron übernachtet hatte, dass die Sicherheitslage noch angespannt ist. Das syrische Innenministerium gab am Dienstag an, es seien zwei improvisierte Sprengsätze detoniert. Dabei seien 18 Personen verletzt worden. Macron sei allerdings nicht in Gefahr gewesen, hob das Ministerium hervor. Die Sprengsätze seien außerhalb des für den Staatsgast festgelegten Sicherheitsbereichs versteckt gewesen.Es ist der zweite Sicherheitsvorfall binnen weniger Tage. Erst vergangene Woche waren zehn Personen durch eine Explosion in einem Damaszener Café in der Nähe des Justizpalastes getötet worden. Die Hintergründe sind noch unklar. Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ bleibt eine Bedrohung in Syrien und hat sich zuletzt auf kleinere Anschläge verlegt, um den Fortschritt des Übergangsprozesses zu hintertreiben. Außerdem gibt es laut Angaben aus den Sicherheitskräften bewaffnete Untergrundzellen von Loyalisten des alten Regimes.