Sepp Blatter ist empört. Rote Karten, teilt der 90-Jährige mit, würden nach klaren Regeln und durch unabhängige Instanzen aufgehoben, nicht per politischer Intervention. „Quo vadis, Fifa?“, fragt er. Der Fußball dürfe „nie zum Spielball der Politik werden“.Moment. Sepp Blatter? Der Sepp Blatter?Der Mann, unter dessen Präsidentschaft die WM 2018 an Wladimir Putin und die WM 2022 an Katar ging? Der vier Jahrzehnte im Maschinenraum der Fifa saß, erst als Generalsekretär, dann als Präsident, bis 2015 frühmorgens im Zürcher Nobelhotel Baur au Lac die Handschellen klickten? Nicht bei ihm, aber bei reihenweise Funktionären seines Systems.Genau der.

Die Regel der Zwei

Um diesen Auftritt zu verstehen, hilft ein Blick nach Hollywood. Bei den Sith, den Bösewichten aus „Star Wars“, gilt die Regel der Zwei: immer ein Meister, immer ein Schüler. Der Schüler lernt so lange, bis er den Meister stürzt. So bleibt das Imperium frisch.João Havelange vererbte das Fifa-Reich einst an seinen Zögling Blatter und nannte es später selbst ein „Monstrum“. Blatter baute das Monstrum zum Todesstern aus: Milliardengeschäft, Patronagesystem, WM-Vergaben im Hinterzimmer. Dann kam Gianni Infantino.Der neue Imperator hat vom alten viel gelernt und das meiste rationalisiert. Blatter musste sich seine Mehrheiten noch mühsam organisieren, über Kontinentalverbände, Kongresse und Vereinbarungen, die Jahre später Gerichte beschäftigten. Infantino nimmt einfach den Hörer ab, wenn das Weiße Haus anruft.Betriebswirte nennen das Effizienzgewinn.