Die Kunst aus der Gründerzeit der USA versprach Demokratie in einer gesegneten Landschaft. Wie viel das ausblendet, erzählt Kunsthistorikerin Jennifer Van Horn.
taz: Jennifer Van Horn, Sie sind bekannt für Ihre Forschungen über das ikonische Gemälde „The March to Valley Forge“ von William Brooke Thomas Trego. Ein heroisches Bild. 1883 angefertigt, stellt es George Washington und seine Truppen in der eisigen Kälte während der Schlacht von Valley Forge im Winter 1777/78 dar. Sie rekonstruierten, unter welch harten Bedingungen seine Sklaven leben mussten, damit Washington überhaupt so tatkräftig wie auf dem Gemälde agieren konnte. Was erzählt uns das über die frühe amerikanische Kunst?
Jennifer Van Horn: Zunächst muss man feststellen, dass die amerikanische Kunst eine historische Rolle dabei spielte, Ideen über die Nation zu formulieren. In den frühen Vereinigten Staaten ging es sehr viel um Glaube und um Demokratie. Man stellte sich vor, Kunst würde die Demokratie unterstützen, das war ihre Funktion. Dieses Gemälde ist ein gutes Beispiel für einen traditionellen Strang der US-amerikanischen Kunst: die große Erzählung der weißen Männer als Historiengemälde. Interessant ist, dass es erst nach dem Bürgerkrieg entstand, da war der Bedarf nach einigenden nationalen Narrativen besonders groß. Meine Arbeit besteht aber eher darin, die wenig erzählten Geschichten und wenig untersuchten Personen zu finden, die Teil dieses komplexen Moments der frühen amerikanischen Geschichte sind.















