Ende voriger Woche demonstrierte der US-Präsident wieder, wie dünn das Eis ist, auf dem sich die NATO an diesem Dienstag und Mittwoch in Ankara treffen wird. „Lächerlich“ seien die Verteidigungsausgaben der Verbündeten, schrieb Donald Trump auf seinem Netzwerk Truth Social und behauptete, dass Deutschland weit weniger als Polen und Frankreich ausgebe. Wahrscheinlich bezog er sich auf einen NATO-Bericht aus dem vorigen Jahr, in dem für Deutschland keine Schätzung für 2025 angegeben war. Tatsächlich waren die Ausgaben aber fast so hoch wie von Polen und Frankreich zusammen.Hat Matthew Whitaker seinen Präsidenten danach angerufen und über den Fehler aufgeklärt? Man möchte das denken, weil es bei der NATO immer heißt, der US-Botschafter habe das Ohr seines Präsidenten. Whitaker weiß es jedenfalls besser und nennt bei seinen vielen Fernsehauftritten stets Deutschland als löbliches Vorbild. Die Bundesregierung hat sich verpflichtet, das 3,5-Prozent-Ziel der Allianz schon 2029 zu erreichen, während sich die meisten anderen Staaten damit bis 2035 Zeit lassen.Trump lobt Whitaker als „starken Kämpfer“Klar ist aber auch: Whitakers Einfluss auf Trump hält sich in engen Grenzen. Wenn der sich etwas in den Kopf gesetzt hat, lässt er sich davon nicht mehr abbringen, schon gar nicht von Fakten. Deshalb besteht ein reales Risiko, dass der US-Präsident auch in Ankara wieder über Deutschland schimpfen wird, weil es die USA nicht im Krieg gegen Iran unterstützt habe – obwohl alle US-Basen, anders als etwa in Spanien, ohne Einschränkung genutzt werden konnten.Als Trump seinen NATO-Botschafter nach seiner Wahl zum 47. Präsidenten der USA nominierte, pries er Whitaker als „starken Kämpfer und treuen Patrioten“ an. Der Republikaner aus Iowa hatte ihm in seiner ersten Amtszeit übergangsweise als Justizminister gedient, danach wechselte er zu einer politischen Beratungsfirma. Die Aufmerksamkeit des Präsidenten soll er durch Fernsehauftritte gewonnen haben, in denen er Trump gegen Kritik in Schutz nahm, etwa im Sender CNN.Whitaker ist 56 Jahre alt, fast zwei Meter groß und hat breite Schultern. Man sieht ihm an, dass er in seiner Studienzeit American Football gespielt hat, als Tight End im Team der University of Iowa – eine Position, in der man den Quarterback vor heranstürmenden Verteidigern schützen und in der Offensive Pässe fangen muss. Sein Studium schloss er mit einem juristischen Examen ab, später diente er als leitender Bundesstaatsanwalt im südlichen Distrikt von Iowa.Im Jahr 2014 bewarb er sich vergeblich um einen Sitz im US-Senat. Es gab Spekulationen, dass er bei den Zwischenwahlen in diesem Jahr abermals für den Senat kandidieren könnte. Doch zog Whitaker es vor, in Brüssel zu bleiben. Dort bewohnt er ein riesiges Parkgrundstück neben dem Schloss von Tervuren, auf dem man weit fahren muss, bevor man seine Residenz Truman Hall erreicht.
Matthew Whitaker: Trumps Mann bei der NATO
Bei der Allianz heißt es, Whitaker habe das Ohr des Präsidenten. Der hört aber nicht gerne zu – und verbreitet schon wieder Fake News.










