PfadnavigationHomeNewstickerDPAInfolineSport (DPA)Anruf von Trump? Empörung nach FIFA-Kehrtwende bei US-ProfiStand: 15:12 UhrLesedauer: 4 MinutenDamals ein Scherz: Trump zeigt Rot. Und jetzt? (Archivbild)Quelle: Evan Vucci/AP/dpaHat Donald Trump bei der FIFA angerufen, um einen Einsatz von US-Stürmer Balogun im Achtelfinale zu erreichen? Dieser Verdacht steht im Raum. Es drohen juristische Folgen.Der Skandal um eine aufgehobene Rotsperre beim Gastgeber-Team und die Frage nach der Rolle von US-Präsident Donald Trump überschatten die Fußball-Weltmeisterschaft. Der in der WM-Geschichte beispiellose Vorgang beschäftigt den Fußball längst über den Fall Folarin Balogun hinaus. Hat Trump bei FIFA-Chef Gianni Infantino angerufen, um sich für eine Aussetzung der Sperre von Balogun für das WM-Achtelfinale der USA gegen Belgien einzusetzen?Nach Informationen der «New York Times» und der Nachrichtenagentur AP bestätigten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen den ungewöhnlichen Ablauf. Weder der Weltverband FIFA noch das Weiße Haus kommentierten die Information zunächst. Balogun darf trotz seiner Roten Karte gegen Bosnien-Herzegowina am Dienstag (2.00 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV) in Seattle im Achtelfinale eingesetzt werden.Der belgische Verband forderte von der FIFA schriftlich eine Erklärung. Dies habe der Weltverband als formalen Einspruch gewertet und diesen als unzulässig abgewiesen, teilten die Belgier wenige Stunden vor Anpfiff des Spiels mit.Klopp: Das ist verrückt«Wenn das wirklich Trump und Infantino ausgemacht haben, das ist verrückt», kommentierte der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp bei MagentaTV. «Diese beiden Menschen, die beide keine Ahnung von Fußball haben, sollten gar nichts damit zu tun haben.»International hagelte es Kritik. «Der schamlose Donald Trump und seine unterwürfige Marionette Gianni Infantino haben diese Weltmeisterschaft in eine Jauchegrube gezogen», schrieb «Daily Mail» in Großbritannien besonders plakativ. Laut der Europäischen Fußball-Union UEFA wurde mit der Entscheidung «eine rote Linie überschritten».Nach Ansicht der UEFA stehen Integrität und Glaubwürdigkeit auf dem Spiel, «wenn die Rechtssicherheit der Regeln nicht mehr von ihren Hütern gewährleistet wird», hieß es in der Stellungnahme. Sportrechtsexperten beurteilen die Entscheidung sehr kritisch. «Der Beschluss der FIFA, die Rote Karte für das nächste Spiel aufzuheben und zur Bewährung auszusetzen, ist rechtswidrig», sagte Thomas Summerer, Fachanwalt für Sportrecht in München, der Deutschen Presse-Agentur.Trump begrüßt Entscheidung persönlichTrump selbst zögerte nach der FIFA-Entscheidung nicht und meldete sich umgehend über Truth Social. «Vielen Dank an die FIFA, dass ihr das gemacht habt, was richtig ist und eine große Ungerechtigkeit wiedergutgemacht habt.» Dahinter schrieb er: «Präsident DONALD J. TRUMP.» Der 80-Jährige war bislang bei keinem WM-Spiel vor Ort, wird aber spätestens zum Endspiel am 19. Juli in East Rutherford bei New York im Stadion erwartet.Vor dem Achtelfinale in Seattle forderte DFB-Präsident Bernd Neuendorf den Weltverband scharf zu einer Stellungnahme auf. «Die FIFA sollte sich jetzt rasch zu Berichten erklären, wonach der Entscheidung zur Aussetzung der Roten Karte gegen den amerikanischen Spieler Folarin Balogun ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino vorausgegangen sein soll», sagte er.US-Trainer: Faire EntscheidungDie Rote Karte gegen Balogun im Sechzehntelfinale war kontrovers bewertet worden, da sein Tritt gegen Tarik Muharemovic in einem Zweikampf zwar hart, aber wohl unabsichtlich war. Während der Partie in Santa Clara wurde die Rote Karte erst nach Überprüfung durch den Video Assistant Referee (VAR) ausgesprochen. Balogun hatte beim 2:0 zuvor das Führungstor erzielt.«Ich denke, wir müssen feiern, dass das eine faire Entscheidung ist, uns nicht noch mehr zu bestrafen», begrüßte US-Trainer Mauricio Pochettino die Entscheidung. Aus dem US-Team hieß es, manche Spieler hätten die Nachricht zunächst für einen KI-generierten Fake gehalten.Belgiens Trainer Rudi Garcia reagierte dagegen mit Unverständnis. «Ich wusste nicht, dass der 5. Juli bei der WM wie der 1. April ist. Es klingt wie ein schlechter Scherz», sagte der Nationalcoach. Ältere Fußball-Fans fühlten sich erinnert an die WM 1962, als der Brasilianer Garrincha im Halbfinale Rot sah und im Endspiel dennoch spielen durfte.Artikel 27 griff auch bei Ronaldo - nur andersAls Begründung im Fall Balogun verwies die FIFA auf Artikel 27 des Disziplinarreglements, wonach die Durchführung einer Disziplinarmaßnahme ganz oder teilweise ausgesetzt werden kann. Baloguns Sperre werde für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt. Sollte sich der Angreifer in dieser Zeit «einen weiteren Verstoß gleicher Art und Schwere» erlauben, werde die Sanktion vollstreckt.Es ist nicht das erste Mal, dass die FIFA von Artikel 27 Gebrauch macht. Erst im Vorjahr sah Portugals Superstar Cristiano Ronaldo im vorletzten Quali-Spiel gegen Irland eine Rote Karte für einen Ellbogenschlag. Der Weltverband verhängte eine Sperre von drei Spielen, setzte davon aber zwei Partien zur Bewährung aus. Ronaldo musste deshalb lediglich die automatische Sperre für das nächste Spiel verbüßen und stand bei der WM sofort wieder zur Verfügung. Bei Balogun wurde dagegen die automatische Sperre de facto für das nächste Spiel aufgehoben.Drohen im Fall des US-Stürmers juristische Folgen? «Die Sperre für das nächste Spiel tritt automatisch in Kraft und eröffnet keinen Ermessensspielraum», sagte Summerer. «Falls der Spieler im nächsten Spiel eingesetzt wird, ist dieses Spiel durch einen Verstoß gegen die Statuten infiziert und würde dazu führen, dass Belgien im Fall einer Niederlage das Ergebnis anfechten kann. Damit wäre der gesamte weitere Turnierverlauf gefährdet.»dpa-infocom GmbH
Anruf von Trump? Empörung nach FIFA-Kehrtwende bei US-Profi - WELT
Hat Donald Trump bei der FIFA angerufen, um einen Einsatz von US-Stürmer Balogun im Achtelfinale zu erreichen? Dieser Verdacht steht im Raum. Es drohen juristische Folgen.














