PfadnavigationHomeSportFußballWMBrasiliens WM-AusNeymar weint bitterlich – „Jetzt ist es zu Ende“Veröffentlicht am 06.07.2026Lesedauer: 4 MinutenDas norwegische WM-Märchen geht weiter. Trotz eines Elfmeter-Geschenks für Brasilien zieht das Team um Erling Haaland ins Viertelfinale ein. Der Superstar ist wieder einmal der gefeierte Held. Sehen Sie die Highlights der Partie hier im Video.Das stolze Brasilien beendet die WM mit dem schlechtesten Abschneiden seit 1990. Das will Trainer Ancelotti nicht auf sich sitzen lassen. Neymar hingegen zieht einen Schlussstrich.Altstar Neymar weinte bitterlich. Carlo Ancelotti reichte dem auf dem Rücken liegenden Vinícius Júnior die Hand und versuchte nicht nur in diesem Moment, die stolze Fußballnation nach ihrem schlechtesten WM-Abschneiden seit 36 Jahren direkt wieder aufzurichten. Es waren bewegende Szenen im Final-Stadion von East Rutherford. Dort, wo der Rekordweltmeister am 19. Juli um seinen sechsten Titel spielen wollte, erlebte er den nächsten sportlichen Albtraum: das Aus im Achtelfinale gegen Norwegen. Die Leiden der Seleção, sie gehen weiter. ESPN Brasilien spricht von „einem weiteren traurigen Kapitel“ und davon, dass der brasilianische Fußball langsam aussterbe.Ganz so negativ sieht es Ancelotti nicht. Er versuchte, bei allem Frust und aller Traurigkeit optimistisch nach vorn zu blicken. „Natürlich ist jeder tief enttäuscht“, sagte er nach der 1:2-Niederlage gegen Norwegen. Manchmal müsse man eben „mit der Traurigkeit und dem bitteren Geschmack einer Niederlage umgehen“, erklärte der 67-Jährige. „Wir müssen nun neue Ideen finden. Es ist nicht das Ende, es ist der Beginn einer neuen Zeit.“ Die allerdings ohne Neymar anbrechen wird.Lesen Sie auchFür den 34-Jährigen ist Schluss im Nationalteam. „Ich habe es versucht, ich habe es wirklich versucht. Jetzt ist es zu Ende“, sagte Brasiliens Rekordtorschütze. Per Elfmeter hatte er in der Nachspielzeit noch seinen 80. Treffer im 130. Länderspiel erzielt. Da hatte Norwegens Superstar Erling Haaland die Südamerikaner mit seinem Doppelpack jedoch schon erledigt.Offensiv liefert nur ein brasilianischer Spieler ab„Wir haben keine spektakuläre WM gespielt, aber eine gute“, resümierte Ancelotti. Der Italiener war als erster ausländischer Trainer in der Geschichte der brasilianischen Nationalmannschaft angetreten, um ihre schon 24 Jahre andauernde Titellosigkeit bei Weltmeisterschaften zu beenden. Damals, bei der WM 2002 in Japan und Südkorea, hatte Brasilien im Finale die deutsche Nationalmannschaft mit 2:0 besiegt. Jetzt sollte endlich wieder der Titel her. Ein ambitioniertes Ziel, hat die Seleção doch nicht mehr diese Vielzahl an absoluten Ausnahmespielern in ihren Reihen wie einst. Doch so sind sie, die Brasilianer. Und so sieht ihr Selbstverständnis aus. Vinícius Júnior von Real Madrid war mit vier Toren bei diesem Turnier der einzige Offensivspieler, der wirklich überzeugte – der ehemalige Leipziger und Herthaner Bundesliga-Profi Matheus Cunha (drei Tore) mit Abstrichen.Für Raphinha vom FC Barcelona war schon nach dem zweiten Gruppenspiel wegen einer Oberschenkelverletzung Schluss. Und Neymar war infolge seiner Wadenprobleme ohnehin keine große Hilfe.Neymar ist längst nicht mehr in der Form von einstFür gerade mal zwei Kurzeinsätze reichte es beim einstigen Topstürmer, der inzwischen wieder in der Heimat beim FC Santos spielt. Schon seine Nominierung hatte für Aufsehen gesorgt, ist er doch längst nicht mehr in der Form seiner einstigen Glanzzeit in Barcelona und bei Paris Saint-Germain.Lesen Sie auchAncelotti, dessen Vertrag erst vor nicht allzu langer Zeit bis 2030 verlängert wurde, hatte die Entscheidung unter anderem mit der großen Erfahrung des Stürmers begründet. Immerhin: Seinen Strafstoß am Schluss verwandelte Neymar sicher.Anders als Bruno Guimarães, der in der Anfangsphase per Foulelfmeter an Norwegens überragendem Keeper Örjan Nyland gescheitert war. Wäre der Ball reingegangen, hätte die Partie womöglich einen anderen Verlauf genommen. So bedeutete Brasiliens einzige Niederlage bei dieser WM das früheste Aus seit 1990.Vorwurf an Ancelotti: „Er hat die Mannschaft zerstört“Schon nach dem 1:1 gegen Marokko zum Auftakt hatte es in der Heimat Kritik gegeben. Die Seleção präsentierte sich danach zwar verbessert, allerdings zu keinem Zeitpunkt wie ein echter Titelanwärter. Das konnte auch Erfolgscoach Ancelotti mit seiner ruhigen und umsichtigen Art der Führung nicht ändern. Fünfmal hat der Trainer-Routinier die Champions League gewonnen, dazu Meisterschaften in Italien, England, Frankreich, Spanien und Deutschland. Doch seine WM-Premiere als Chefcoach eines Nationalteams endete ernüchternd.„Universo Online“, das größte portugiesischsprachige Nachrichtenportal Lateinamerikas, sah in Ancelotti auch den Schuldigen. Er habe in einem entscheidenden Spiel versagt, heißt es. Der Vorwurf: „Mit der letzten Auswechslung, bei der er Endrick und Neymar den Vorzug gab, um den Forderungen der Fans gerecht zu werden, hat er die Mannschaft zerstört.“„Morgen starten wir neu“, kündigte Ancelotti direkt an. Bei dieser WM saßen Brasiliens größte Stars – wie etwa die bislang letzten Weltmeister Ronaldo (49), Ronaldinho (46), Roberto Carlos (53) oder Kaká (44) – auf der Tribüne. 2030 muss das Ziel sein, dass wieder welche auf dem Platz stehen. Doch bis dahin dürfte es ein weiter Weg werden für die Seleção. Heraus, aus dem tiefen Tal der Tränen.dpa/mel