PfadnavigationHomeNewstickerDPAInfolineSport (DPA)Tränenreiches Ende des Titel-Traums: Brasilien am BodenStand: 04:28 UhrLesedauer: 3 MinutenTränenreiches Ende: Für Brasilien und Neymar ist Schluss bei der WM.Quelle: Tom Weller/dpaRekordweltmeister Brasilien scheitert bei der WM so früh wie seit 36 Jahren nicht mehr. Neymar macht Schluss, ein Blick auf den aktuellen Kader erst mal wenig Hoffnung. Wann glänzt die Seleção wieder?Altstar Neymar weinte bitterlich. Carlo Ancelotti reichte dem auf dem Rücken liegenden Vinícius Júnior die Hand und versuchte nicht nur in diesem Moment, die stolze Fußball-Nation nach ihrem schlechtesten WM-Abschneiden seit 36 Jahren direkt wieder aufzurichten. Es waren bewegende Szenen im Final-Stadion von East Rutherford. Dort, wo der Rekordweltmeister am 19. Juli um seinen sechsten Titel spielen wollte, erlebte er den nächsten sportlichen Alptraum. Die Leiden der Seleção, sie gehen weiter.Neymar tritt aus Nationalteam zurück«Natürlich ist jeder tief enttäuscht», sagte Ancelotti nach dem 1:2 im Achtelfinale gegen Norwegen. Manchmal müsse man eben «mit der Traurigkeit und dem bitteren Geschmack einer Niederlage umgehen», erklärte der 67-Jährige. «Wir müssen nun neue Ideen finden. Es ist nicht das Ende, es ist der Beginn einer neuen Zeit.» Die allerdings ohne Neymar anbrechen wird.Für den 34-Jährigen ist Schluss im Nationalteam. «Ich habe es versucht, ich habe es wirklich versucht. Jetzt ist es zu Ende», sagte Brasiliens Rekordtorschütze. Per Elfmeter hatte er in der Nachspielzeit noch seinen 80. Treffer im 130. Länderspiel erzielt. Da hatte Norwegens Superstar Erling Haaland die Südamerikaner mit seinem Doppelpack jedoch schon erledigt.Offensiv liefert nur Vinícius Júnior ab«Wir haben keine spektakuläre WM gespielt, aber eine gute», resümierte Ancelotti. Der Italiener war als erster ausländischer Trainer in der Geschichte der brasilianischen Nationalmannschaft angetreten, um ihre schon 24 Jahre andauernde Titellosigkeit bei Weltmeisterschaften zu beenden.Ein ambitioniertes Ziel, hat die Seleção doch nicht mehr diese Vielzahl an absoluten Ausnahmespielern in ihren Reihen wie einst. Doch so sind sie die Brasilianer. Und so sieht ihr Selbstverständnis aus. Vinícius Júnior von Real Madrid war mit vier Toren bei diesem Turnier der einzige ihrer Offensivspieler, der wirklich überzeugte - der ehemalige Leipziger und Herthaner Bundesliga-Profi Matheus Cunha (drei Tore) mit Abstrichen.Für Raphinha vom FC Barcelona war schon nach dem zweiten Gruppenspiel wegen einer Oberschenkelverletzung Schluss. Und Neymar war infolge seiner Wadenprobleme ohnehin keine große Hilfe mehr.Neymar längst nicht mehr in Form von einstFür gerade mal für zwei Kurzeinsätze reichte es beim einstigen Topstürmer, der inzwischen wieder in der Heimat beim FC Santos spielt. Schon seine Nominierung hatte für Aufsehen gesorgt, ist er doch längst nicht mehr in der Form seiner einstigen Glanzzeit in Barcelona und bei Paris Saint-Germain.Ancelotti, dessen Vertrag erst vor gar nicht allzu langer Zeit bis 2030 verlängert wurde, hatte sie unter anderem mit der großen Erfahrung des Stürmers begründet. Immerhin: Seinen Strafstoß am Schluss verwandelte Neymar sicher.Anders als Bruno Guimarães, der in der Anfangsphase per Foulelfmeter an Norwegens überragendem Keeper Örjan Nyland gescheitert war. Wäre der Ball reingegangen, hätte die Partie womöglich einen anderen Verlauf genommen. So bedeutete Brasiliens einzige Niederlage bei dieser WM das früheste Aus seit 1990.Wo sind die großen Stars geblieben?Schon nach dem 1:1 gegen Marokko zum Auftakt hatte es in der Heimat Kritik gegeben. Die Seleção präsentierte sich danach zwar verbessert, allerdings zu keinem Zeitpunkt wie ein echter Titelanwärter. Das konnte auch Erfolgscoach Ancelotti mit seiner ruhigen und umsichtigen Art der Führung nicht ändern. Fünfmal hat der Trainer-Routinier die Champions League gewonnen, dazu Meisterschaften in Italien, England, Frankreich, Spanien und Deutschland. Doch seine WM-Premiere als Chefcoach eines Nationalteams endete ernüchternd.«Morgen starten wir neu», kündigte Ancelotti direkt an. Bei dieser WM saßen Brasiliens größte Stars - wie etwa die bislang letzten Weltmeister Ronaldo, Ronaldinho, Roberto Carlos oder Kaká - auf der Tribüne. 2030 muss das Ziel sein, dass wieder welche auf dem Platz stehen. Doch bis dahin dürfte es ein weiter Weg werden für die Seleção. Aus dem tiefen Tal der Tränen.dpa-infocom GmbH