Neymar weinte. Das passte zu diesem WM-Abend. Weniger passend war dagegen alles, was kurz zuvor passiert war. Der Brasilianer verwandelte in der Nachspielzeit den Elfmeter zum 1:2 gegen Norwegen. Es war sein 80. Tor für die Seleção, gleichzeitig das letzte seiner Nationalmannschaftskarriere. Doch anstatt sich den Ball zu schnappen, Richtung Mittellinie zu sprinten und wenigstens noch die letzte Chance auf den Ausgleich zu erzwingen, hatte Neymar offenbar andere Prioritäten. Er diskutierte zunächst mit Norwegens Torwart Örjan Nyland, verpasste anschließend Martin Ødegaard noch einen Rempler. Erst danach ging es weiter.Es waren nur wenige Sekunden. Doch sie passten erstaunlich gut zu einer Karriere, die sportlich außergewöhnlich war, deren Nachhall aber häufig von Nebengeräuschen überlagert wurde.

Neymar – der Mann für Emotionen und Schlagzeilen

Denn Neymar war nie nur der geniale Fußballer. Er war immer auch der Mann der Emotionen, der Provokationen und der Schlagzeilen neben dem Platz. Einer, der mit seiner Technik Millionen begeisterte, dessen Reaktionen aber immer wieder Diskussionen auslösten. Auch deshalb wird sein Vermächtnis zwiespältig bleiben.Dabei hätte gerade dieser Moment gegen Norwegen Größe verlangt. Brasilien stand vor dem frühesten WM-Aus seit 1990. Die letzte Chance auf den Ausgleich war minimal, aber sie existierte noch. Wer seine Nationalmannschaft bis zur letzten Sekunde anführen will, verschwendet diese Sekunden nicht mit Diskussionen oder kleinen Revanchen und stellt sein Ego über die Mannschaft.