Wer die AfD vor zehn Jahren erlebt hat, reibt sich die Augen. Wo früher aggressives Chaos herrschte, schnurrt ihr Parteitag in Erfurt an diesem Wochenende über weite Strecken wie ein Uhrwerk seinem Ziel zu: Eine neue Führungsmannschaft aufzustellen, ohne vor den Wahlen im September einen Eklat zu provozieren. Dabei rutscht sogar das Thema in den Hintergrund, dem die Partei nach 2016 ihren kometenhaften Aufstieg verdankte: die Migration.

Worte wie »Bevölkerungsaustausch«, »Messermänner«, »Remigration« – und was sonst noch das Blut in Wallung versetze: In Erfurt wurde es zur Nebensache. Über die Gründe muss man nicht lange rätseln. Kein anderes Thema führt so schnell an den Rand eines Skandals oder gar eines Verbotsverfahrens wie dieses; obendrein ist angesichts sinkender Zahlen von Asylbewerbern auch der öffentliche Druck gesunken.