PfadnavigationHomeSportFußballWMArtikeltyp:MeinungEx-BundestrainerNagelsmann soll trotz seines Rücktritts sieben Millionen Euro kassieren. Wer steht dafür gerade?Von Lothar MatthäusStand: 09:34 UhrLesedauer: 5 MinutenDie DFB-Führung muss bei einer möglichen Verpflichtung von Jürgen Klopp als Bundestrainer mit hohen Kosten rechnen. Neben einer möglichen Ablöse dürfte das Jahresgehalt deutlich über dem von Julian Nagelsmann liegen, berichtet WM-Experte Lothar Matthäus.Lothar Matthäus weiß, warum das Projekt Nagelsmann „krachend gescheitert“ ist. Er fragt sich: Warum hat man seinen Vertrag nicht erfolgsbezogen gestaltet? Hier nennt er die Dinge, die Klopp besser machen muss.Das gesamte Projekt „Bundestrainer Julian Nagelsmann“ ist krachend gescheitert. Wenn man es ganz genau betrachtet, gab es unter ihm in drei Wettbewerben – EM 2024, Nations League 2024/25 und WM 2026 – keine komplett überzeugenden Leistungen unserer Nationalmannschaft auf höchstem Niveau. Abgesehen vielleicht von je einer starken Halbzeit bei den Niederlagen gegen Frankreich und Portugal in der Nations League. Jetzt aber hatte die Mannschaft keine Führung auf dem Platz, keine spielerische Qualität, kein gutes Abwehrverhalten, kein Miteinander. Das war ein reiner Hühnerhaufen.Selbstverständlich lag das daran, dass der Trainer viel zu viele Fehler gemacht hat. Mit der Aufstellung, mit der Taktik, auch schon mit der Nominierung für diese WM. Er hatte keinen Plan B, er hat seine Linie stur durchgezogen. Gut gemeinte Ratschläge von außen (was noch verständlich und in Ordnung ist), aber leider auch von innen, ignorierte er offenbar. Und sein Trainerstab bestand nur aus kleinen Nagelsmännern ohne Widerspruch. Dazu die Kommunikation mit den Spielern: Lieber Nachrichten per WhatsApp als persönliche Gespräche? Eigentlich undenkbar für eine Führungskraft. Nagelsmann war auch viel zu selten bei Vereinsspielen in den Stadien. Oder bei der U21. Aber genau das, im Idealfall noch mit einem gemeinsamen Essen danach, sehen Spieler als Wertschätzung. Das stärkt ihr Selbstvertrauen. So baut ein Trainer eine enge, belastbare Beziehung zu seiner Mannschaft auf. Beckenbauer besuchte mich und Brehme in MailandFranz Beckenbauer beherrschte das perfekt; ich erinnere mich, wie er mich und Andy Brehme damals bei Inter Mailand besucht hat. So etwas hat Nagelsmann nicht getan, soweit ich weiß. Er war auch nicht bei Yann Aurel Bisseck, der mit Inter Meister in Italien wurde, oder bei Kevin Schade, der beim FC Brentford in England eine starke Saison spielte. Nagelsmann beraubte sich damit sogar selbst der einen oder anderen Option bei der Nominierung. Ganz nebenbei: Der Austausch mit den Klubs der Spieler ist ebenso wichtig.Ich bin sicher, dass Jürgen Klopp das alles besser macht, wenn er Bundestrainer wird. Lesen Sie auchKlar zu kritisieren ist aber das Gesamtwerk. Auch die Verantwortlichen beim DFB haben einiges falsch gemacht. Sie haben zu lange zugeschaut. Immer in der Überzeugung, dass Nagelsmann ein guter Trainer ist – was er rein technisch sicherlich ist. Und in der Hoffnung, dass es gut gehen würde. Dabei waren die Defizite schon länger zu erkennen. Trotzdem wurde sein Vertrag bis 2028 verlängert – ohne Not! Nach meinen Informationen enthielt der Vertrag lediglich eine Trennungsklausel für den Fall des Scheiterns in der WM-Vorrunde. Jetzt soll Nagelsmann trotz seines Rücktritts sieben Millionen Euro Abfindung kassieren. Warum hat man seinen Vertrag nicht erfolgsbezogen gestaltet? Etwa so, dass er sich erst mit dem Erreichen des WM-Viertelfinales bis 2028 verlängert.Ablöse für Klopp macht das Desaster noch krachenderWer steht jetzt für diese sieben Millionen gerade? DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig? DFB-Präsident Bernd Neuendorf? Die zu erwartende Millionen-Ablöse für den wahrscheinlichen neuen Bundestrainer an Red Bull macht das gesamte WM-Desaster noch teurer, noch krachender.Jetzt gilt es dringend, aus den Fehlern zu lernen. Jürgen Klopps Vertrag muss in allen Belangen so klar gestaltet werden, dass es in den nächsten Jahren keine Probleme oder Unruhe geben kann. Ich würde sogar reinschreiben, dass der Bundestrainer eine gewisse Anwesenheitspflicht bei Liga- oder Pokalspielen hat – obwohl das bei Klopp wahrscheinlich gar nicht nötig wäre. Sein persönlicher Kontakt zu den Nationalspielern wird viel enger sein. Klopp ist ein Menschenfänger, der fachlich fundiert begeistern kann. Wichtig ist, dass er mit allen Befugnissen ausgestattet wird. Er wird ein eigenes Co-Trainer- und Analysten-Team mitbringen – und er muss das letzte Wort auch bei den Nachwuchs-Nationalmannschaften haben, muss die Spiel-Philosophie vorgeben und die Inhalte. Wenn Klopp mit der A-Nationalelf ein 4-3-3-System wie beim FC Liverpool spielen will, müssen auch die U21, die U19 und die U17 im 4-3-3 spielen. Dann würde es nicht mehr passieren, dass wir auf Positionen keine Alternativen im Kader haben, so wie jetzt, als ein gelernter rechter Verteidiger fehlte. Andere Nationen würden uns um Klopp beneidenDie Vertragsgestaltung betrifft auch Klopps Werbepartner wie die DVAG oder Adidas – der DFB arbeitet mit deren Konkurrenten Ergo und künftig mit Nike zusammen. Vor allem betrifft es aber Red Bull. Dort hat er einen Vertrag bis 2029, und das gesamte Zukunftskonzept, den RB-Fußball international an die Spitze zu führen, ist auf Klopp zugeschnitten. Jetzt soll er beim DFB das Gleiche machen, nein: die noch größere Aufgabe übernehmen. Ich glaube, Oliver Mintzlaff wird sich nicht leichttun, Klopp gehen zu lassen. Wer würde ihn bei RB ersetzen? Könnte Mario Gomez das schon?Lesen Sie auchIch habe tatsächlich darüber nachgedacht, ob Klopp beide Jobs machen könnte. Ich hätte auch kein Problem damit, wenn er als Bundestrainer eine Red-Bull-Cap trägt. Aber das wäre vielen Fans wohl nicht zu vermitteln. Und ein Bundestrainer muss sein Amt zu 100 Prozent ausüben. Mit ganzem Herzen und mit absoluter Leidenschaft. Ich hoffe, dass eine Lösung gefunden wird – und ich bin überzeugt, dass Fußball-Deutschland stolz wäre, Klopp als Bundestrainer zu haben. Andere Nationen würden uns um ihn beneiden. Mit Klopp als Bundestrainer würde im deutschen Fußball ein anderer Wind wehen.Dieser Text wurde für das Sportkompetenzcenter (WELT, BILD, SPORTBILD) verfasst und erschien zuerst in BILD AM SONNTAG.
WM 2026: Nagelsmann soll trotz seines Rücktritts sieben Millionen kassieren. Wer steht dafür gerade? - WELT
Lothar Matthäus weiß, warum das Projekt Nagelsmann „krachend gescheitert“ ist. Er fragt sich: Warum hat man seinen Vertrag nicht erfolgsbezogen gestaltet? Hier nennt er die Dinge, die Klopp besser machen muss.















