Davide Pagliarani: Wer ist der Gegenpapst aus Menzingen?Der Generalobere der Piusbruderschaft begründet den Ungehorsam gegen Rom mit dem Leiden an der modernistischen Kirche. Jetzt hat er die Traditionalisten mit unerlaubten Bischofsweihen ins Schisma geführt.Michael Meier05.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenPD; Bearbeitung NZZaSEr tritt auf wie ein Gegenpapst: Davide Pagliarani, Italiener, 55 Jahre alt, der seit 2018 als Generaloberer der Piusbruderschaft auf Schloss Schwandegg in Menzingen (ZG) residiert. Der offizielle Papst in Rom, Leo XIV., Amerikaner und 70 Jahre alt, hat seinem Kontrahenten bisher nur ein einziges Mal persönlich geschrieben – im Vorfeld der schismatischen Bischofsweihen von vergangener Woche, um ihn vor diesem Schritt zu warnen. Pagliarani dankte umgehend «in kindlicher Ergebenheit» für die «väterliche Fürsorge». Leo und er sprächen miteinander wie ein Vater und sein Sohn.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am Mittwoch dann, während der an Pomp kaum zu überbietenden Bischofsweihen in Ecône (VS), wechselte er in den schroffen Ton des offenen Ungehorsams. Rom sei von einem Geist beseelt, welcher der wahren Tradition der Kirche widerspreche, liess Pagliarani per Dekret verlesen. Darum hätten alle Strafen und Zensuren, die Rom wegen der unerlaubten Weihen ausspreche, keinerlei Gültigkeit.Kurz bevor sich dann am Open-Air-Glaubensfest im Unterwallis ein heftiges Gewitter über den 16 000 Gläubigen entlud, offenbarte der Generalobere sein Selbstverständnis. Der historische Tag sei eine Prüfung, sagte er in der Predigt. Die Traditionalisten müssten bereit sein, jeden Preis zu zahlen, um der Kirche zu dienen. «Je mehr wir leiden, umso mehr ist Gott mit uns.» Von aussen als Rebellen wahrgenommen, handelten sie aus purer Not, um den traditionellen Glauben zu retten.Prüfung und Leid legitimieren den Widerstand. Und dass sich Ungehorsam lohnt, durfte Pagliarani schon während der Covid-Pandemie feststellen: Wie alle Prüfungen benutze Gott auch Covid-19 für das Wohl der Seelen. Die Zahl der traditionalistischen Gläubigen habe sich damals mancherorts verdoppelt und verdreifacht. Weshalb? Weil die traditionalistischen Priester die Messe entgegen allen Verboten weiterhin physisch feierten.Die Bruderschaft wächst unaufhaltsam. Heute steht Pagliarani 751 Priestern und 264 Seminaristen in 5 Seminaren vor. Die Priesterseminare sind für ihn die Raison d’être der Piusbruderschaft, um Glauben und Sakramente weiterzugeben. In Rimini aufgewachsen, trat er mit 19 Jahren in die Bruderschaft ein und setzte sich später in Singapur und Buenos Aires für die Ausbildung der Priester ein.Mit Bedacht aber liess sich der Priester am Mittwoch selber nicht zum Bischof weihen. Während die vier jungen Neo-Bischöfe nun unter den weltweit 600 000 Anhängern Sakramente spenden und Priester weihen, kann sich der wortgewandte Italiener in Menzingen ganz auf seine Rolle als Sprecher und Spiritus Rector der Bruderschaft konzentrieren. Mit Verve hatte er die Weihen nach aussen und gegenüber Rom verteidigt. Was ihn schmerzt: Eine Audienz bei Papst Leo blieb ihm versagt.Dessen Vorgänger Franziskus hatte ihn noch empfangen, obwohl Pagliarani einer seiner schärfsten Kritiker war. Der Glaubensrebell warf ihm vor, die Einzigkeit des katholischen Glaubens zugunsten einer allgemeinen Brüderlichkeit zu relativieren. Als Franziskus die alte Messe einschränkte, schimpfte er ihn einen «Gefängniswärter der Tradition», sein Pontifikat insgesamt ein «Desaster».Stets versichert der Generalobere, sich vom Papst nicht trennen zu wollen, ja, ihn zu lieben. Faktisch aber gebärdet er sich Leo gegenüber als Gegenpapst, der den wahren Glauben gegen die vom Zweiten Vatikanischen Konzil modernistisch verseuchte Kirche verteidigt. Etwa mit der eigens vor den Weihen an Papst Leo gerichteten integralistischen «Glaubenserklärung»: Jeder Mensch müsse Glied der katholischen Kirche werden, um seine Seele zu retten. Ausserhalb der katholischen Kirche gebe es kein Heil. Das Christentum sei die einzige von Gott gewollte Ordnung unter Menschen. Woraus zwangsläufig «die Unterordnung der Institutionen und Nationen unter die Autorität unseres Herrn Jesus Christus» folge. Die «widernatürliche Sünde der Unkeuschheit», gemeint ist die gleichgeschlechtliche Liebe, schreie demgegenüber vor Gott nach Strafe und dürfe nie gesegnet werden.Nun aber ergeht es Davide Pagliarani wie den meisten Gegenpäpsten. Mit allen Bischöfen, Geistlichen und formellen Mitgliedern der Bruderschaft wurde er von Rom am Tag nach den Weihen hochoffiziell exkommuniziert.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Wer ist Davide Pagliarani? Der umstrittene Generalobere aus Menzingen
Der Generalobere der Piusbruderschaft begründet den Ungehorsam gegen Rom mit dem Leiden an der modernistischen Kirche. Jetzt hat er die Traditionalisten mit unerlaubten Bischofsweihen ins Schisma geführt.











