Eines der Fessis-Seeli, im Hintergrund in der Mitte der Tödi (3612 m). Heinz Staffelbach Der Weg zu den zahlreichen Fessis-Seeli führt durch eine urige Landschaft mit magischer Ausstrahlung. Dabei wandert man über zwei völlig unterschiedliche Gesteine.Vis-à-vis vom wilden und schroffen Vrenelisgärtli, keine zehn Kilometer Steinadlerflug über das Glarner Haupttal hinweg, liegt ein sanft geneigter Berghang unter dem Gufelstock und dem Breitchamm. Zwar gibt es hier keine märchenhaften Gärtli oder Schneefelder, die bis nach Zürich leuchten. Dafür funkelt hier fast ein Dutzend kleinere und grössere Seen unter dem Himmel. Gletscher haben ihre Betten ausgehobelt, sind aber vor langer Zeit schon verschwunden. Dafür bimmeln hier heute im Sommer die Glocken von Kühen und Rindern von der nahen Alp Ober Fessis.Die Wanderung von der Bergstation der Luftseilbahn Ennenda–Äugsten zu den Fessis-Seeli gehört zu den Wander-Highlights im Glarnerland. Kein Wunder, denn die Aussicht hinüber zum Glärnisch, über das tief eingeschnittene Haupttal des Glarnerlandes und die Bergwelt um den Tödi ist etwas vom Feinsten in der (erweiterten) Innerschweiz. Wer hier an einem Schönwetterwochenende im Sommer oder Herbst unterwegs ist, wird nicht alleine sein.Alle, die das einsame Wandern lieben, machen sich darum besser unter der Woche auf den Weg; oder die Mutigen an einem Tag mit «spannendem» Wetter. Schliesslich verhelfen die Kräfte des Himmels – Wolken, Wind und wechselndes Licht – der urigen Landschaft bei den Seeli erst recht zu einer magischen Ausstrahlung. Für den Rückweg zur Bergstation empfehle ich nicht die Aufstiegsroute, sondern die etwas längere Variante über Ober Fessis und das ­Achseli. Das Pässchen beim Schafleger, in den Wolken der Glärnisch, gleich darunter rechts der Vorder Glärnisch. Heinz Staffelbach Die Region um Äugsten und die Fessis-Seeli ist geologisch speziell. Denn gleich vor dem Erreichen der Seen überschreitet man eine Grenze zwischen zwei völlig unterschiedlichen Gesteinen. Vom Start der Wanderung her ist man auf Dolomit unterwegs; das kalkähnliche Gestein wurde vor gut 200 Millionen Jahren mithilfe von Mikroorganismen in einem seichten Meer abgelagert. Nach der Grenze, also um die Fessis-Seeli, wandert man auf oft rötlichem Verrucano. Ebenfalls ein Sediment, das aber 50 Millionen Jahre älter ist und aus dem Schutt eines uralten Gebirges besteht, der zu einem Konglomerat verfestigt wurde.Koordinaten Start Bergstation Luftseilbahn Ennenda–ÄugstenRoute via Pass beim Schafleger zu den Fessis-Seeli und dann zurück via Ober Fessis und Achseli zum Ausgangspunkt; 11,3 km, je 980 m Auf- und Abstieg, etwa 5 Std., Schwierigkeit T2Verpflegung Äugstenhütte nach dem StartpunktKarte 1:25 000, Blatt 1154; 1:50 000, Blatt 237 Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.