Wenn an diesem Sonnabend in Barcelona die Tour de France beginnt, sitzen zwei Männer aus dem Osten nicht mehr im Sattel – aber sie wissen besser als die meisten, was dort vorne passiert. Olaf Ludwig, 66, aus Gera. Und Jens Voigt, 54, geboren in Grevesmühlen in Mecklenburg. Der eine holte 1990 als einziger DDR-Star das Grüne Trikot der Tour. Der andere brachte es auf 17 Tour-Teilnahmen – häufiger schaffte das in der ganzen Tour-Geschichte nur ein einziger Fahrer. Beide aber sind nicht über die Tour zum Radsport gekommen, sondern über ein Rennen, das es längst nicht mehr gibt: die Friedensfahrt.

Eine Sportlergeneration liegt zwischen ihnen – und doch eint sie dieselbe Geschichte: Beide haben die Friedensfahrt gewonnen, beide sind später Etappensieger der Tour de France geworden.

Fünf Jungs spielen Friedensfahrer

Bei Olaf Ludwig fing alles 1972 an, als er zwölf war. Die Friedensfahrt – das große Etappenrennen durch Warschau, Berlin und Prag, der Stolz des Ostblocks – machte Station in seiner Heimatstadt Gera. „Die Friedensfahrt wurde im Fernsehen und Radio übertragen – das war das größte Sportereignis, das wir hatten. Und das war nun in Gera, und ein DDR-Fahrer hat gewonnen“, erzählt Ludwig im Gespräch mit der OAZ. „Da sind wir fünf Jungs nach Hause gefahren, haben Friedensfahrer gespielt und beschlossen: Wir gehen uns morgen anmelden.“