Was ist zu erwarten?Eine vielleicht so attraktive Wettfahrt wie lange nicht. Fast alle großen Fahrer stehen putzmunter beim größten und bedeutendsten Radrennen der Welt am Start. Das allein verspricht schon ein Spektakel. Los geht es mit einem Start im Ausland am Samstag, 4. Juli, in Barcelona, wo auch die zweite Etappe zu Ende gehen wird. 21 Teilstücke mit insgesamt 3333 Kilometern und 54.450 Höhenmetern müssen die Fahrer auf dem Weg nach Paris bewältigen.Von Barcelona geht es über die Pyrenäen ins Zentralmassiv. Anschließend fährt der Tross über die Vogesen in die Alpen, wo das große Finale steigt. Acht Bergetappen mit fünf Bergankünften, sieben Flachetappen und vier Teilstücke mit hügeligem Terrain warten auf die Fahrer. Hinzu kommen ein Mannschafts- und ein Einzelzeitfahren. In Deutschland zeigen die ARD und Eurosport Livebilder von der 113. Austragung dieses Rennens.F.A.Z.Wer hat die besten Karten?Zugegeben, eine Überraschung ist das nicht: Radsport-König Tadej Pogačar geht auch diesmal als klarer Favorit ins Rennen. Der Sieger der vergangenen beiden Austragungen zeigte sich zuletzt bei der Tour de Suisse in bestechender Form und will sich nun seinen fünften Tour-de-France-Sieg sichern, mit dem er mit den Größten seines Sports gleichziehen kann: Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain haben ebenfalls fünfmal die Tour gewonnen.Doch auch seine Konkurrenten haben zuletzt davon gesprochen, dass sie Schritte nach vorn gemacht haben: Jonas Vingegaard fuhr bei seinem Sieg beim Giro d’Italia ein dominantes Rennen, sprach zwei Jahre nach seinem schweren Sturz davon, nicht nur zurück, sondern „vielleicht besser als jemals zuvor“ zu sein. Florian Lipowitz berichtete von Bestwerten, die er zuletzt gefahren ist. Und der gerade mal 19 Jahre alte Paul Seixas wird nach seinem überragenden Frühjahr ebenfalls als heißer Kandidat für einen Podestplatz gehandelt, der auch Pogačars Teamkollegen Isaac Del Toro zuzutrauen ist. Das große Fragezeichen ist Remco Evenepoel. Der Teamkollege von Lipowitz ist seit Ende April kein Rennen mehr gefahren.Was ist Florian Lipowitz zuzutrauen?Ein Platz unter den besten fünf auf jeden Fall. Mit dem Podium könnte es schwieriger werden als im vergangenen Jahr, weil die Konkurrenz stärker und mit Seixas ein neuer Anwärter hinzugekommen ist. Spannend wird die Situation im eigenen Team. Red-Bull-bora-hansgrohe geht laut Rennstall mit einer „gleichberechtigten“ Doppelspitze ins Rennen und könnte schon auf der ersten Etappe beim Mannschaftszeitfahren im neuen Modus (dazu später mehr) mit dem Olympiasieger und Weltmeister in dieser Disziplin ins Gelbe Trikot fahren. Evenepoel ist auf jeden Fall ein Siegkandidat für den ersten Tag.Der Belgier hat die Tour schon mal als Dritter beendet, zeigte zuletzt aber Schwächen im Hochgebirge. Hat er dort nicht massiv zugelegt, wird Lipowitz ihn später im Rennen abhängen. Falls es so kommt, hängt der Erfolg des Deutschen auch davon ab, für welche Strategie sich das Team vorher entschieden und wie es den Vorjahresdritten eingesetzt hat. Muss er für den potentiellen Mann in Gelb Helferdienste leisten und hat keine ganz freie Rolle, wird er vielleicht schon Zeit verloren haben. Dann wird es ganz eng mit dem Podium.Welche Deutschen sind außerdem dabei?Die restlichen Deutschen lassen sich in drei Kategorien zusammenfassen: Sprinter, Ausreißer und Helfer. Zu Ersteren gehören Pascal Ackermann, Phil Bauhaus und Max Kanter, die ihren ersten Etappensieg bei der Tour jagen. Gleiches gilt für Georg Zimmermann, Georg Steinhauser und den neuen Deutschen Meister Felix Engelhardt. Sie könnten an einem guten Tag aus einer Ausreißergruppe heraus weit vorn landen. Die restlichen Deutschen um Nils Politt, John Degenkolb, Nico Denz, Niklas Märkl und Michel Heßmann dürften überwiegend Helferdienste leisten.Auf wen muss man sonst achten?Zum nächsten großen Duell der beiden Klassikerkönige wird es nicht kommen. Mathieu van der Poel steht zwar am Start und ist ein Kandidat für das Gelbe Trikot in der Anfangsphase, Wout van Aert muss jedoch wegen einer Infektion seines Ellbogens passen. Das ist vor allem für Jonas Vingegaard und dessen Team Visma – Lease a Bike ein herber Rückschlag. Van Aert war in den vergangenen Jahren eine Art Schweizer Taschenmesser, weil er dem Team mit seiner Flexibilität auf jedem Terrain helfen konnte.Bei den Sprintern sind hingegen fast alle großen Namen am Start, wenn man Jonathan Milan ausklammert, der den Giro gefahren ist: Jasper Philipsen, Tim Merlier, Olav Kooij, Biniam Girmay und Arnaud De Lie dürften sich große Duelle liefern. Ein Mann, den man außerdem unbedingt im Auge behalten sollte, ist der Brite Tom Pidcock, der 2022 als jüngster Profi eine Etappe mit Ankunft in Alpe d’Huez gewann. Er hat bisher offengelassen, ob er auf eine gute Positionierung im Klassement fährt oder auf Etappenjagd geht.Was ist neu?Gleich zum Start gibt es eine Premiere. Erstmals seit sieben Jahren findet wieder ein Mannschaftszeitfahren statt. Diesmal jedoch in ganz neuem Format: Die Teams starten gemeinsam, die Zeiten im Ziel werden jedoch für jeden Fahrer individuell gewertet. Es kommt also darauf an, den Kapitän so weit wie möglich zu bringen, ehe dieser am Ende noch mal alles aus sich herausholen kann.Dabei wartet auf die Fahrer gleich ein erster kleiner Formtest. Die letzten 800 Meter geht es bei sieben Prozent hoch auf Barcelonas Stadtberg Montjuïc. Hier wird es zum ersten Duell der Gesamtklassement-Fahrer kommen. Ein kleiner Knall zum Start, der niemanden die Tour kosten wird, aber manch einen schon etwas teurer zu stehen kommen könnte, wenn hier die ersten Abstände entstehen.Welche Höhepunkte warten auf der Strecke?Schon auf der dritten Etappe geht es zum ersten Mal in die Pyrenäen. Richtig hart wird es dort aber erst auf dem sechsten Teilstück, wenn der Col d’Aspin und der Col du Tourmalet auf dem Programm stehen. Nach knackigen Etappen im Zentralmassiv und den Vogesen geht es zum großen Finale in die Alpen.Dort wird die doppelte Rückkehr eines Giganten den Fahrern im Weg stehen: An gleich zwei aufeinanderfolgenden Tagen muss das Peloton den Anstieg nach Alpe d’Huez bewältigen, der einer der großen Tour-Mythen ist. Am ersten Tag geht es die klassische Seite mit ihren 21 Kehren hoch. Am Tag darauf wartet eine brachiale Etappe mit 5600 Höhenmetern, auf welcher der Col de la Croix de Fer, der Col du Télégraphe und der Col du Galibier bezwungen werden müssen, ehe die Fahrer Alpe d'Huez von einer anderen Seite erklimmen, die so noch nie bei der Tour gefahren wurde. Das harte Finale hat vor allem einen Zweck nach zwei Jahren, in denen Pogačar das gesamte Feld in Grund und Boden gestampft hat: Die Veranstalter hoffen, dass das Rennen so bis zum Schluss spannend bleibt.
Tour de France 2026: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Ein Gigant kehrt zurück, das Schweizer Taschenmesser fehlt: Die Tour startet mit einem kleinen Knall – und endet mit einem großen. Welche Höhepunkte gibt es? Wer ist Favorit? Und was ist Florian Lipowitz zuzutrauen?














