Gleich zweimal auf die legendäre Alpe d’Huez und ein Novum zum Start – die Tour de France 2026 lässt den Teilnehmern wenig Zeit zum EinrollenAm 4. Juli beginnt in Barcelona die Tour de France. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur grössten Radrundfahrt des Jahres.03.07.2026, 05.30 Uhr8 LeseminutenDie Schlussetappe der Tour de France führt traditionell auf die Champs-Élysées in Paris.Benoit Tessier / ReutersWann findet die Tour de France statt?Die Tour de France startet am 4. Juli in der katalanischen Metropole Barcelona und endet am 26. Juli auf den Champs-Élysées in Paris. Zum 27. Mal startet die wichtigste Rundfahrt des Jahres im Ausland. In der Vergangenheit erfolgte der Auftakt zur Tour de France auch schon in Deutschland, Luxemburg, Belgien, Irland, Dänemark und 1982 mit Basel in der Schweiz.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Schlussetappe findet jeweils rund um Paris statt, mit dem Ziel auf den Champs-Élysées. Traditionsgemäss wird der Führende im Gesamtklassement auf dem letzten Teilstück nicht mehr angegriffen. Früher wurde die Etappe meist im Sprint entschieden, galt gar als inoffizielle Weltmeisterschaft der Sprinter. Doch wie im letzten Jahr müssen die Fahrer 2026 auf der letzten Etappe dreimal den steilen Montmartre bewältigen. Das sorgt zwar für Spektakel – im vergangenen Jahr lieferten sich der Tour-Sieger Tadej Pogacar und der Belgier Wout van Aert ein spannendes Duell. Doch die Sprinter kritisierten die Schlussetappe, weil ihnen nach den Strapazen in den Pyrenäen und den Alpen die Chance auf einen prestigeträchtigen Sieg geraubt wird.Wie viele Kilometer und Höhenmeter bewältigen die Fahrer dieses Jahr?Während der drei Wochen stehen 21 Etappen auf dem Programm. Unterbrochen wird die Rundfahrt an den Montagen der zweiten und dritten Woche, dann gönnen die Organisatoren den Athleten einen Ruhetag. Heuer muss das Fahrerfeld 3333 Kilometer und 54 450 Höhenmeter bewältigen. Das sind 3000 Meter zusätzliche Kletterei im Vergleich zum vergangenen Jahr. Der Eindruck täuscht also nicht, dass die Tour de France von Jahr zu Jahr härter wird.Die Rundfahrt beginnt in Barcelona mit einem Novum. Erstmals seit 1971 startet die Tour mit einem Mannschaftszeitfahren. Vor 55 Jahren triumphierte in Mulhouse das Team des späteren Gesamtsiegers Eddy Merckx. Anders als an anderen Teamzeitfahren zählt jedoch nicht die Zeit des fünften Fahrers einer Equipe, sondern es wird individuell gestoppt. Alle Athleten einer Mannschaft fahren aber zusammen los.Heuer starten die ersten drei Etappen in Spanien, ehe die Fahrer auf dem dritten Teilstück die Grenze zu Frankreich überqueren. Bereits am Montag findet die erste Bergetappe in den Pyrenäen statt, so früh wie selten zuvor an der Tour de France; Zeit für lockeres Einrollen bleibt den Teilnehmern somit kaum.Flachetappen wie hier an der letzten Tour sind prädestiniert für einen Massensprint.Daniel Cole / APDie Etappen-TypologieFlachetappen. Längere Etappen mit wenigen Höhenmetern. Auf diesen Teilstrecken sind die Sprinter prädestiniert für den Tagessieg. Auf das Gesamtklassement haben sie kaum Auswirkungen, solange das Feld geschlossen ankommt. Es kann aber zu Windkanten kommen. Dabei profitieren Fahrer nicht mehr vom Windschatten, fallen zurück und verlieren Zeit. Zudem ist die Gefahr von Massenstürzen auf Flachetappen besonders gross.Hügelige Etappen. Diese gleichen vom Streckenprofil her einer Frühjahrsclassique wie der Flandernrundfahrt oder Lüttich–Bastogne–Lüttich. Auf diesen Teilstücken gilt es, entweder kurze und steile oder dann längere, dafür sanfte Anstiege zu bewältigen. Siegchancen haben entweder Sprinter oder Classique-Spezialisten.Bergetappen. Hier sind die Kletterer gefragt. Auf den Bergetappen müssen die Fahrer lange und steile Anstiege bewältigen. Diese Teilstücke stehen jeweils in den Pyrenäen und in den Alpen auf dem Programm. Auf diesen Etappen kann es zu grossen Verschiebungen im Gesamtklassement kommen. Bricht ein Fahrer in einem Aufstieg ein, verliert er schnell mehrere Minuten.Zeitfahren. Im Einzelzeitfahren sind die Athleten im Kampf gegen die Uhr auf sich allein gestellt. Ausserdem gibt es Bergzeitfahren und Mannschaftszeitfahren. An der diesjährigen Tour steht nach dem Auftakt in Barcelona auf der 16. Etappe auch noch ein Einzelzeitfahren im Programm.Welche legendären Anstiege sind diesmal im Programm?Die Tour de France hat noch einmal mehr Höhenmeter als die vergangene Ausgabe, bereits in der Startwoche finden Etappen in den Pyrenäen statt, es folgen solche im Zentralmassiv, in den Vogesen und im Jura, ehe es in der letzten Woche in die Alpen geht. Insgesamt stehen sieben Bergankünfte auf dem Programm. Ausserdem führt der Parcours in der Schlusswoche an zwei aufeinanderfolgenden Tagen die 21 Haarnadelkurven hinauf zur legendären Alpe d’Huez. Dieser Berg war schon in der Vergangenheit Schauplatz spannender Duelle um den Gesamtsieg und ist berühmt für die Partystimmung bei den Zehntausenden Zuschauern.In den Pyrenäen steht ausserdem ein Dauergast auf dem Programm: Auf der 6. Etappe gilt es, den Col du Tourmalet zu erklimmen. Der 2115 Meter hohe Pass wurde an der Tour 1910 erstmals befahren und ist dieses Jahr schon zum 87. Mal Bestandteil der Rundfahrt. Das Dach der Tour liegt wie so oft auf dem Col du Galibier, 2642 Meter hoch. Der Fahrer, der diesen Pass als Erster überquert, wird mit dem Souvenir Henri Desgranges ausgezeichnet und kassiert 5000 Euro.Welches sind die Sieger der letzten Jahre? Und wer hat am häufigsten gewonnen?Lance Armstrong hat die Tour zwischen 1999 und 2005 siebenmal in Serie für sich entschieden. Die Siege wurden später wegen Dopings annulliert. Die Titel wurden nicht an die zweitplatzierten Fahrer weitergegeben, weil auch sie unter Dopingverdacht standen oder tatsächlich gedopt hatten. Es gibt aus dieser Zeit also keine Sieger.Tadej Pogacar könnte in diesem Jahr zum Rekordsieger der Tour de France werden.Guillaume Horcajuelo / EPAWie viele Athleten und Teams nehmen an der Tour teil?Zur Tour de France 2025 starten 23 Equipen mit insgesamt 184 Fahrern. Die Ziele der Mannschaften sind unterschiedlich. Equipen wie Visma – Lease a Bike mit dem zweifachen Sieger Jonas Vingegaard oder UAE Team Emirates mit Tadej Pogacar fahren auf den Gesamtsieg. Andere Equipen wie Alpecin-Deceuninck mit Mathieu van der Poel oder die Schweizer Teams Tudor oder Pinarello Q36.5 sind eher auf Etappensiege aus.Wie viele Fahrer und Helfer sind mit einem Team unterwegs?Maurice Garin, der erste Tour-Sieger, war 1903 auf sich allein gestellt: Schäden am Velo, Getränke, Nahrung – um alles musste er sich selbst kümmern. Heute besteht ein Team aus 8 Fahrern und mehr als 20 Betreuern. Geht ein Velo kaputt, bringt ein Begleitfahrzeug innert Kürze ein neues. Die Fahrer werden aus den Autos mit Essen, Getränken und Medizin versorgt und strategisch beraten. Ausserdem sind Physiotherapeuten, Pressesprecherinnen, Mechaniker, Ärztinnen und Köche dabei.Auch eine Materialschlacht: Rund 20 Betreuerinnen und Betreuer begleiten die Fahrer eines Teams an der Tour de France.Kim Ludbrook / EPAWer sind die Favoriten bei der Tour de France 2026?In den vergangenen sechs Jahren hiess der Sieger der Tour immer Tadej Pogacar oder Jonas Vingegaard. Pogacar triumphierte 2020, 2021, 2024 und 2025; Vingegaard 2022 und 2023. Auch in diesem Jahr dürften die beiden den Gesamtsieg unter sich ausmachen.Pogacar sorgte schon in den Frühjahres-Classiques für Furore; er gewann mit Mailand–Sanremo, der Flandernrundfahrt und Lüttich–Bastogne–Lüttich drei Monumente, danach entschied er souverän die Tour de Romandie und die Tour de Suisse für sich. Vingegaard siegte bei Paris–Nizza und der Katalonien-Rundfahrt, ehe er erstmals am Giro d’Italia triumphierte.Die Tour de France ist an der Spitze so breit besetzt wie schon länger nicht mehr. Neben Pogacar und Vingegaard steht auch Paul Seixas im Fokus; der 19-jährige Franzose bestreitet seine erste Tour und schürt in Frankreich die Hoffnung auf den ersten einheimischen Tour-Sieger seit 1985 und Bernard Hinault. Hinzu kommt das Team Red Bull-Bora-Hansgrohe mit der Doppelspitze Remco Evenepoel und Florian Lipowitz. Der Belgier Evenepoel wurde 2024 Gesamtdritter, der Deutsche Lipowitz im letzten Jahr. Der 25-jährige Lipowitz traf schon an der Tour de Romandie auf den Dominator Pogacar und war dort der Einzige, der dem Slowenen in den Anstiegen halbwegs zu folgen vermochte.Welche Schweizer sind am Start?Es starten lediglich vier Schweizer zur Frankreichrundfahrt. Silvan Dillier ist als Helfer von Mathieu van der Poel eingeplant. Mauro Schmid dürfte vor allem in den hügeligen Teilstücken einen Etappensieg jagen. Dieses Ziel verfolgt auch das Schweizer Tudor-Team. Yannis Voisard startet in dieser Equipe erstmals zur Tour, ausserdem steht auch Marc Hirschi im Aufgebot. Hirschi hat 2020 als bisher letzter Schweizer eine Etappe der Tour de France für sich entschieden.Marc Hirschi hat 2020 eine Etappe der Tour de France für sich entschieden.Stefano Sirotti / ImagoWofür stehen das gelbe, das grüne, das gepunktete und das weisse Trikot? Und warum ist eine Startnummer rot?Das Trikot-ABCGelbes Trikot. Das Maillot jaune trägt der Führende in der Gesamtwertung. Den Rekord für die meisten Tage im gelben Trikot hält Eddy Merckx mit 96 Tagen. Fabian Cancellara fuhr 29 Tage in Gelb, so lange wie kein anderer Schweizer.Grünes Trikot. Für erfolgreiche Zwischensprints unterwegs und im Etappenziel gibt es Punkte in der Punktewertung zu gewinnen. Das grüne Trikot wird meist zur Beute der Sprinter. Rekordhalter ist der Slowake Peter Sagan mit sieben Siegen in der Punktewertung.Gepunktetes Trikot. Je nachdem, wie steil und lang ein Anstieg ist, gibt es Punkte in der Bergwertung. Wer am meisten Punkte einfährt, darf das gepunktete Trikot tragen. Rekordsieger ist der Franzose Richard Virenque, er trug das Bergpreistrikot siebenmal bis nach Paris.Weisses Trikot. Ins weisse Leibchen darf sich der beste Jungprofi der Tour einkleiden. Sechsmal in der Geschichte der Frankreichrundfahrt hat der beste Jungprofi auch die Gesamtwertung gewonnen.Rote Startnummer. Am Ende jeder Etappe zeichnen die Organisatoren den «kämpferischsten Fahrer» aus. Jenen Athleten also, der mit Attacken oder dem Mitfahren in einer Fluchtgruppe besonders auf sich aufmerksam gemacht hat. Er darf am Folgetag die rote Startnummer tragen. In Paris wird jeweils der kämpferischste Fahrer der ganzen Rundfahrt geehrt.Wie viel Preisgeld wird ausbezahlt?Die Tour-Organisatoren schütten in diesem Jahr knapp 2,3 Millionen Euro Preisgeld aus. Der Gesamtsieger bekommt 500 000 Euro, der Zweite 200 000 und der Dritte 100 000 Euro. Die Punktewertung (grünes Trikot) und die Bergwertung (gepunktetes Trikot) werden mit je 25 000 Euro honoriert, der beste Jungprofi (weisses Trikot) bekommt 20 000 Euro.Ein Etappensieger erhält 11 000 Euro, die beste Mannschaft verdient 50 000 Euro. Ausserdem gibt es kleinere Prämien für Bergpreis- und Sprint-Punkte während der Etappen. Diese Einnahmen gehen allerdings meistens direkt in die Mannschaftskasse.Peloton, Poursuivants, Gruppetto – was bedeuten diese Fachbegriffe?Der Tour-JargonPeloton. Bezeichnet das Feld, in dem das Gros der Starter fährt. Im Feld können die Fahrer vom Windschatten profitieren, in heiklen Streckenpassagen steigt aber auch die Gefahr von Stürzen.Fluchtgruppe. In den meisten Etappen probieren einzelne Fahrer auszureissen. Meistens sind sie keine Favoriten auf den Gesamtsieg, sondern versuchen, mit ihren Aktionen einen Etappensieg herauszufahren. Dieses Vorhaben ist selten von Erfolg gekrönt, sehr oft holt das Peloton dank dem Windschatten die Ausreisser wieder ein.Tête de la course. Bezeichnet einen einzelnen Fahrer oder eine Fluchtgruppe, die an der Spitze des Rennens fährt.Poursuivants. So nennt man eine Verfolgergruppe, die einer Fluchtgruppe oder einem allein vorausfahrenden Ausreisser auf den Fersen ist. Die Verfolgergruppe hat sich ebenfalls vom Peloton abgesetzt.Gruppetto. Zu einem Gruppetto formieren sich auf den harten Bergetappen abgehängte Helfer und Sprintspezialisten, die nicht mehr mit dem Feld mithalten können oder wollen. Die Fahrer in dieser Gruppe achten darauf, dass sie bis zum Zielschluss, der sogenannten Karenzzeit, ins Ziel kommen. Sind sie zu spät im Ziel, werden sie von der Tour ausgeschlossen. Meistens gibt ein erfahrener Profi das Tempo vor. Anders als an der Spitze ist die Solidarität im Gruppetto gross, die Fahrer helfen sich mit Nahrung und Getränken teamübergreifend aus.Hors catégorie. Die Anstiege an der Tour de France werden nach Steilheit, Anzahl Höhenmetern und Länge klassifiziert. Dabei gibt es die Stufen 1 bis 4 und die «höchste Kategorie»: Hors catégorie.Flamme rouge. Das ist die Marke einen Kilometer vor dem Ziel. Diese wird mit einem roten Banner angezeigt.Ein Zuschauer hat sich als Maskottchen der Tour verkleidet und wartet auf das Fahrerfeld.Daniel Cole / APPassend zum Artikel
Die Tour de France 2026 lässt den Teilnehmern wenig Zeit zum Einrollen
Am 4. Juli beginnt in Barcelona die Tour de France. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur grössten Radrundfahrt des Jahres.












