Gelb ist die Farbe der Tour de France. Schon am Donnerstag war sie überall in Barcelona zu sehen, dort, wo am Samstag die Tour ihren Anfang nimmt.

Riesige schwarz beschriftete gelbe Plakate kündeten von dem Sportereignis aus dem Nachbarland. Lauter Zuschauer mit von einem Sponsor zugeworfenen gelben Kappen beobachteten die Parade der 21 Teams. Sie führte vom Jugendstil-Klinikkomplex Hospital de la Santa Creu i Sant Pau aus zur Sagrada Família. Dort rollten die Fahrer über eine gelbe Rampe hinauf auf die Bühne, die Kirche leuchtete pittoresk im Abendlicht. Gelb wird auch das Trikot sein, das der beste Fahrer der Tour erhält.

Um 19.30 Uhr fuhr Paul Seixas mit seiner Mannschaft Decathlon CMA CGM auf das riesige Podium. Die ohnehin bestens gelaunten vielen Tausend Zuschauer, darunter viele Franzosen, jubelten daraufhin noch lauter.

Seixas, ein herausragender Zeit- und Bergfahrer, gerade mal 19 Jahre alt, schlank, lockiges Haar, debütiert in diesem Juli beim größten Radrennen der Welt. Er ist dabei jetzt schon Frankreichs Hoffnung auf den ganz großen Coup, den ersten Sieg eines Franzosen seit Bernard Hinaults finalem Triumph im Jahr 1985.

Seixas ist bereits jetzt ein Sammler von Siegen, sieben sind es schon in dieser Saison. Die schwere Baskenland-Rundfahrt gewann Seixas mit 2:30 Minuten Vorsprung souverän vor dem Deutschen Florian Lipowitz. Im Norden Spaniens gelangen Seixas zudem drei Etappensiege bei sechs Tageswertungen. Kurz darauf ließ er der Konkurrenz beim hügeligen Klassiker Flèche Wallonne in den Ardennen keine Chance. Vier Tage später stellte sich Seixas beim Monument Lüttich-Bastogne-Lüttich vor und konterte als einziger Fahrer bis zum allerletzten Anstieg jeden Angriff von Tadej Pogačar, dem derzeitigen Großmeister des Radsports. Pogačar gewann vor Seixas, der mit diesem zweiten Platz ein weiteres Kapitel seiner erstaunlichen Frühreifen-Saga schrieb.