Die lange, zauberhafte Karriere des Luka Modrić beginnt an einem Sommertag 2004. Bei Dinamo Zagreb spielt der junge Mann, er trägt seine Haare lang über die Schultern, gehalten nur von einem dünnen Bändchen.Schon seine ersten Auftritte sind eine Vorahnung: So einen hat es in Kroatien noch nie gegeben. Modrić liest das Spiel, er dirigiert es. Modrić rennt nie, er galoppiert über den Platz und nutzt die gesparte Energie, um darüber nachzudenken, welcher Pass gleich der klügste ist. Inmitten des rasend schnell gewordenen Fußballs ist er noch 22 Jahre später, an einem Sommertag 2026, der Mann ohne Zeitdruck.Der Sommer seines Lebens: Kroatien Zweiter, Modrić Weltfußballer 2018.AFPSie hätten mit ihm als Kapitän und Nummer 10 fast die Weltmeisterschaft gewonnen, 2018 war das. Modrić scheiterte damals nur an der Generation Pogba & Mbappé der Franzosen, die keine andere Mannschaft der Welt hätte schlagen können. Die Kroaten, die ähnlich viele Einwohner haben wie Berlin, schon. Der Weltfußballer heißt in diesem Jahr nicht Paul Pogba oder Kylian Mbappé, er heißt Luka Modrić. Vier Jahre später, 2022, sind die Südosteuropäer wieder nah dran: Bei der WM in Qatar landen sie auf dem dritten Platz.Und jetzt, 2026? Das 202. Spiel im blauen Trikot, das Sechzehntelfinale gegen Portugal, war das letzte von Modrić. Noch einmal zauberte er, noch einmal waren seine Kroaten stärker als der Gegner mit den ganz großen Namen: Cristiano Ronaldos Portugiesen standen am Abgrund von Toronto, bis der Zufall sie rettete. Wäre Igor Matanović mit kurzen Haaren nach Amerika gereist, Kroatien stünde vermutlich im Achtelfinale.Die Strähnen des Stürmers aber berührten den Ball (vermutlich) kurz vor dem vermeintlichen Ausgleich – der VAR entschied auf Abseits. Danach nahm Ronaldo seinen ehemaligen Kollegen in den Arm, gemeinsam haben die beiden viele Titel gewonnen. Modrić steht, das darf nicht unerwähnt bleiben, bei sechs Champions-League-Trophäen. Der WM-Pokal kommt nicht dazu.Er aber hat viel mehr erreicht: Eine Generation junger Kroaten schaut zu ihm auf. Dem Mann, dessen Großvater im Jugoslawienkrieg ermordet, dessen Familie vertrieben wurde, dessen große Karriere ohne die Hilfe von Fußballinternaten oder zig Trainern begann. Welch Ironie des Schicksals: Das letzte große Spiel des blonden Jungen aus Zadar, der, immer wenn er sich die Strähnen aus dem Gesicht schob, die ganz großen Bühnen öffnete – es endet wegen einer Haarspitze.
Fußball-WM 2026: Der letzte große Auftritt von Luka Modric
Im rasend schnell gewordenen Fußball war er stets der Mann ohne Zeitdruck: Luka Modrić, Weltfußballer und sechsmaliger Champions-League-Sieger. Seine lange Karriere endet mit einer haarigen Angelegenheit.














