Neuer Therapieansatz : Mit Phagen und Kot gegen Blasenentzündung03.07.2026, 13:12Lesezeit: 2 Min.Harnwegsinfekte sind oft hartnäckig. Frankfurter Mediziner erproben in einer internationalen Studie eine neue Strategie, um Betroffenen zu helfen.Ein neuer Ansatz, um wiederkehrenden Harnwegsinfektionen vorzubeugen, wird in einer internationalen Studie unter Leitung der Frankfurter Universitätsmedizin erprobt. In dem Projekt werden Patienten unter anderem mit Bakteriophagen behandelt – das sind Viren, die gezielt Bakterien töten. Weil Harnwegsinfekte oft von bestimmten Stämmen des Darmbakteriums Escherichia coli verursacht werden, wird in der Studie auch die Stuhltransplantation erprobt. Hierbei wird den Patienten Kot von Gesunden übertragen, um mithilfe der darin enthaltenen Bakterien die Darmflora zu sanieren.Hartnäckige Entzündungen von Blase oder Harnröhre werden oft durch Bakterien verursacht, die gegen bestimmte Antibiotika resistent sind. In der Studie, die von der EU mit 15 Millionen Euro gefördert wird, werden drei Behandlungsstrategien für solche Fälle verglichen: eine alleinige Phagentherapie, die Kombination von Bakteriophagen mit Antibiotika und schließlich Phagentherapie mit anschließender Stuhltransplantation.Nach Angaben des Frankfurter Uniklinikums erkranken jedes Jahr auf der ganzen Welt mehr als 400 Millionen Menschen an einem Harnwegsinfekt. In 30 bis 50 Prozent der Fälle tritt die Erkrankung mehrmals auf. Dies hängt auch damit zusammen, dass die übliche Behandlung mit Antibiotika oft zu Resistenzen führt. Eine Bakteriophagentherapie in Kombination mit einer Darmsanierung könnte nach Ansicht der Frankfurter Forscher ein Ausweg aus diesem Teufelskreis sein.An der Studie nehmen 16 Projektpartner aus acht europäischen Ländern teil. In begleitenden Untersuchungen wollen die Wissenschaftler mehr darüber herausfinden, wie Bakteriophagen im menschlichen Körper wirken, wie sie abgebaut werden und welche Nebenwirkungen die Therapie hat. KI-gestützte Modelle sollen zeigen, bei welchen Patienten die Behandlung voraussichtlich anschlägt.