Irgendwann habe ihn sein mittlerweile fünfjähriger Sohn nach einer mal wieder sehr langen Woche gefragt, warum er eigentlich lieber in der Küche stehe, als Zeit mit ihm zu verbringen. Für Felix Adebahr war das, so erzählt er, der Punkt, an dem er gemerkt hat: So wie jetzt geht es nicht weiter. Ausdruck dieses Sinneswandels ist nun sein neuestes Projekt: Goethe und Gabel.Für den 32-jährigen Felix Adebahr ist es das erste eigene Restaurant, in der Münchner Gastro-Szene aber ist er kein Unbekannter: Er hat schon im Tantris und im Esszimmer gearbeitet, danach war er erst Küchenchef im Käfer-Restaurant Green Beetle, dann im Mural.Dieser hohe kulinarische Anspruch soll auch für das Goethe und Gabel gelten, trotzdem soll die Arbeit „familiengerecht“ sein, wie Adebahr sagt. Damit das klappt, hat er sich mit drei Freunden zusammengetan: Maximilian „Maxi“ Hollasch, 30, sowie Tim und Jonas Heuberger, 30 und 32. Die drei wiederum kennt der eine oder andere vielleicht schon vom Getränkemarkt Isardurscht in der Au.Familiengerecht und Gastronomie, das klingt erst einmal wie ein Widerspruch. Die Vier haben sich aber ein Konzept überlegt, das aufgehen könnte: Geöffnet hat ihr Restaurant am Goetheplatz nur wochentags und dann auch nur von 11 bis 19.30 Uhr. Und, auch das so ungewöhnlich wie es Möglichkeiten der Flexibilität für jeden Einzelnen bietet: Sie wollen im Team rollieren; so soll am Ende jeder jede Position besetzen können.Am Anfang – geplant ist ein Soft Opening zur Wiesn – will Felix Adebahr mit Jonas Heuberger in der Küche stehen, später werden auch die anderen beiden aus dem Gastraum mal dorthin wechseln, genauso wie Adebahr mal den Service übernehmen wird. Die Voraussetzung dafür ist allerdings klar: „Das Wichtigste ist, dass von Anfang an die Qualität stimmt.“ Denn auch wenn Adebahr, der für das Green Beetle den Grünen Stern erkocht hat, nicht gleich nach neuen Sternen greifen will – ambitioniert bleibt er doch.Die mediterranen Gerichte, die er mal im Goethe und Gabel servieren will, beschreibt er als „sehr blumig und leicht“, mit vielen frischen Kräutern, aber auch über das Jahr Eingelegtem. Gerade könnte das zum Beispiel bedeuten: ein Salat mit bunten Tomaten, Physalis und Ricotta. Denn Nachhaltigkeit und Saisonalität sind ihm ebenso wichtig wie Bezahlbarkeit. Die Gerichte sollen im Schnitt zwischen 7,50 und 19 Euro kosten.Bis zur Eröffnung muss allerdings noch einiges getan werden: Das Olé Madrid, das sie übernommen haben, ist etwas in die Jahre gekommen. Seit Anfang des Jahres sind sie schon am Werkeln und, das betont Hollasch: Vieles machen sie dabei in Eigenregie oder lassen sich von Freunden aus den unterschiedlichen Gewerken helfen. Das Goethe und Gabel ist schließlich vor allem eins: ein Gemeinschaftsprojekt (Goethe und Gabel, Häberlstraße 15, Montag bis Freitag 11 bis 19.30 Uhr, geplante Eröffnung Mitte September).Sterneköchin mit Lust auf Pop-upsDas Gemeinschaftliche, das Soziale ist es auch, was Rosina Ostler, 34, dazu gebracht hat, neben ihrem Job als Sterneköchin im Alois neuerdings Pop-ups zu veranstalten. Im April hat sie eine „Kartoffel der Woche“ für Caspar Plautz kreiert, Ende Juni war sie beim Krüner Kiosk zu Gast und kommende Woche gastiert sie nun auf der Terrasse der Goldenen Bar. Sie findet nämlich: „Genuss ist Genuss“, Sterneküche hin oder her. Und das Schöne an solchen Pop-ups sei: Die könnten sich auch Leute leisten, für die ein Besuch im Alois zu teuer sei.Servieren wird sie mit ihrem Team, das genauso viel Bock auf die Abwechslung hat wie sie, neben einem Zucchini-Salat, Blutwurst-Croquettas und Forellen-Ceviche (je 12 Euro), ein Sharing Plate mit Sticky-Lamm-Salatwraps zum Selbermachen (32 Euro) oder einen Pulled Hummer im Brioche-Bun (22 Euro). Dazu gibt’s passende Drinks von der Goldenen Bar, Livemusik und DJs. Und auch wenn danach noch kein weiteres Pop-up für den Sommer geplant ist, das letzte soll es nicht gewesen sein. Wäre ja auch schade, jetzt, wo Ostler einen Namen für ihre kulinarischen Seitensprünge hat: Sunday Affairs (Sunday Affairs, 12. Juli, 16 bis 22 Uhr, auf der Terrasse der Goldenen Bar, Prinzregentenstraße 1, freier Eintritt).
Neues aus der Münchner Gastro-Szene
Das Team von Goethe und Gabel will kulinarischen Anspruch mit flexiblen Arbeitszeiten vereinbaren.








