Humor im Fußball ist eine todernste Angelegenheit, das erlebt man gerade in der ehemaligen Fußballnation Germany, wo es aktuell nichts zu lachen gibt. Früher gab es auch nichts zu lachen, denn des Fußballs Hofnarren waren in besseren Zeiten Matze Knop, Oliver Pocher und Mario Basler. Fürs Wortwitzige zuständig war am ehesten noch der alte Trainer Max Merkel, der über den früheren 1860-Löwenbändiger Werner Lorant gesagt hat: „Seine Frisur sieht aus, als sei sie mit der Trompete geföhnt.“ Doch, das ist witzig. Max Merkel war allerdings Österreicher, da kann man so was schon erwarten.Fürs Leichte zuständig bei dieser WM ist im US-Sender Fox der Experte Zlatan Ibrahimović, früherer schwedischer Nationalspieler mit 570 Toren für etliche Topklubs von Juve bis Manchester United. Außerdem ist ihm ein Wort im Schwedischen gewidmet: zlatanera bedeutet „dominieren“. Diese imposante Karrierebilanz hat auch seinen Sense of Humor definiert. Ibrahimović („Warum ein Fiat sein, wenn man ein Ferrari sein kann?“) ist in seinen Sprüchen immer der König. Aber: Beim Ernstnehmen der eigenen Person auch einen gewissen Unernst mitschwingen lassen, das ist die Kunst.Deutschlands WM-Aus:Elfmeterschießen können wir jetzt also auch nicht mehrDeutschland, ehemaliger Exportweltmeister, ehemaliger Automobilriese, wird jetzt auch im Weltfußball rausgekickt. Aus im Sechzehntelfinale, im Elfmeterschießen, gegen Paraguay. Ein Trauerspiel.Muhammad Ali („Ich bin so gemein, dass ich sogar Medikamente krank mache“) hat es vorgemacht, Ibrahimović ist ein talentierter Schüler des Meisters und sieht in seinen kostbaren Anzügen, die sie ihm im Fernsehen anziehen, entsprechend aus. Gepflegt auf dicke Hose machen kann man am besten in maßgeschneiderten Klamotten.Ibrahimović („Wer mich stoppen will, muss mich umbringen“) treibt das ewige Heroengerede im Fußball durch permanente Überzeichnung endgültig dem Absurden entgegen. „Wir suchen gerade nach einem Haus. Aber wenn wir nichts finden, mein Gott, dann kaufe ich halt einfach das Hotel“, sagte er vor Jahren, seinerzeit auf Quartiersuche in Paris. Als er später aus Paris wegzog: „Ich kam wie ein König, ich ging wie eine Legende.“Bei der WM nun erzählt er seine Geschichte entspannt weiter. Bei einem Spiel von Katar: „Katar wird Hilfe von Gott brauchen. Und ich bin da.“ Bei einem Gespräch über emporschießende Follower-Zahlen verschiedener Torwarte: „Ich habe keine Follower. Ich habe Gläubige.“ Eine Moderatorin überreichte ihm nach einer Woche Expertentätigkeit ein Zertifikat für den „Mitarbeiter der Woche“. Er sagte: „Das kriege ich nach einer Woche – stellt euch vor, was nach mehreren Wochen los sein wird.“ Nichts ist unmöglich, du musst dran glauben, nur der Himmel ist die Grenze. Das lernt man in Amerika. Irgendwann bei der WM sagte Ibrahimović: „Nach einem Monat werde ich der Präsident von Amerika sein.“Man muss sich immer seine leicht angeraute Stimme dazudenken, das zurückgegelte Haar, das Barkeeper-Bärtchen. Kann sein, dass einem all das nach einiger Zeit schwer auf die Nerven geht. Aber für die Kleinigkeit von 39 Tagen XXL-Weltmeisterschaft funktioniert die XXL-Großmäuligkeit des Experten Zlatan Ibrahimović wunderbar.