Gott ist zurück in Amerika – Zlatan verzückt als WM-Kommentator die USAKeiner passt besser in ein amerikanisches Sportstudio als das Grossmaul Zlatan Ibrahimovic. Seine Sprüche lässt er sich mit Millionen entgelten. Opfer der Sticheleien ist oft ein früherer Held Amerikas.12.07.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenRebecca Lowe muss ein schwieriges Trio bändigen: Thierry Henry, Zlatan Ibrahimovic und Alexi Lalas analysieren für Fox Sports die WM.Frank Micelotta / Fox Sports via GettyZlatan Ibrahimovic verabschiedete sich 2019 von Los Angeles Galaxy, wie nur er es kann. Er schrieb auf Instagram: «Ich kam, ich sah, ich siegte.» Und an die Galaxy-Fans gerichtet: «Ihr wolltet Zlatan, ich habe euch Zlatan gegeben. Gern geschehen. Die Geschichte geht weiter . . . Und jetzt schaut euch wieder Baseball an.»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Weil es nie genug Zlatan sein kann, kehrte Ibrahimovic nun in die USA zurück. Zusammen mit dem französischen Weltmeister Thierry Henry und dem amerikanischen Ex-Fussballer Alexi Lalas kommentiert er auf Fox Sports, der Sport-Tochter von Trumps Lieblingsfernsehstation, die WM. Einen Besseren als den früheren schwedischen Starstürmer hätte der Sender nicht finden können. Er ist nirgends besser aufgehoben als in den USA, wo eine gute Show wichtiger ist als inhaltliche Tiefe.Zlatan ist die Figur, die Ibrahimovic vor einem Vierteljahrhundert erfunden hat. Das Grossmaul mit Migrationshintergrund, das über den Fussball den sozialen Aufstieg aus dem Malmöer Problemviertel Rosengard schaffte. Der begnadete Stürmer mit Gott-Attitüde, der virtuos auf dem schmalen Grat zwischen Grössenwahnsinn und Selbstironie balanciert.Sprüche von Fussballern machen meist die Runde, weil sie unfreiwillig komisch sind. Nicht bei Zlatan: Seine trockenen Einwürfe sitzen perfekt. «Wir brauchen den Philosophen nicht, der Zwerg und ich reichen vollkommen», sagte er einst über Pep Guardiola, seinen Trainer bei Barcelona. Der Zwerg war Lionel Messi. Und über die Wohnungssuche in Paris, als er zu PSG wechselte: «Wir suchen gerade nach einem Haus. Aber wenn wir nichts finden, mein Gott, dann kaufe ich halt einfach das Hotel.»Lalas ist jetzt ein strammer RechterAuch nach seinem Rücktritt im Sommer 2023 lebt der 44-Jährige von der Figur, die er erschaffen hat; er weidet sie geradezu aus. Seine teuren Anzüge trägt er mit der Haltung eines Croupiers im Casino, diskret erinnern seine gegelten Haare an einen Gangsterboss. Wie stark die Marke Zlatan ist, zeigt vor allem der Vergleich mit dem Mann, der jeweils rechts von ihm steht.Alexi Lalas ist nicht wiederzuerkennen. Der WM-Held von 1994, der die USA damals in den Achtelfinal gegen Brasilien führte, verkörperte mit seiner wilden Pumuckl-Frisur und dem Ziegenbärtchen einen amerikanischen Prototypen. Zumindest in der europäischen Vorstellung sah man in ihm den Hippie, der mit seiner Harley die Route 66 entlang brettert.Ein Prototyp ist er immer noch, einfach ein ganz anderer. Lalas trägt stramm nach hinten gekämmtes, schütteres Haar und die Uniform der Republikaner: dunkelblaue Anzüge, rote Krawatte. Er ist nicht nur ein stolzer Trump-Wähler, sondern hat auch dessen Stil übernommen. Lalas ist im Expertentrio der Pöbler.Viral ging eine Entgleisung des Amerikaners am Anfang der WM. Der 55-Jährige nannte den Moderator und Comedian James Corden einen «full-kit wanker». Mit dem unflätigen Ausdruck wird jemand verspottet, der das Tenue eines Sportteams trägt, zu dem er nicht aktiv gehört. Corden war in einem Clip für seine Late-Night-Show in der Trainingskleidung des USA-Teams aufgetreten. Unbezahlbar ist Thierry Henrys Ausdruck: Schock und Fremdscham erreichten sein Gesicht gleichzeitig. «Hat er das gerade wirklich gesagt?», fragte er. Selbst Ibrahimovic, nicht zurückhaltend im Austeilen, wirkte peinlich berührt.Es war das einzige Mal, dass der Sprücheklopfer verstummte. Seither pariert Ibrahimovic die Dummheiten von Lalas eiskalt, sekundiert vom anständigen Henry. Als Lalas sagte, die Leistung Frankreichs beim 3:1 gegen Senegal sei auf Arroganz zurückzuführen, konterte der Schwede: «Das ist keine Arroganz, sondern Selbstvertrauen. Unwissende werden sagen, es sei Arroganz, kluge Köpfe werden sagen, es sei Selbstvertrauen.»Ibrahimovic hänselt den zunehmend hilflosen Kollegen bis an die Schmerzgrenze; in einer Schulklasse würde man es Mobbing nennen. Als Lalas einmal in der Übertragung fehlte und die Moderatorin Rebecca Lowe Henry und Ibrahimovic darüber, fragte der Letztere: «Wer?» Um trocken hinzuzufügen: «Amerika, gern geschehen!»Wie ernst seine Abneigung gegen den Kollegen wirklich ist, ist bei einem Pokerface wie ihm unmöglich zu sagen. Die Moderatorin Lowe sah sich auf jeden Fall genötigt, die Wogen zu glätten, und erklärte, dass sich alle im Studio liebten. Wenn das stimmt, ist die Liebe frisch. 2018, als Ibrahimovic in der Major League Soccer spielte, kritisierte ihn Lalas scharf, weil er nach einer Niederlage keine Interviews gab. Lalas nannte den Schweden «weak sauce», etwa: «Feigling». Kann ein «Ibra» das vergessen?Nur Trump ist grösser als ZlatanDas ist viel Geplänkel und wenig Expertise. Wer europäische Diskussionsrunden gewohnt ist, staunt über die Oberflächlichkeit der Analysen. Doch bei den wenig versierten Amerikanern und Amerikanerinnen räumt die Show ab. Die Achtelfinal-Niederlage der USA gegen Belgien sahen rund 30 Millionen Zuschauer und Zuschauerinnen auf Fox Sports.Die Traumzahlen lässt sich der Sender etwas kosten. Ibrahimovic sagt es so: «Ich bin nicht billig. Sie haben für Zlatan bezahlt, und ich werde ihnen Zlatan in seiner ganzen Pracht und ohne jegliche Filter bieten.» Branchenkenner gehen davon aus, dass der Schwede für das fünfwöchige Turnier eine Summe im siebenstelligen Bereich einstreicht, die Schätzungen liegen zwischen zwei und fünf Millionen Dollar.Nicht, dass der Multimillionär Cash braucht. Von unschätzbarem Wert wird für ihn eher die Aufmerksamkeit sein. Im wahren Leben ist Ibrahimovic Senior Advisor beim Serie-A-Klub Milan, mit dem er einst Meister wurde. Im früheren Berlusconi-Klub hat er auch seine Karriere beendet. Milan hat gerade nach einer enttäuschenden Saison die Champions League verpasst. Die gesamte Führungsriege musste gehen – nur einer blieb: die Klubikone Ibrahimovic. Der holt sich ennet dem Ozean Streicheleinheiten ab.Bereits nach einer WM-Woche hatte ihm die Fox-Moderatorin eine Auszeichnung als «Mitarbeiter des Monats» überreicht. «Das kriege ich nach einer Woche», sagte «Ibra», «stellt euch vor, was nach mehreren Wochen los sein wird.» Er gab die Antwort wenig später selbst: «Nach einem Monat werde ich Präsident von Amerika sein.»Eher nicht. Denn die vergangenen Tage haben gezeigt, dass es einen gibt, der grösser ist als Zlatan: der amerikanische Präsident himself. Donald Trump hatte skandalös in die WM eingegriffen und bei seinem Buddy, dem Fifa-Chef Gianni Infantino, die Streichung einer roten Karte erwirkt. Der amerikanische Angreifer Folarin Balogun durfte daraufhin im Achtelfinal spielen. «Ich bin glücklich für die Vereinigten Staaten. Balogun hätte keine rote Karte erhalten sollen», kommentierte Zlatan.Ibrahimovic ist vieles, aber nicht dumm. Er weiss, dass die Kungelei von Trump und Infantino die Integrität des Sports verletzt. Einer, der sich Gott nennt, kuscht vor Trump. Wer hätte das gedacht.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
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Keiner passt besser in ein amerikanisches Sportstudio als das Grossmaul Zlatan Ibrahimovic. Seine Sprüche lässt er sich mit Millionen entgelten. Opfer der Sticheleien ist oft ein früherer Held Amerikas.








