Nach Deutschlands WM-Katastrophe zögerte auch „Newsweek“ nicht lang damit, die große Untergangskeule in Richtung Germany zu schwingen. Nun hat das nur noch online erscheinende Magazin, das einst zusammen mit dem Time Magazine das Nonplusultra des amerikanischen Journalismus war, in den letzten 20 Jahren zwar selbst an Renommee verloren. Aber auch, wenn es nicht mehr den Status eines unfehlbaren Orakels hat, ist ein solcher Bericht ein durchaus wichtiger Indikator. Es bedeutet, dass die die Erzählung vom „Abstieg Deutschlands“ längst auch im angelsächsischen Mainstream angekommen ist. Es ist kein Geheimtipp von Ökonomen mehr, sondern das Standard-Narrativ, das man sich in Washington und New York über Deutschland erzählt.

Wohlgeordnetes Vorbild in einer unruhigen Welt

So schreibt das Blatt: „Als Deutschland im Juli 2014 in Rio de Janeiro den WM-Pokal in die Höhe stemmte, feierte Newsweek dies als Anbruch eines ‚Jahrhunderts deutscher Erfolge‘. Für Spieler, Experten und Politiker gleichermaßen markierte dieser Moment einen entscheidenden Wendepunkt: Deutschland sollte fortan eine auf dem Kontinent unangefochtene Vormachtstellung im Sport und in zahlreichen anderen Bereichen einnehmen.“

Weiter konstatiert das Magazin, dass sich Deutschland 2014 „inmitten einer Phase stetigen Wirtschaftswachstums, sinkender Arbeitslosigkeit und abnehmender Staatsverschuldung befand“ und seine wirtschaftliche sowie politische Position „gefestigt schien“. So sagt es auch Clemens Fuest, Präsident des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, gegenüber Newsweek.