Keine Gnade für die Piusbrüder: Papst Leo XIV. verhängt ExkommunikationTrotz Schisma dürfte der amerikanische Pontifex gestärkt aus der Kontroverse um die Bischofsweihe in Ecône hervorgehen.02.07.2026, 13.00 Uhr3 LeseminutenIm Konflikt mit der Piusbruderschaft weiss das Oberhaupt der katholischen Kirche die Konservativen auf seiner Seite.ImagoDie vatikanische Bürokratie lässt sich in der Regel Zeit, sehr viel Zeit. Nicht diesmal. Nur einen Tag nach der Weihe von vier Bischöfen durch die erzkonservative Piusbruderschaft im Kanton Wallis ist sie am Donnerstag zur Tat geschritten: Mit einem von Kardinal Víctor Manuel Fernández, dem Wächter über die katholische Glaubenslehre, unterzeichneten Dekret hat der Heilige Stuhl die vier Bischöfe Pascal Schreiber, Michael Goldade, Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier exkommuniziert. Die Exkommunikation gilt auch für die Bischöfe, die sie geweiht haben: den Spanier Alfonso de Galarreta und den Schweizer Bernard Fellay, der bei der Feier mitgewirkt hat.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In einer gemeinsam mit dem Dekret veröffentlichten Erklärung schreibt der Vatikan, dass seit der Zeit von Paul VI. zahlreiche Versuche gescheitert seien, die Bewegung wieder in die Gemeinschaft mit der katholischen Kirche zu führen. Die jüngsten Bischofsweihen von Mitgliedern der von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründeten Bruderschaft ohne päpstliches Mandat und gegen den Willen des Heiligen Vaters hätten die Situation verschärft.Ungültige EheschliessungenWächter der Glaubenslehre: Kardinal Víctor Manuel Fernández.Alessia Giuliani / ImagoEin «solcher Ungehorsam – der eine praktische Ablehnung des römischen Primats bedeutet – stellt einen schismatischen Akt dar», heisst es weiter. Daher befänden sich die Geistlichen der Piusbruderschaft ab sofort «im Schisma und sind daher als Schismatiker zu betrachten», so die Erklärung des von Kardinal Fernández geführten sogenannten Dikasteriums (Ministeriums). «Sie unterliegen der gesetzlich vorgesehenen Exkommunikation.»Diese gilt gemäss der Verlautbarung auch für Laien, die der Piusbruderschaft formell beitreten. Sakramente, die von Angehörigen der Bruderschaft gespendet würden, seien ungültig, ebenso «die von ihnen vollzogenen Eheschliessungen». Wer hingegen zur vollen Gemeinschaft der Kirche zurückkehren wolle, sei willkommen.Damit vollzieht der Heilige Stuhl das, was er seit geraumer Zeit angekündigt hat. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin äusserte noch am Mittwochabend sein Bedauern über den Schritt. Dieser beschädige die Einheit der Kirche. Aber es bestehe die Hoffnung, dass man über kurz oder lang den Dialog wieder aufnehmen könne und eine Lösung für die aufgeworfenen Fragen finde. «Der wesentliche Punkt», sagte Parolin, «ist derjenige des Konzils: Wird das Zweite Vatikanische Konzil akzeptiert oder nicht?»Das Konzil, das von 1962 bis 1965 dauerte, gilt als das wichtigste kirchliche Ereignis des 20. Jahrhunderts. Es leitete umfangreiche Reformen in der katholischen Kirche ein, neben einer Liturgiereform etwa die Anerkennung der Religionsfreiheit sowie die Förderung des ökumenischen Dialogs und des Dialogs mit den nichtchristlichen Religionen.Von besonderer Bedeutung ist die Erklärung «Nostra Aetate» von 1965, welche die gemeinsamen Wurzeln von Christentum und Judentum unterstreicht und jeglichen Antisemitismus sowie die Schuldzuweisung an die Juden für den Tod Jesu ablehnt.Die Piusbrüder haben das Zweite Vatikanum stets abgelehnt. Für Parolin wiederum stellt es einen «Meilenstein der Kirche dar, der akzeptiert und in der richtigen Art und Weise umgesetzt werden muss», wie er am Mittwoch sagte.Milde bei der lateinischen Messe?In Rom geht man davon aus, dass der Entscheid zur Exkommunikation die Stellung von Leo XIV. stärkt. Ihm, dem die Einheit der Kirche ein zentrales Anliegen ist, ist es gelungen, im Konflikt mit der Bruderschaft auch konservative Kirchenmänner auf seine Seite zu ziehen. Es sei kein Zufall, dass die schärfsten Kritiker des Ungehorsams der Piusbrüder gegenüber dem Papst aus dem konservativen Lager kämen, notiert der Vatikanist des «Corriere della Sera».Im Gegenzug für diese Loyalitätsbezeugung seitens des konservativen Lagers könnte der Papst grössere Milde in Sachen lateinische Messe walten lassen, wird spekuliert. «Ich glaube, dass Rom nun bereit sein könnte, flexibler, grosszügiger und väterlicher zu sein, was die Möglichkeit betrifft, die Messe in Latein zu feiern», meinte etwa Erzbischof Georg Gänswein, der frühere Privatsekretär von Papst Benedikt XVI.Passend zum Artikel
Schisma um Piusbrüder: Papst Leo XIV. stärkt seine Position
Trotz Schisma dürfte der amerikanische Pontifex gestärkt aus der Kontroverse um die Bischofsweihe in Ecône hervorgehen.













