Er machte Audemars Piguet gross – nun gründet François-Henri Bennahmias seine eigene UhrenmarkeDer charismatische Ex-CEO von Audemars Piguet kehrt in die Uhrmacherei zurück. Zusammen mit bekannten Zulieferern und Handwerkskünstlern baut eine eigene Uhrenmarke auf. Der ursprüngliche Plan war allerdings ein anderer.02.07.2026, 07.01 Uhr3 LeseminutenFrançois-Henri Bennahmias (2. vl) mit den federführenden Designern der neuen Marke N3W5: Xavier Casals, Sébastien Perret und Dalibor Klaas (vlnr).PDFrançois-Henri Bennahmias war bei Audemars Piguet nie nur der Manager an der Spitze. Er war Antreiber, Verkäufer, Netzwerker und Gesicht der Marke. Er steigerte den Umsatz des Familienunternehmens von 500 Millionen auf 2,4 Milliarden Franken und machte die Uhren aus Le Brassus so begehrt, dass man sie heute in einem Atemzug mit Rolex und Patek Philippe nennt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Als Bennahmias Ende 2023 mit 58 Jahren auf eigenen Wunsch abtrat, war klar: Früher oder später würde man wieder von ihm hören.Im vergangenen Herbst stellte er mit The Honourable Merchants Group eine neue Luxusgruppe vor, die von Dienstleistungen für Sammler bis zu High-End-E-Bikes reicht. Auch die Uhrmacherei war Teil dieses Plans.Vom Übernahmeplan zur eigenen MarkeNun ist klar, welche Form dieser Bereich annimmt: Bennahmias baut mit N3W5 seine eigene Uhrenmarke auf.Ausgesprochen wird der Name wie «News», geschrieben wird er mit Zahlen, damit er geschützt werden kann. N3W5 steht zugleich für North, East, West, South. Die Marke will in der Schweiz produzieren, sich aber Talente aus aller Welt holen.Ursprünglich hatte Bennahmias etwas anderes vor. Bei der Vorstellung der Honourable Merchants Group sprach er von der baldigen Übernahme eines bestehenden Uhrenherstellers. Gemeint war De Bethune, wie Bennahmias nun im Gespräch mit der NZZ sagt: eine kleine, hoch angesehene Schweizer Manufaktur, die traditionelle Uhrmacherkunst mit futuristischem Design und technischer Avantgarde verbindet. Die Verhandlungen mit den amerikanischen Besitzern zogen sich über Monate und scheiterten schliesslich.Für Bennahmias bedeutete das eine Verzögerung. Denn das Herzstück seines Uhrenprojekts ist ein neuartiges mechanisches Werk. Es gehe um eine Technologie im Bereich des Energiehaushalts, sagt er. Details nennt er noch nicht. Aber der Mechanismus, an dem er seit zwei Jahren arbeite, müsse nun statt an die Uhren von De Bethune auf die eigene Marke angepasst werden.Bennahmias erzählt das mit einer Mischung aus Tempo, Zuversicht und Selbstironie, die ihn in der Branche unverkennbar macht. Lange genug sei er weg gewesen, sagt er. Jetzt sei es höchste Zeit zu zeigen, dass etwas am Entstehen sei.Die erste Kollektion von N3W5 will er Ende 2027 an der Dubai Watch Week vorstellen. Eine zweite Linie folgt 2028, einen Monat vor der Uhrenmesse Watches and Wonders.Lieferanten sollen Mitunternehmer werdenBennahmias zielt nicht auf die kleine Nische der unabhängigen Uhrmacher ab, die wenige Dutzend Stück pro Jahr herstellen. Mittelfristig strebt er Stückzahlen von 10 000 bis 15 000 Uhren pro Jahr an. Die ersten Modelle sollen zwischen 20 000 und 35 000 Franken kosten, später auch bis zu 100 000 Franken.Grossen Wert legt Bennahmias auf das Geschäftsmodell. Strategische Partner aus der Schweizer Uhrenindustrie sollen nicht nur Komponenten liefern, sondern sich am Unternehmen beteiligen. Genannt werden unter anderem Spezialisten für Gehäuse und Armbänder, Zifferblätter, Werke oder Gravuren.Zu den bekanntesten Namen, mit denen N3W5 zusammenarbeiten wird, gehört Anita Porchet. Porchet arbeitet seit Jahrzehnten für grosse Häuser und unabhängige Marken und gilt als eine der renommiertesten Emailkünstlerinnen der Branche. Trotzdem ist ihr Name nur Insidern ein Begriff. Bei N3W5 soll das laut Bennahmias anders werden. Er will jene Menschen stärker sichtbar machen, die in der Uhrmacherei oft im Hintergrund bleiben.Nicht die Bahnhofstrasse im VisierAuch beim Vertrieb will Bennahmias neue Wege gehen. Zum Start verkaufen ausgewählte Händler die Uhren, doch bald soll ein neues Vertriebssystem folgen.Finanziert ist das Projekt seit Mitte Juni. Bennahmias führt den Investorenkreis an, die die übrigen Geldgeber sind Privatpersonen. Die Beträge werden offiziell nicht genannt, doch informierte Kreise sprechen von rund 30 Millionen Franken. Das soll reichen, um die Entwicklung zu finanzieren und die Marke bis zum ersten Geschäftsjahr zu tragen.Noch ist N3W5 ein Versprechen. Ob daraus tatsächlich eine neue Kraft in der Haute Horlogerie wird, bleibt abzuwarten.Passend zum Artikel
Nach Audemars Piguet: François-Henry Bennahmias gründet eigene Uhrenmarke
Der charismatische Ex-CEO von Audemars Piguet kehrt in die Uhrmacherei zurück. Zusammen mit bekannten Zulieferern und Handwerkskünstlern baut eine eigene Uhrenmarke auf. Der ursprüngliche Plan war allerdings ein anderer.







