Ein Schweizer Hotelier hat das Château de Montcaud in der Provence aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Wo früher die Bourgeoisie residierte, trifft heute ein historischer Schlosspark auf radikal minimalistisches Design.Wenn man an den Süden Frankreichs denkt, dann denkt man an die glamouröse Côte d’Azur, den Luberon, die berühmten Weine der Côtes du Rhône und auch an von Touristen überflutete Dörfer, Städte und Strände.Überquert man aber die Rhone, so findet man auf deren rechter Uferseite an der Schnittstelle zwischen der Provence, dem Languedoc und Teilen der Cevennen eine reizende, touristisch noch wenig erschlossene und authentische Gegend.In dieser Region, unweit des Städtchens Sabran, liess sich Mitte des 19. Jahrhunderts der Seidenfabrikant und Hedonist Alexandre Collain – wie es sich damals für die aufsteigende Bourgeoisie gehörte – ein Schloss mit üppigem Park errichten. Über ein Jahrhundert blieb es im Besitz der Familie, bevor es vom Schweizer Hotelier Rudy Bauer gekauft und zu einem Schlosshotel umgebaut wurde, das er bis 2013 als Mitglied der Vereinigung Relais & Châteaux führte. Während dieser Zeit war auch Jürg Witmer, der Schwiegervater des heutigen Hoteliers, oft zu Gast und verfiel dem Charme des Anwesens und der Region. Als das Schlosshotel 2016 schliesslich zum Verkauf stand, rief Jürg Witmer seinen Schwiegersohn an und fragte ihn, ob er das Schloss in Frankreich renovieren und leiten möchte. Ein Besuch reichte, und Rolf Bertschi war dabei.Der SchlossparkEines der herausstechenden Merkmale des Anwesens ist sein üppiger Schlosspark mit beeindruckendem Baumbestand und Elementen, die typisch für die Landschaftsarchitektur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind. Nach dem Vorbild der eleganten Pariser Pärke und Gärten gibt es auch im Park des Château de Montcaud Baumarten aus aller Welt, künstliche Teiche, Grotten und romantische Wasserspiele.Die letzten 150 Jahre hinterliessen aber ihre Spuren: Der Park durchlebte Kriege, Trockenzeiten, Überschwemmungen und jahrelange Verwilderung. Als die Familie 2016 das Schlosshotel übernahm, war es Rolf Bertschi besonders wichtig, dem Park seine ursprüngliche Form wiederzugeben, ihn aber an die klimatischen Herausforderungen von heute anzupassen. Alte Baumbestände wurden abgeholzt oder zurückgeschnitten, und Tausende von Bäumen, Sträuchern und Blumen wurden angepflanzt. Herausragendes Merkmal des Château de Montcaud ist sein üppiger Schlosspark mit beeindruckendem Baumbestand. PD Wenn man heute durch den Park spaziert, duftet es nach Akazien, Lavendel und Pinien. Die Bienen in den Bienenstöcken sind fleissig bei der Arbeit und produzieren Honig, den sich die Hotelgäste beim Frühstück auf ihre Baguettes streichen können.Das SchlossAuch das Schloss selbst, mit der Zeit in die Jahre gekommen und nicht mehr an die heutigen Bedürfnisse angepasst, erhielt ein Facelifting. Die schwere und gerne mal dunkle Einrichtung machte Platz für einen zeitgemässen puristischen Stil mit minimalistischer, aber hochgradig funktionaler Ausstattung. Heute erstrahlen die 29 Zimmer und Suiten in klassischem, schlichtem, aber unbestreitbar elegantem Gewand und sind eine gelungene Mischung aus traditionellem, für diese Region typischem Stil und zeitgenössischem Design. PD Am Pool lässt es sich im Schatten der Bäume entspannen. 2018 öffnete das Château de Montcaud zum zweiten Mal seine Türen für die Öffentlichkeit und ist zu einem beliebten Reiseziel für Ästheten geworden, die eine Oase der Ruhe und des Genusses suchen. Aber mehr als das strahlt das Château de Montcaud einen ganz bestimmten Zauber aus. Wenn man mit dem Schlossherrn spricht, den Ort auf sich wirken lässt und die Schönheit des Anwesens geniesst, fällt einem immer wieder auf, wie viele Gedanken in die Konzeption des Hotels geflossen sind. Man spürt einen tiefen Respekt vor der Geschichte des Ortes und eine grosse Neugier darauf, was die Region geprägt hat. Viele Angebote, aber auch Elemente und Details des Schlosses erzählen eine Geschichte; sie wurden nicht aus Zufall gewählt, sondern haben ihre ganz eigene Daseinsberechtigung.Das ParfumAuf dem Spaziergang durch den märchenhaften Schlosspark begleitet einen ein einzigartiges und facettenreiches Parfum: mal leicht und blumig, mal holzig und moschusartig. Bereits in den 1990er Jahren, als Jürg Witmer Gast des Hotels war, erkannte er den für diesen Ort so charakteristischen Duft. Selbst lange als Verwaltungsrat bei Givaudan tätig, sind für ihn und seine Familie Aromen und Düfte ein essenzieller Bestandteil des Gesamterlebnisses. Die parfümierte Brise kann man auch während eines Bades geniessen. PD Daher erstaunt es nicht, dass das Château de Montcaud in Zusammenarbeit mit jungen Parfümeuren die olfaktorische Essenz des Ortes eingefangen und einen Raumduft kreiert hat, der auf das Schloss zugeschnitten ist. Um der für diese Region, aber auch für die Familie so wichtigen Handwerkskunst ihren Platz im Herzen des Hotels zu geben, finden im Taubenschlag des Anwesens regelmässig Kurse für Hobbyparfümeure statt.Die SeideAls Hommage an das 19. Jahrhundert, als die gebirgige Region der Cevennen eines der bedeutendsten Zentren der europäischen Seidenproduktion war, und natürlich an den Erbauer des Schlosses, den Seidenfabrikanten Alexandre Collain, hat sich auch das Château de Montcaud der Wahrung dieses Andenkens verpflichtet. So hängen überall im Schloss Werke aus Seide, die von einem Startup aus den Cevennen hergestellt werden. Mit innovativen Methoden haucht Sericyne dem historischen Industriezweig der Region neues Leben ein und trägt ihn somit ins 21. Jahrhundert. Nicht nur das Essen sieht toll aus, auch die Terrasse, wo man sich verköstigen lässt, ist wunderschön. PD Die RestaurantsIm ehemaligen Taubenschlag des Anwesens hat sich der Chefkoch Matthieu Hervé sein Atelier mit eigenem Kräuter- und Zitrusgarten errichtet. Hier kombiniert er Produkte, Aromen und Geschmäcke aus der Region, probiert neue Rezepturen und Texturen aus, die er, wenn perfektioniert, in seinem mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Gourmetrestaurant «Au Cèdre de Montcaud» oder im gemütlichen Bistro unter den Platanen seinen Gästen serviert.Die Region entdecken Im Nordosten des Département Gard treffen Natur und Geschichte auf einzigartige Weise aufeinander. Abseits der grossen Touristenströme laden mittelalterliche Städte, die Schluchten der Cèze und der Ardèche sowie zahlreiche Wander- und Velowege dazu ein, Kultur, Landschaft und Outdoor-Erlebnisse zu verbinden.Uzès Ein charmantes Städtchen mit einem gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtbild, engen Gassen und Plätzen im Schatten der Platanen.Montclus Die zu den schönsten Dörfern Frankreichs gehörende Ortschaft befindet sich unweit der Cèze-Schlucht.Aiguèze Das Städtchen liegt hoch über der Schlucht der Gorges de l’Ardèche. Empfehlenswert ist hier der «Chemin de Ronde», ein wunderschöner Panoramaweg entlang der Stadtmauern.Laroque-sur-Cèze Das authentische mittelalterliche Dorf liegt in der Nähe der Wasserfälle von Sautadet. Dieser Artikel ist im Rahmen der NZZaS-Beilage «Reisen» erschienen, die von NZZ Content Creation erstellt wird. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
Château de Montcaud: Ein Purismus-Juwel mit märchenhaftem Garten in der Provence
Im Château de Montcaud in der Provence residierte früher die Bourgeoisie, heute trifft ein historischer Schlosspark auf radikal minimalistisches Design.







