Die rechtsextreme Szene ist nach Einschätzung des Bundesamts für Verfassungsschutz weiter gewachsen. Wie aus dem am Dienstag in Berlin veröffentlichten Bericht für das vergangene Jahr hervorgeht, wird ihr ein Potenzial von rund 58.700 Anhängern zugerechnet. Das sind gut 8000 mehr als im Jahr zuvor.Die Steigerung hängt demzufolge vor allem mit der gewachsenen Anhängerschaft der AfD zusammen, die vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall für verfassungsfeindliche Bestrebungen geführt wird. Die Partei hatte im Oktober erklärt, sie habe nunmehr 70.000 Mitglieder.Angesichts dessen sei davon auszugehen, dass sich auch das extremistische Personenpotenzial innerhalb der AfD entsprechend vergrößert habe, heißt es im Bericht. Der Verfassungsschutz gibt in seinem Bericht die Einschätzung, dass 28.000 Anhänger der AfD der rechtsextremen Szene zuzurechnen seien. Im Jahr davor waren es 20.000. Mehr gewaltbereite und jüngere Rechtsextreme 15.600 der Rechtsextremisten in Deutschland werden als gewaltbereit eingestuft. Die Zahl ist gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen (2024: 15.300). Zur Verbreitung ihrer Narrative bemühten sich Rechtsextremisten um den Anschluss an den gesellschaftlichen Diskurs, analysiert der Verfassungsschutz. Im Fokus rechtsextremistischer Agitation stünden weiter die Themen Asyl und Migration. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU, r.) und Verfassungsschutzchef Sinan Selen stellen in Berlin den Verfassungsschutzbericht 2025 vor. © dpa/Kay Nietfeld Als besonders beunruhigend wird der Trend zur Verjüngung, Vernetzung und der Orientierung auf Taten der Szene beschrieben. Als Beispiele werden der Rechtsterrorismus der Gruppe „Letzte Verteidigungs Welle“ und die virtuelle Vernetzung im „Brenton Fanclub“ genannt.Die Szene der „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“ umfasse bundesweit rund 26.000 Menschen, von denen etwa 2600 gewaltorientiert seien. Dazu gehören Menschen oder Gruppen, die die Existenz der Bundesrepublik Deutschland negieren und ihr Rechtssystem ablehnen. Etwas mehr als fünf Prozent von ihnen ordneten die Verfassungsschützer dem rechtsextremen Spektrum zu. Russische Spionage, Sabotage und Desinformation haben zugenommen Die linksextreme Szene ist laut Verfassungsschutz ebenfalls gewachsen. Ihr rechnet das Bundesamt rund 42.200 Personen zu, etwa 4.200 mehr als im Vorjahr. 11.600 Anhänger dieser Szene werden als gewaltbereit eingestuft. Als Belege für die Gefahr werden Brandanschläge auf die Berliner Stromversorgung im September 2025 und Januar 2026 sowie ein Anschlag auf 22 Fahrzeuge der Münchner Polizei im Jahr 2025 aufgeführt.Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat laut BfV nicht nur zu einer Zunahme von Spionage, Sabotage, Desinformation und Einflussoperationen durch Russland in Deutschland geführt, sondern auch den Linksextremismus befeuert – etwa wenn unter Berufung auf „antimilitaristische Gründe“ Straftaten begangen würden. Sticker gegen Antisemitismus in Berlin. Aufrufe zu Hass und Gewalt gegen Jüdinnen und Juden haben zugenommen. © dpa/Elisa Schu Der Nahostkonflikt habe 2025 erneut „ein hohes Mobilisierungspotenzial im islamistischen Spektrum“ erzeugt, stellt das Bundesamt fest. Insgesamt hätten sich Anhänger von Hamas und Hisbollah aber mit öffentlichkeitswirksamen Handlungen weitestgehend zurückgehalten. Scharnierfunktion zwischen Linken, Rechten und Islamisten Den Auswirkungen des Nahostkonflikts und dem Antisemitismus widmet der Verfassungsschutz ein Sonderkapitel in seinem Bericht. Unterschiedliche extremistische Akteure riefen zu Hass und Gewalt gegen Jüdinnen und Juden oder den Staat Israel auf oder verneinten dessen Existenzrecht, heißt es. Regelmäßig komme es bei Demonstrationen im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt zu antisemitischen Vorfällen.Auch die Gefahr möglicher Terroranschläge gegen als jüdisch oder israelisch wahrgenommene Ziele sei weiter als konstant hoch einzuschätzen. Hinzu komme Hetze in Sozialen Medien.Zudem beobachten die Verfassungsschützer seit den Terrorangriffen der Hamas auf Israel im Jahr 2023 mit dem anschließenden Gazakrieg verstärkt, dass Israelfeindschaft und Antisemitismus zu einer Solidarisierung über einzelne extremistische Szenen hinaus führen. Vor allem Akteure aus dem säkularen propalästinensischen Extremismus hätten eine Scharnierfunktion zwischen deutschen und türkischen Linksextremisten, türkischen Rechtsextremisten sowie zur hiesigen islamistischen Szene übernommen. (epd, Reuters, dpa, KNA)