PfadnavigationHomePolitikDeutschlandZahlen steigenVerfassungsschutz zählt 28.000 Rechtsextremisten bei AfD – Dobrindt skeptisch bei VerbotsverfahrenStand: 09:38 UhrLesedauer: 3 MinutenDas Bundesamt für Verfassungsschutz zählt immer mehr Extremisten in Deutschland. Bundesinnenminister Dobrindt und Verfassungsschutzchef Selen präsentierten den aktuellen Jahresbericht.Der AfD‑Mitgliederzuwachs treibt das rechtsextremistische Personenpotenzial laut Verfassungsschutz stark nach oben. Rund 28.000 Mitglieder gelten der Behörde als rechtsextrem. Innenminister Dobrindt warnt dennoch vor einem Verbotsverfahren.Der Verfassungsschutz sieht bundesweit mehr Menschen mit extremistischen Einstellungen, vor allem im rechten Spektrum. Sorgen bereitet den Sicherheitsbehörden zudem, dass die Zahl minderjähriger Rechtsextremisten und Salafisten zunimmt – oft als Folge einer Online-Radikalisierung. Wie aus dem Jahresbericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) weiter hervorgeht, rechnete der Inlandsgeheimdienst im vergangenen Jahr 58.700 Menschen dem rechtsextremistischen Personenpotenzial zu – 8450 mehr als im Jahr zuvor.Dieser Zuwachs hängt größtenteils mit dem Mitgliederzuwachs der AfD zusammen, die vom BfV aktuell als Verdachtsfall beobachtet wird. Die Partei hatte im Oktober erklärt, sie habe nunmehr 70.000 Mitglieder. Von diesen seien etwa 28.000 Rechtsextremisten, schätzt der Verfassungsschutz. In Bezug auf die Auflösung der Jungen Alternative und die Gründung einer neuen AfD-Nachwuchsorganisation sagte Verfassungsschutzpräsident Sinan Selen: „Wir sehen eine programmatische und personelle Kontinuität hin zur Generation Deutschland.“Lesen Sie auchBundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bekräftigte am Dienstag dennoch seine Skepsis zu einem AfD-Verbotsverfahren. Seine Einschätzung habe sich in der Frage „nicht verändert“, sagte er. Er fordere weiter, sich mit der Partei politisch auseinanderzusetzen. „Man muss die Bereitschaft haben, die AfD wegregieren zu wollen.“Dobrindt verwies bei seiner Einschätzung auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln vom Februar. Dieses hatte es dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) untersagt, die Partei als gesichert rechtsextremistisch einzustufen. Daher behandelt das BfV die AfD nun vorerst weiter als Verdachtsfall. Eine Entscheidung im Hauptsacheverfahren steht noch aus. „Meine persönliche Einschätzung ist, dass wir es bei der AfD mit einer extremistischen Partei zu tun haben“, betonte Dobrindt. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts gebe ihm „nicht den Anlass, daran zu glauben, dass sich daraus dann eine positive Entscheidung eines Bundesverfassungsgerichts für ein Verbotsverfahren ergeben könnte“. Dieses wäre für die Entscheidung über ein Parteiverbot zuständig.Lesen Sie auchDie Zahl der gewaltbereiten Extremisten sowohl im rechten als auch im linken Spektrum hat zugenommen, betonte Dobrindt.Lesen Sie auchDem linksextremistischen Spektrum ordnete das Bundesamt 2025 bundesweit 42.200 Menschen zu, nach rund 38.000 im Vorjahr. Die Szene gilt als schwer zu durchdringen. „Wir haben es hier mit hochkonspirativen Strukturen zu tun“, sagt Selen. Dass linksextremistische Gruppen aktuell Zulauf haben, sieht der Verfassungsschutz auch in einem Zusammenhang mit Entwicklungen im rechten Spektrum. So heißt es im Jahresbericht: „Aufgrund des von der Szene wahrgenommenen ‚Rechtsrucks‘ in der Gesellschaft ist davon auszugehen, dass der ‚militante Antifaschismus‘ seine wichtige Rolle behalten und es weiterhin zu einer Vielzahl von linksextremistisch motivierten Straf- und Gewalttaten in diesem Kontext kommen wird.“Dobrindt hält ausreichend Personal für wichtig. Der Verfassungsschutz soll mehr Werkzeuge in die Hand bekommen, vor allem zur Aufklärung im digitalen Raum. Im Vorwort des Jahresberichts dankt er den 4649 Mitarbeitern des BfV. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 hatte das Amt 2813 Mitarbeiter. In Anbetracht der aktuellen Situation sei er überzeugt, „dass wir weiter aufrüsten müssen“ – sowohl im Bereich der Technik als auch, was die Befugnisse angeht, damit BfV und Bundesnachrichtendienst (BND) „zu echten Geheimdiensten werden“.dpa/AFP/nw