Die Zahl der Rechtsextremisten hat in Deutschland im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Das geht aus dem neuen Verfassungsschutzbericht hervor, der an diesem Dienstag in Berlin vorgestellt wird. Darin heißt es, das rechtsextremistische Personenpotenzial sei auf 59.850 Personen angewachsen – ein Anstieg um mehr als 8.000 gegenüber dem Vorjahr.Besonders beunruhigt die Verfassungsschützer, dass der Trend zur „Verjüngung, Vernetzung und Aktionsorientierung der Szene“ gehe. Der Rechtsextremismus sei die „größte Bedrohung“ für die freiheitliche demokratische Grundordnung im Land, schreibt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) im Vorwort.Mehr rechtsextreme GewalttatenDie Zahl rechtsextremistischer Straf- und Gewalttaten bewegt sich zwar auf dem Niveau des Vorjahres; im Jahr 2025 waren es 36.951 Taten, im Jahr davor 37.835. Doch die Zahl der rechtsextremistischen Gewalttaten stieg um knapp neun Prozent auf 1.395.Jugendliche mit ihren Smartphones in Bonn (Symbolbild)ReutersDie Gefahr von Gewalttaten steige dadurch, dass sich Täter zunehmend im Netz radikalisierten. „In sozialen Medien – auch auf Mainstream-Plattformen wie Instagram oder TikTok – sowie über eine weitverzweigte, oft internationale Vernetzung über Messengerdienste wie Telegram und Onlineforen werden menschenfeindliche Inhalte verbreitet, die bis hin zu extremen Gewaltfantasien und Mordaufrufen reichen.“ So sei der Einstieg für junge Leute leichter möglich als früher. Diese zeigten teils eine ausgeprägte Gewaltbereitschaft. Eine Online-Fankultur rund um rechtsextreme Attentäter habe sich gebildet.Rechtsextremistische Akteure versuchten zudem, gezielt Kinder und Jugendliche zu erreichen. Soziale Netzwerke spielten dabei eine wichtige Rolle. Dort erreichten die Rechtsextremisten mit niedrigschwelligen Angeboten ihre Zielgruppen; Jugendlichen böten sie etwa Hilfe bei der Bewältigung von persönlichen Krisen, bei der Identitätsfindung oder auf der Suche nach Struktur und Zusammenhalt an. Die rechtsextremistische Szene arbeite „systematisch“ an der Radikalisierung der nächsten Generation.AfD wird weiter als Verdachtsfall geführtDie AfD wird im Bericht weiter als rechtsextremistischer Verdachtsfall behandelt. In den vergangenen Jahren habe sich die „ideologische Homogenisierung“ fortgesetzt, heißt es dort. Liberal-konservative Positionen seien öffentlich kaum noch wahrnehmbar gewesen, während die Positionen des sogenannten solidarisch-patriotischen Lagers zumeist unwidersprochen vertreten worden seien. Angesichts der steigenden Mitgliederzahl – die AfD hat inzwischen mehr als 70.000 Mitglieder – sei davon auszugehen, dass auch die Zahl der Rechtsextremisten in der AfD gestiegen sei.Der Vorsitzende der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland, Jean-Pascal Hohm, bei der Gründung des Landesverbandes in BrandenburgdpaDoch auch die Bedrohung durch Linksextremismus ist im vergangenen Jahr gestiegen. Die Zahl linksextremistisch motivierter Straftaten stieg 2025 um 39 Prozent auf 8.133 Delikte. Noch deutlicher ist der Anstieg bei den Gewalttaten um 61 Prozent auf 856 Delikte. Damit sind es zwar weiter deutlich weniger linksextreme als rechtsextreme Taten; aber die Zahl der linksextremen Taten stieg zuletzt stärker.Auch hier sehen die Verfassungsschützer einen Trend dazu, dass schon junge Aktivisten zunehmend gewaltbereit sind. Das sei etwa bei der Gründung der Jugendorganisation der AfD, „Generation Deutschland“, in Gießen im November 2025 sichtbar geworden. Marxistisch-leninistische Ideologie werde mit einer „erlebnisorientierten Jugendkultur“ verbunden. Die Geschwindigkeit, mit der diese aktionsorientierten Jugendgruppen neue Mitglieder rekrutierten und bei nahezu allen großen Demonstrationen in Deutschland anträten, lasse erkennen, dass sie künftig eine noch relevantere Rolle innerhalb der linksextremistischen Szene einnehmen dürften.Daneben ist auch die Gefahr durch Spionage und Cyberangriffe aus dem Ausland gestiegen. Das erfordere hohe Wachsamkeit. Insbesondere Aktivitäten von russischen, chinesischen und iranischen Nachrichtendiensten seien verzeichnet worden. Fremde Nachrichtendienste versuchten durch den koordinierten Einsatz unterschiedlicher Instrumente, politische Entscheidungsprozesse auszuforschen oder zu manipulieren. Dobrindt hob im Vorwort des Berichts vor allem die Rolle Russlands hervor. „Der russische Staat möchte unsere Gesellschaft destabilisieren, unsere Demokratie unterwandern und unsere Unterstützung für die Ukraine unterminieren.“