ExklusivKNDS verlängert Analystenroadshow und stösst auf starke VorbehalteKonsortialbanken haben die Analystentour für den Börsengang um zwei Tage verlängert. Berater hatten dem Panzerhersteller mehr als 15 Mrd. € Börsenwert in Aussicht gestellt. Investoren sehen den fairen Wert unter 13 Mrd. €.Die Konsortialbanken des Panzerherstellers KNDS haben die Roadshow von Analysten für den geplanten Börsengang um zwei Tage verlängert. Die Werbetour der Banken bei Fondsgesellschaften begann am Mittwoch (24.6.) und sollte ursprünglich am Dienstag (30.6.) enden. Nun werde die Analystenroadshow bis Donnerstag (2.7.) fortgeführt, erfuhr The Market von Investoren. Pressesprecher von KNDS wollten die Information nicht kommentieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Kampfpanzer Leopard 2 von KNDS.ZVGDie Verlängerung der Analystentour dürfte auf ein geringes Interesse und die Notwendigkeit einer ausgedehnten Überzeugungsarbeit hindeuten. Bei stark gefragten Aktienemissionen werden solche Roadshows eher verkürzt als verlängert. Der Handelsstart der KNDS-Aktien wird in den kommenden Wochen erwartet. Konsortialführer sind Bank of America, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Société Générale.Am Tag des Starts der Analystenroadshow hatte das deutsch-französische Unternehmen in einer Pressemitteilung angekündigt, bis zu 20% der Anteile aus dem Besitz der Alteigentümer an die Börse zu bringen. Zuvor hatte sich die deutsche Bundesregierung mit der deutschen Eigentümerfamilie Bode über die Konditionen für den Kauf ihres 40-%-Anteils geeinigt. Die übrigen 40% an KNDS hält der französische Staat. KNDS erzielte 2025 einen Umsatz von 4,4 Mrd. € und einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 661 Mio. € bei 980 Mio. € Free Cashflow, hiess es in der Pressemitteilung weiter.Preisvorstellung vieler Investoren liegt unter 13 Mrd. €Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte berichtet, dass die Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und der Eigentümerfamilie den Börsenwert des Eigenkapitals mit 15 bis 18 Mrd. € bewerte, abhängig vom Aktienkurs nach den ersten Handelswochen. Doch Investoren sind nach Informationen von The Market nicht bereit, eine derartige Bewertung zu zahlen. Den Analysten nannten viele Investoren einen Börsenwert von 10 bis 13 Mrd. € als angemessen, erfuhr The Market von einer mit dem Vorgang vertrauten Person. Der von KNDS beauftragte Sprecher wollte dies nicht kommentieren.Ein Grund für die niedriger als erhofft ausfallende Preisvorstellung der Anleger ist der Kursrutsch beim Wettbewerber Rheinmetall von 1200 auf weniger als 1000 € nach dem Aus für einen erhofften Fregattenauftrag in der Vorwoche. Die mit dem Börsengang beauftragten Investmentbanker hätten anfangs gehofft, dass sich der Rheinmetall-Kurs im Wochenverlauf erholen werde. Dass dies nicht geschehen sei, werfe Fragen bezüglich des Ausblicks für Rüstungsaktien auf, insbesondere für die Wettbewerber des Dax-Konzerns, sagte ein deutscher Fondsmanager. «Seit dem Kursrutsch von Rheinmetall diskutieren Anleger darüber, dass die Regierungen vielleicht doch nicht so stark in manche Waffensysteme investieren werden wie erwartet», sagt der deutsche Fondsmanager.Fondsmanager und andere Investoren haben ein Interesse daran, den Preis bei der Publikumsöffnung eines Unternehmens herunterzuhandeln. Andererseits fürchten sie bei einem populären IPO («Initial Public Offering») aber auch, bei der Zuteilung der Aktien nicht berücksichtigt zu werden und somit Kursgewinne zu verpassen. Daher haben sie auch einen Anreiz, keine allzu niedrige Preisvorstellung zu nennen.Zweifel am Panzer-Schwerpunkt und an der GovernanceBei KNDS herrschen unter Fondsmanagern jedoch Bedenken vor wegen der starken Ausrichtung des Geschäfts auf schwere Panzer. «Die Beendigung des deutschen Fregattenprogramms und eine ähnliche Absage in Grossbritannien zeigen das beträchtliche Risiko, dass erhoffte Rüstungsaufträge gestrichen werden können», sagt ein internationaler Fondsmanager mit langjähriger Erfahrung in der Rüstungsbranche. Regierungen suchten agilere Waffensysteme, Russland verliere den Krieg gegen die Ukraine, Panzer seien angesichts der Drohnenangriffe Todesfallen: Wer wolle da noch in einen Panzerhersteller investieren, fügt er hinzu. «Der IPO von KNDS kommt zur falschen Zeit und mit der falschen Ambition», sagt der internationale Fondsmanager.Negativ sehen viele Investoren auch, dass KNDS künftig von den Regierungen in Paris und Berlin dominiert wird. Dies erschwere die nötige Neuausrichtung von schweren, bemannten Panzern zu kleineren, unbemannten Fahrzeugen, sagte der internationale Fondsmanager: «Mit einem exzellenten Management hätten sie vielleicht eine Chance, aber mit dieser Governance?». Bei KNDS seien keine Fortschritte erkennbar, um die bislang weitgehend separaten deutschen und französischen Unternehmensteile zu integrieren, kritisiert der deutsche Fondsmanager.Börsenwert von 11 Mrd. € böte kaum Rabatt auf RheinmetallDas Research der Deutschen Bank nennt für das Jahr 2030 Prognosen von KNDS für die Geschäftszahlen («Guidance»). Der Umsatz soll auf 11 bis 12 Mrd. € steigen. Die Ebit-Marge soll 14 bis 15% erreichen.In einer Bewertungstabelle gibt die Deutsche Bank an, dass ein Börsenwert («Equity value») von 15 Mrd. € ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 33 bedeuten würde, errechnet am für 2026 geschätzten Nettogewinn von 449 Mio. €. Ein Börsenwert von 13 Mrd. € ergibt ein KGV von 29 und ein Börsenwert von 11 Mrd. € ein KGV von 25. Zum Vergleich: Rheinmetall wird per Montagabend mit einem KGV von 26 bewertet, der tschechische Wettbewerber CSG mit 12 (beide zum für 2026 geschätzten Gewinn der bei Bloomberg erfassten Analysten).Mit einem Börsenwert von 11 Mrd. € böte KNDS also kaum einen IPO-Rabatt zum seit Jahren kotierten Konkurrenten Rheinmetall. Ein IPO-Rabatt von 20% ergäbe ein KGV für KNDS bei 20, was einem Börsenwert von 9 Mrd. € entspräche, wie die Tabelle im Deutsche-Bank-Research zeigt.