Der deutsch-französische Panzerbauer KNDS tritt auf die Bremse und stoppt seinen geplanten Börsengang. Hintergrund ist die derzeitige Kursflaute von Rüstungsaktien. Angesichts der „Marktvolatilität im europäischen Verteidigungssektor“ hätten die Eigentümer dem Unternehmen ihre Absicht mitgeteilt, den Börsengang erst wieder aufzunehmen, sobald sich die Marktbedingungen verbessern. So steht es in einer am Mittwochabend verschickten Pressemitteilung. KNDS-Eigentümer sind zu je 50 Prozent die deutsche Wegmann-Familienholding und der französische Staat. Das aus der Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und Nexter hervorgegangene Unternehmen stellt unter anderem die Panzermodelle Leopard 2, Boxer und Puma her.Auf KNDS-Seite bemühte man sich am Donnerstag um Klarstellung, dass die Konzernstrategie durch die Entscheidung unverändert bleibe. Laut einer Sprecherin gebe es keine Auswirkungen auf das operative Geschäft und die geplanten Investitionen. Der Börsengang könnte schon in zwei Wochen wieder aufgenommen werden. Es könnte aber auch deutlich länger dauern. Man habe „im Wesentlichen alle erforderlichen Vorbereitungsphasen für die geplante Börsennotierung abgeschlossen und intensive Gespräche mit Investoren geführt“, hieß es in der Pressemitteilung. Diese Gespräche bestätigten, dass die Investoren an die langfristige Strategie von KNDS glaubten. Unternehmen und Eigentümer würden die Marktbedingungen genau beobachten.Auf die Eigentümerschaft hat die Entscheidung allerdings Auswirkungen. So hatte im Zuge des Börsengangs der deutsche Staat KNDS-Großaktionär werden sollen. Die nach monatelangen Verhandlungen erzielte Einigung sieht vor, dass sich die Wegmann-Familie vollständig aus dem Kapital zurückzieht und 20 Prozent der Aktien an institutionelle Investoren gehen. Die übrigen 80 Prozent sollten künftig je zur Hälfte vom deutschen und französischen Staat gehalten werden. Das ist nun vorerst vom Tisch, bestätigte die KNDS-Sprecherin. Der deutsche Staatseinstieg sei mit dem Börsengang verknüpft. Die Wegmann-Familienholding und der französische Staat bleiben damit auf absehbare Zeit alleinige Eigentümer von KNDS.Ganz neu ist der Abwärtstrend nichtDie deutsch-französische Parität ist formal auch so gewahrt. Ohne Staatseinstieg hat die Bundesregierung jedoch bei weitem nicht die gleichen Einflussmöglichkeiten. „Eine Beteiligung Deutschlands an KNDS wird den langfristigen Einfluss auf ein für die europäische Sicherheits- und Verteidigungsfähigkeit strategisch bedeutendes Unternehmen sichern“, hatte Regierungssprecher Stefan Kornelius im Juni erklärt. Mit dem Staatseinstieg beabsichtige man, „den Interessen des Bundes angesichts der Bedeutung des Unternehmens Rechnung zu tragen“. Seit jeher gibt es auf deutscher Seite Sorgen vor einem politisch beeinflussten Technologietransfer nach Frankreich – obwohl mit dem Leopard 2 und Boxer die Bestseller von KNDS aus Deutschland stammen und die deutsche Konzerneinheit rund 70 Prozent des Umsatzes generiert.Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, hieß es am Donnerstag gleichwohl auch aus Berlin. „Wir sind weiter daran interessiert, gemeinsam mit den französischen Partnern das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen“, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Die Bundesregierung respektiere die Entscheidung des Unternehmens, die Pläne für den Börsengang zu pausieren, und werde die Lage „weiterhin beobachten und bewerten“. Man habe „in intensiven und konstruktiven Verhandlungen mit Frankreich und der Anteilseignerfamilie eine Verständigung auf Eckpunkte für eine Beteiligung erzielt, die ausgewogene Einflussrechte von Deutschland und Frankreich festschreibt“.Wegmann-Familie dürfte sich ohne Börsengang kaum zufriedengebenOb ein spezifisches Gespräch mit einem Investor für KNDS den Ausschlag gab, den Börsengang auf Eis zu legen, ist unklar. Das Unternehmen macht keine Angaben dazu, mit wie vielen Interessenten es in den vergangenen Wochen über eine Kapitalbeteiligung gesprochen hat. Ganz neu ist der Abwärtstrend für Rüstungsaktien nicht. Für die Papiere von Rheinmetall begann er schon Ende Januar. Mehr als 30 Prozent beträgt der Kursverlust seither. Und so hatte es immer wieder Berichte gegeben, dass die Ende vergangenen Jahres noch auf rund 20 Milliarden Euro geschätzte Bewertung von KNDS inzwischen allenfalls noch 15 Milliarden Euro betrage. Neue Schätzungen aus dieser Woche gehen gar nur noch von zehn bis zwölf Milliarden Euro aus.Vor allem die Wegmann-Familie könnte sich damit kaum zufriedengeben. Mit mehreren Stämmen verzweigt und seit dem Tod ihres inoffiziellen Oberhaupts Manfred Bode im Jahr 2018 nicht mehr so geeint hinter dem Panzergeschäft stehend, hatte sie den jüngsten Rüstungsboom als lukrativen Zeitpunkt für den Ausstieg aus KNDS gesehen. Die Geschäftsführung wiederum hatte den Börsengang als wichtigen Baustein in der Modernisierung des Konzerns dargestellt. Er sei „ein logischer nächster Schritt für KNDS“, hatte der Vorstandsvorsitzende Jean-Paul Alary erst vergangene Woche beteuert. Das Vorhaben werde die „strategische Agilität“ erhöhen und weitere Investitionen in Kapazitäten, Innovation und Technologien der nächsten Generation unterstützen. Dem Vernehmen nach hatte auch das politische Umfeld in Frankreich KNDS dazu veranlasst, den Börsengang noch in diesem Sommer über die Bühne zu bringen. Der nahende Präsidentschaftswahlkampf gilt nicht als förderliches Umfeld für diesen Schritt.
KNDS Börsengang gestoppt: Was das für Deutschland bedeutet
Operativ will KNDS weitermachen wie bisher, auch ohne Börsengang. Dagegen bleibt der deutschen Politik die geplante Einflussnahme auf den Panzerbauer verwehrt.











