Die Chronologie der Ereignisse ist bemerkenswert. Am Mittwochabend verschob der deutsch-französische Panzerbauer KNDS einen seit Langem wortreich angekündigten Börsengang mit der Begründung, das Marktumfeld sei volatil – was in etwa so viel heißt, als dass der realisierbare Ausgabepreis nicht den Vorstellungen entspricht. Das wiederum bedeutet, dass das Interesse von Investoren an den Rüstungsaktien nicht groß genug ist. Dazu passt, dass viele Titel in jüngster Zeit spürbare Rücksetzer erlitten haben – nach allerdings oft atemberaubenden Höhenflügen in den vergangenen Jahren.Am nächsten Morgen präsentierte dann das deutsche Drohnen-Start-up Quantum Systems seine neue Finanzierungsrunde: 1,2 Milliarden Dollar frisches Geld sammeln die Münchner ein. Das ist die größte Runde eines jungen Verteidigungsunternehmens in Europa, und in Deutschland hat überhaupt nur der Robotikspezialist Neura vor wenigen Wochen etwas mehr erhalten. Wie das zusammenpasst? Vielleicht gibt es im Fall des Leopard-Herstellers KNDS doch spezifische Gründe für die Zurückhaltung der Investoren, wie etwa die Aussicht, dass der deutsche und der französische Staat mit zusammen 80 Prozent der Anteile nach dem Teilbörsengang den Ton angeben würden.Von einem generellen Desinteresse am Verteidigungssektor kann jedenfalls keine Rede sein. Im Gegenteil, gerade im angelsächsischen Raum wittern viele Geldgeber ihre Chance. Der US-Investor Apollo will in den kommenden Jahren rund 100 Milliarden Dollar in Deutschland und Europa investieren und hat dabei auch den Verteidigungssektor fest im Blick. Gerade in Deutschland, das mit dem Niedergang etablierter Industrien zu kämpfen hat, hat sich ein lebendiges Ökosystem tech- und softwarebasierter Neulinge herausgebildet. Sie agieren schnell und wendig, treten dem Establishment auch mal vors Schienbein und versprechen unkomplizierte Lösungen für die Herausforderungen der nahen Zukunft.Natürlich sind Start-ups Ankündigungsweltmeister, die man am Ende daran messen muss, was sie tatsächlich liefern. Das gilt aber genauso für Platzhirsche wie Rheinmetall und Co. mit bedrohlich anschwellenden Auftragsbeständen in Milliardenhöhe. Der Vorteil der Herausforderer ist ihr Versprechen, den Mut zum Risiko der Investoren mit traumhaften Renditen zu belohnen. Die Milliardenrunde von Quantum wird nicht die letzte gewesen sein.
Start-up: Investoren träumen doch von Rüstung
Der Panzerbauer KNDS verschiebt seinen Börsengang wegen des Marktumfelds, ein deutsches Start-up sammelt dagegen mehr als eine Milliarde Dollar ein. Wer wagt, kann am Ende auch mehr gewinnen.










