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Die Historikerin Jill Lepore ist Professorin an der Harvard Universität und schreibt für den »New Yorker«. Für ihr Buch »We the People: Eine Geschichte der amerikanischen Verfassung« erhielt sie 2026 den Pulitzer-Preis.

DIE ZEIT: Frau Lepore, die Vereinigten Staaten feiern in diesem Jahr ihren 250. Geburtstag. Wie kann Amerika diesen Tag feiern, wenn sich die Bürger nicht mehr einig sind, was Amerika eigentlich ist oder sein sollte?

Jill Lepore: Die Amerikaner konnten sich im Laufe ihrer Geschichte vermutlich noch nie darüber einigen, was zu feiern ist und was nicht. Das gilt besonders, wenn man sich die großen Jubiläen anschaut – 1826, 1876, 1926, 1976: Die Amerikaner steckten immer in einem großen Streit über irgendetwas. Das ist auch jetzt so, vielleicht noch mehr als sonst. Die Polarisierung ist extrem, es herrscht politische und wirtschaftliche Verzweiflung, die Stimmung im Land ist sehr, sehr, sehr gedrückt.