Steigt der Spieler genau im richtigen Moment hoch, um einen Ball mit dem Kopf zu spielen, sieht das meist beeindruckend aus. Den Österreichern gelang das in ihrem letzten Gruppenspiel gleich doppelt. In der 96. Minute köpfte Michael Gregoritsch den Ball als Vorlage auf Saša Kalajdžić, der den Ball dann ebenfalls per Kopf ins Tor beförderte. So sicherten beide ihrer Nationalmannschaft den Einzug ins Sechzehntelfinale – in letzter Minute.Nachmachen sollte man es trotzdem nicht. Denn wer als Fußballer häufig den Kopf hinhält, hat ein höheres Risiko, später an Demenz oder Alzheimer zu erkranken. Das zeigen Beobachtungsstudien an ehemaligen Spielern schon länger. Fraglich war bisher, was genau zu den neurodegenerativen Erkrankungen führte: Liegt es an Stürzen auf den Kopf, Zusammenstößen mit Mitspielern, oder reichen schon Kopfbälle aus, um langfristig Schäden anzurichten? Immerhin sind sie weniger heftig als etwa Faustschläge beim Boxen.Dass schon ein bis zwei Kopfbälle pro Spiel genügen können, um das Gehirn zu schädigen, legt nun eine aktuelle Studie aus den Niederlanden nahe: Wissenschaftler des Amsterdam University Medical Centers rekrutierten 302 Hobbykicker und organisierten insgesamt elf Spiele. Kopfbälle wurden nicht unter Laborbedingungen untersucht, sondern passierten im natürlichen Spielgeschehen, und zwar relativ häufig: 72 Prozent der Spieler waren an mindestens einer Kopfballaktion beteiligt, wie die Videoanalysen ergaben. Im Vergleich zum Rest zeigten die Blutproben bei diesen Spielern erhöhte Konzentrationen zweier Marker, die auf neuronale Schädigungen hindeuten, S100B und p-Tau 217. Beide Werte fielen umso höher aus, je mehr Kopfbälle ein Spieler hatte und je heftiger diese waren. 24 bis 48 Stunden später waren die Konzentrationen der Marker allerdings wieder auf ein normales Niveau gesunken. Im Magazin „JAMA Neurology“ schreiben die Autoren, dass beide Marker auf Verletzungen am Zytoskelett, also am Gerüst des Nervengeflechts und unterstützender Zellen, hinweisen. Insbesondere p-Tau 217 wird mit der Entstehung von Alzheimer in Verbindung gebracht.Ob die kurzfristig erhöhten Werte auf lange Sicht tatsächlich Alzheimer auslösen, kann die Studie allerdings nicht beantworten. Das kritisiert zumindest Peter Theobald, der an der Cardiff University selbst den Einfluss von Kopfbällen aufs Gehirn untersucht: „Die Autoren haben nicht untersucht, ob Veränderungen auch länger als 48 Stunden anhalten. Es bleibt unklar, ob die Gehirngesundheit langfristig beeinträchtigt wird“, sagte Theobald gegenüber dem britischen Science Media Center.Allerdings hat auch Theobald selbst nach Kopfbällen Schäden im Gehirn festgestellt. In einer 2025 erschienenen Studie hatte er mit Kollegen mit MRT-Bildgebung gezeigt, dass Kopfbälle die weiße Gehirnmasse verändern. Sein Team ließ dafür zwölf Studenten einen Ball zehnmal auf unterschiedliche Entfernungen köpfen – das ist die maximale Menge an Kopfbällen, die der englische Fußballverband erwachsenen Spielern empfiehlt. Auch wenn so versucht wird, die Erschütterungen bei den Spielern möglichst gering zu halten, fanden die Wissenschaftler bei den Studenten Veränderungen in den Hirnscans im Vergleich zur Kontrollgruppe. Die Unterschiede waren nicht etwa kurz nach der Intervention aufgetreten, sondern erst 90 Tage später. Das Ausmaß hing mit der Intensität des Kopfballs zusammen, wie im Journal „Neurotrauma Reports“ nachzulesen ist. Den Autoren zufolge ist dieses Muster ähnlich wie die Veränderungen, die man auch nach Gehirnerschütterungen beobachtet. Nach 180 Tagen allerdings waren keine Unterschiede zwischen den Kopfballspielern und der Kontrollgruppe mehr zu sehen.