Wenn beim Eckball der Finger ins Auge geht, kann es schlimm endenAlle sprechen vom erschütterten Gehirn und von gebrochenen Knochen. Doch im Fussball drohen auch unseren Sehorganen hässliche Verletzungen. Die Kolumne «Hauptsache, gesund».Ronald D. Gerste11.07.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenGerade bei Eckbällen - wie hier im WM-Spiel England gegen Ghana - kommt es im Fussball oft zum Handgemenge. Dann steigt die Gefahr für das Auge durch fremde Finger oder Ellenbogen.Pilar Olivares / ReutersDie Fussball-Weltmeisterschaft geht in ihre Endphase, und glücklicherweise ist es selten zu ganz schlimmen Verletzungen oder medizinischen Notfällen auf dem Platz gekommen. Der Beinbruch des Kanadiers Ismaël Koné, der eine Fraktur beider Knochen des Unterschenkels erlitt, hat sicher keinen Zuschauer unberührt gelassen – er ist eine Erinnerung daran, welchen potenziell gefährlichen Kräften die Spieler bei dieser Sportart ausgesetzt sind.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Hauptsache, gesund»In dieser Kolumne werfen Autorinnen und Autoren einen persönlichen Blick auf Themen aus Medizin und Gesundheit. Mir stockt stets der Atem, wenn ich sehe, wie Spieler beim Kampf um den fliegenden Ball mit den Köpfen zusammenprallen. Fussball sei – so haben es Neurologen in einem Essay formuliert – die einzige populäre Sportart, in der Athleten schon beim regulären Ballkontakt «subkonkussiven Kopfstössen ausgesetzt sind».Wenn dabei die zwei Köpfe zusammenrauschen, bleibt es freilich oft nicht bei «subkonkussiv», also unterhalb der Schwelle zur Hirnerschütterung. Etwa ein Prozent der im Fussball erlittenen Verletzungen sind laut einer österreichischen Statistik veritable Gehirnerschütterungen. Bei Fussballspielerinnen sind sie übrigens dreimal so häufig wie bei Männern. Als ein Grund dafür wird eine schwächere Halsmuskulatur vermutet, die den Kopf beim Zusammenprall weniger gut stabilisieren kann.Die grösste Gefahr für das Auge sind die Finger der MitspielerMeine Sorge als Zuschauer gilt neben dem Gehirn besonders einem anderen Teil des Kopfes. Als Augenarzt packt mich das Grauen, wenn ich die Hände eines Spielers im Gesicht des Gegenspielers sehe, zum Beispiel bei dem üblichen Gerangel vor einem Eckball. Ich finde das potenziell gefährlicher als einen Kontakt mit dem Ball. Der kann zwar ein stumpfes Trauma auslösen, passt aber nicht in die Augenhöhle – anders als bei den für das Sehorgan besonders bedenklichen Sportarten wie Squash und Eishockey.Die Ellenbogen und Finger des Gegners hingegen können Risse in Bindehaut und Hornhaut verursachen – oder noch Schlimmeres. Nie werde ich den Jungen vergessen – er war vielleicht 15 oder 16 Jahre alt –, den ich als Assistenzarzt im Notdienst betreute. Er übte eine Sportart aus, die eigentlich völlig kontaktfrei ist: Schwimmen. Doch sein Vereinskamerad war wohl von seiner Bahn abgekommen; jedenfalls landete sein Finger beim Kraulen mit solcher Kraft im Auge unseres Patienten, dass ein bleibender Sehverlust die Folge war.Von einem solch katastrophalen Augentrauma habe ich beim Fussball noch nicht gehört, wohl aber von Einblutungen ins Auge, typischerweise durch Ellenbogenstösse. Ich finde es sinnvoll, dass in manchen Ländern vor allem im Jugendfussball Schutzbrillen verbreitet, wenn auch kaum jemals zwingend vorgeschrieben sind. Einen Messi oder einen Mbappé kann man sich nur schwer mit solchen dickrandigen «goggles» vorstellen. Aber die Millionen Hobbyfussballer müssen nicht stylisch aussehen, sie haben ja keine Werbeverträge. Das sollte den Schutz des Sinnesorgans etwas leichter machen.Bereits erschienene Texte unserer Kolumne «Hauptsache, gesund» finden Sie hier.Passend zum Artikel