Die Geräuschkulisse von Freibädern ist wie eine Zeitkapsel. Mütter, die ihre Sprösslinge ermahnen sich einzucremen, das Platschen wenn Körper vom Sprungturm auf Wasser treffen, das Kreischen kleiner Kinder unter der kalten Dusche. Wer in den 90ern aufgewachsen ist, fühlt sich unmittelbar in diese Zeit zurückversetzt – ganz ohne Retro-Chichi, bloß mit Bockwurst aus dem Köcher und Pommes Schranke im Pappteller.Kein Matcha-Latte-Grün, kein Influencer-Gesabbel, keine Selbstoptimierung, sondern Chlor, die Trillerpfeife des Bademeisters und trockenes Gras unter den Füßen. Sommerbäder sind kein Vabali oder Tropical Island. Freibäder waren lange Jahre Stützpunkte der Demokratie.

Keine Disco, kein Kino, nur das Freibad

Sie sind einer der letzten Orte der puren und ungesteuerten gesellschaftlichen Begegnung. Denn wenn insbesondere in ländlichen Regionen der Ort fehlt, wo sich alle treffen, weil das Kaufhaus schließt, das Kino dicht gemacht hat, der Betreiber der letzten Disco stirbt, dann bleibt oft nur noch das Freibad.Freibäder wirken sozialer Isolation entgegen. Denn wer das Freibad verlässt, begegnet einander kaum. Kirchen spielen kaum noch eine Rolle, Lieferdienste bringen uns unser Essen kontaktlos nach Hause, in der Bahn wirken spontane Konversationen aufdringlich.Hinzu kommt die Fragmentierung der Milieus, der Freibäder entgegen wirken. Leistungsträger und Prekäre, Konservative und Linke, Alt und Jung begegnen sich halbnackt im Freibad.