Die polnische Regierung fordert einem Bericht der »Süddeutschen Zeitung« zufolge von der Bundesregierung jährliche Hilfszahlungen für polnische Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Höhe von 10.000 Zloty, was rund 2333 Euro pro Person und Jahr entspricht. Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte sich Mitte Juni für die Entschädigung polnischer NS-Opfer ausgesprochen. Laut dem Zeitungsbericht vom Sonntag ist die Finanzierung aber weiterhin ungeklärt.Die langjährige rechtsnationale Regierung in Warschau hatte hohe Reparationszahlungen wegen der NS-Verbrechen gefordert. Am 1. September 2022, und damit genau 83 Jahre nach dem deutschen Überfall auf Polen, hatte die polnische Regierung den Deutschen eine Rechnung vorgelegt. Laut einer Expertenkommission, die jahrelang ausgewertet hatte, welcher Schaden den Polen durch dieses Verbrechen entstanden war, belief sich die Summe auf 6.220.000.000.000 Złoty, umgerechnet 1,316 Billionen Euro. Die Bundesregierung lehnte diese Zahlung ab. Zum einen verwies sie auf eine fehlende rechtliche Grundlage, zudem fürchtete sie Forderungen aus weiteren Ländern.

Neue Kosten: rund 300 Millionen EuroAuch in Warschau rechnete offenbar niemand ernsthaft damit, dass der gigantisch hohe Betrag beglichen würde. Die neue polnische Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk entschärfte ihren Ton gegenüber Berlin deutlich, drängt aber weiter auf Entschädigungen. 2024 stellte die Bundesregierung Polen Zahlungen an noch lebende polnische NS-Opfer in Aussicht. »Mit mir haben Sie jemanden in der deutschen Regierung, der dafür ist«, sagte Wadephul dazu vor knapp zwei Wochen.