Hinter der HeadlineMusks All-KI-Fantasien mischen auch den Bondmarkt aufSpaceX holt sich auch am Anleihenmarkt frisches Kapital. Die Ratingagenturen spielen mit, aber die Investoren sind bei den langfristigen Papieren eher skeptisch. Die SpaceX-Emission ist nur die Spitze einer riesigen KI-bezogenen Finanzierungswelle.Wenige Tage nach dem spektakulären Mega-Börsengang am 11. Juni hat sich SpaceX still und leise weitere 25 Mrd. $ beschafft. Diesmal nicht in Form von Aktien für Privatanleger, sondern durch Fremdkapital von institutionellen Investoren. Kaum hatte die Ratingagentur Moody’s letzte Woche dem hoch defizitären Raumfahrt-KI-Unternehmen das Gütesiegel «Investment Grade» erteilt, testete der Börsenneuling mit fünf Anleihen à Laufzeiten zwischen 5 und 30 Jahren die Aufnahmefähigkeit der Bondmärkte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die fünf Tranchen der SpaceX-Dollar-Anleihe5,35% Coupons, 7 Mrd. $, fällig 20315,65% Coupons, 6 Mrd. $, fällig 20335,875 Coupons, 6 Mrd. $, fällig 20366,6% Coupons, 2,5 Mrd. $, fällig 20466,65% Coupons, 3,5 Mrd. $, fällig 2056Mit dem Geld sollen vor allem teure Schulden abbezahlt werden, unter anderem der Kredit, den Elon Musk 2022 für die Übernahme der Social-Media-Plattform X (vormals Twitter) benötigt hatte, die nun ebenfalls zu SpaceX gehört. Im März dieses Jahres fusionierte Musk die 2002 von ihm gegründete Space Exploration Technologies Corporation mit seinem KI-Unternehmen xAI, das im Wesentlichen X und den Chatbot Grok umfasst.Durch den Börsengang nahm SpaceX über 85 Mrd. $ ein. Die Aktien wurden zu 135 $ begeben und handeln nach einem kurzen Ausflug über 200 $ bei 153 $. Musks Vision mit SpaceX ist es, die Menschheit zu einer multiplanetaren Spezies zu machen. Nebenbei will er die Infrastruktur im All für KI-Rechenzentren nutzen.Wie schon die SpaceX-Aktien stiessen auch die Anleihen auf grosses Interesse, auch wenn die Kreditqualität längerfristig kritisch beurteilt wird. Gemäss Bloomberg gingen bei den federführenden Banken Angebote in Höhe von über 80 Mrd. $ ein. Das erlaubte ihnen, die Emission von den ursprünglich geplanten 20 Mrd. auf 25 Mrd. $ aufzustocken.Die Anleger mussten jedoch mit höheren Renditen geködert werden, als dies für vergleichbare Bonds üblich ist. Vor allem für längere Laufzeiten wurden stattliche Risikoprämien verlangt. So weist die zehnjährige SpaceX-Anleihe eine Rendite von 5,89% aus, 1,4 Prozentpunkte mehr als Staatsanleihen mit gleicher Laufzeit und 0,4 Prozentpunkte mehr als Corporate-Papiere mit vergleichbarem Rating.Bei den kürzeren Laufzeiten ist die Risikoprämie kleiner. Die grösste Nachfrage wurde bei der 2031 fälligen Anleihe registriert. Mindestens bis dahin sollte die Liquidität noch reichen, auch wenn die KI-Sparte xAI nicht so schnell profitabel werden sollte, dürften sich die Investoren gesagt haben.Anders als Aktienanleger, die darauf hoffen, dass SpaceX mit den Rechenzentren im All eine Erfolgsgeschichte mit raketenhaftem Aktienkurs wird, steht für die Bondinvestoren die Sicherheit der Coupons und der Kapitalrückzahlung im Vordergrund. Und diese sind umso unsicherer, je ferner in der Zukunft sie ausbezahlt werden sollen.Fakt ist auch: Der Ausbau der KI-Ambitionen der Sparte xAI wird noch viel Geld verschlingen. Dazu wird das Unternehmen in den kommenden Jahren noch mehrmals den Kapitalmarkt anzapfen, auch den Anleihenmarkt. Das dürfte ein weiterer Grund sein, weshalb Anleger gerade bei längeren Laufzeiten höhere Aufschläge verlangten.Die grossen Ratingagenturen haben SpaceX nach dem Börsengang mit den Noten BBB (S&P Global), BBB+ (Fitch) bzw. Baa1 (Moody’s) ausgestattet. Das sind zwei beziehungsweise drei Stufen über spekulativ oder Ramsch. Als Grund für die grosszügig erscheinende Benotung nennen die Agenturen das solide Geschäft in den Bereichen Raumfahrt und «Connectivity» (Starlink) sowie die üppigen Liquiditätsquellen. Die Kreditanalysten von S&P Global gehen davon aus, dass das KI-Raumfahrt-Unternehmen zwar noch bis 2030 Cashflow-negativ sein wird. Sie erwarten aber nicht, dass die Verschuldung deswegen über die kritische Schwelle steigt.Dass ein Unternehmen, das insgesamt Verluste schreibt und Cash verbrennt, kurz nach dem IPO von den Ratingagenturen für anlagewürdig befunden wird und für die massiven Investitionen im grossen Stil Anleihen platzieren kann, hinterlässt einen schalen Beigeschmack. Das sei ein gutes Beispiel dafür, wie sich Märkte von einem gesunden Aufschwung in den Bereich einer Blase verlagerten, sagte Allianz-CIO Ludovic Subran auf einer Konferenz der «Financial Times».Denn nicht nur die Aktienbewertungen sind auf einem historisch hohen Niveau, auch Unternehmensanleihen gelten mittlerweile als überteuert. Die Renditeaufschläge (Spreads) zu Staatsanleihen sind auf einem historischen Tief.SpaceX gesellt sich zu den kapitalhungrigen KI-GigantenAllgemein wird der Bondmarkt wegen des KI-Investitionsbedarfs von Tech-Giganten geflutet, die einst im Geld schwammen und noch immer zu den Top-Schuldnern gehören, sowie zunehmend auch von Datenzentren-Projekten und weniger kreditwürdigen Playern wie SpaceX.Jeder siebte Dollar, der im laufenden Jahr am Dollar-Markt für Unternehmensanleihen mit IG-Qualität aufgenommen wurde, floss in den KI-Sektor, zeigt eine Auswertung der Bank of America. Inklusive der Fremdwährungsemissionen beläuft sich das Volumen auf 220 Mrd. $, die SpaceX-Emission noch nicht mit eingerechnet.Das grosse Volumen von Non-$-Bonds (gelb) zeigt: Die Anbieter von Cloud-Computing (Hyperscaler) zapfen vermehrt auch Bondmärkte in anderen Währungen an, um ihre Verbindlichkeiten auf verschiedene Währungen zu streuen. In Kanada und Japan wurden noch nie so viele Bonds von ausländischen Emittenten begeben. Allein Google-Mutter Alphabet ist in Japan für die Hälfte, in Kanada für drei Viertel der Fremdwährungsemissionen verantwortlich.Auch am Frankenmarkt, wo in einem guten Jahr 4 Mrd. ausländische Bonds emittiert werden, haben Amazon und Alphabet zusammen bereits 8,874 Mrd. Fr. aufgenommen. Sie nutzen die tiefen Zinsen und den Appetit institutioneller Investoren zu ihrem Vorteil. Es dürfte wohl nicht mehr lange dauern, bis auch SpaceX den Frankenmarkt aufmischt und Schweizer Pensionskassen vor der Frage stehen, wie sie mit Elon Musks Verheissungen umgehen wollen.Mit der erfolgreichen Platzierung der Bonds wird SpaceX auch in die wichtigen Anleihenindizes aufgenommen werden. Wer passiv über ETF in Unternehmensanleihen investiert, wird wie bei vielen Aktien-ETF automatisch SpaceX-Investor. Das Gewicht ist im 9 Bi0. $ schweren US-Investment-Grade-Markt mit 0,3% aber sehr klein.