PfadnavigationHomePolitikAusland250. GeburtstagWährend Trump die USA als Weltmacht feiert, bricht ihr Ansehen dramatisch einStand: 13:09 UhrLesedauer: 4 MinutenDas Vertrauen in die USA ist weltweit gesunken – mit wenigen AusnahmenQuelle: Rahmat Gul/FR172204 AP/dpaDer US-Präsident lädt heute zur großen Geburtstagsfeier in Washington und stellt sich einmal mehr in den Mittelpunkt. Das Bild der USA allerdings hat sich in seiner Amtszeit enorm gewandelt, wie eine globale Umfrage zeigt. Besonders ein Wert ist eingebrochen.Um 19 Uhr Ostküstenzeit soll Donald Trump die große Bühne auf der National Mall in Washington betreten, um nach seinen Worten die „großartigste Kundgebung aller Zeiten“ zu eröffnen. Titel: „America is back“. US-Kampfjets werden durch den Himmel über der Hauptstadt jagen, Militärkapellen spielen Lieder, exklusiv ausgewählt vom US-Präsidenten. Trump wird eine vermutlich lange Rede halten. Es ist der Startschuss zu den zweiwöchigen Geburtstagsfeiern anlässlich des 250. Jubiläums am 4. Juli. Ein halbes Dutzend Künstler hatte vor einigen Wochen ihr Engagement bei der Hauptveranstaltung in Washington abgesagt, weil sie nicht Teil einer aus ihrer Sicht parteiischen Feier werden wollten. Daraufhin entschied Trump, dass die „überbezahlten“ Sänger ohnehin besser zu Hause blieben. Stattdessen kürte er sich selbst zur Hauptattraktion einer Feier, die für eine riesige, vielfältige Nation und ein Vierteljahrtausend US-amerikanischer Geschichte steht. Nach einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage zu urteilen, ist das keine gute Entscheidung. Denn der Republikaner sorgt in seiner zweiten Amtszeit erneut dafür, dass der Ruf der Vereinigten Staaten in der Welt neue Negativrekorde erreicht.Laut der Erhebung des Thinktanks Pew Research haben weltweit im Mittelwert 37 Prozent der Menschen ein positives Bild von den USA, während 57 Prozent die Vereinigten Staaten negativ sehen. Noch schlechter fällt die Antwort auf die Frage aus, wie viel Vertrauen sie in Trumps Führung in der Weltpolitik haben. Das liegt im Median bei nur 23 Prozent.Der Wert ist in den vergangenen zwölf Monaten besonders stark gesunken, etwa nach Trumps Entscheidung, Handelspartner mit hohen Zöllen zu belegen, Reiseverbote für Menschen aus muslimischen Ländern zu verhängen, mit harter Hand gegen illegale Migranten vorzugehen oder den Iran anzugreifen. Lesen Sie auchIn Europa liegt das Vertrauen mit 19 Prozent sogar noch niedriger, unter den Bundesbürgern sind es mit 16 Prozent noch einmal weniger. Dieser Rückgang ist auffällig im Vergleich zu den Zahlen aus der Regierungszeit von Trumps demokratischem Vorgänger Joe Biden. So sagten 60 Prozent der Deutschen vor drei Jahren, dass die USA die Interessen anderer Länder berücksichtigten. Jetzt liegt dieser Anteil bei 23 Prozent. „Stimmung schlechter als zu Zeiten von George W. Bush“„Die Stimmung in Deutschland gegenüber den USA ist mittlerweile ebenso schlecht oder schlechter als zu Zeiten von George W. Bush, als der Irak-Krieg in Europa und weiten Teilen der Welt auf massive Ablehnung stieß“, heißt es in der repräsentativen Studie, an der zwischen Februar und Mai dieses Jahres mehr als 42.000 Befragte in 36 Staaten teilnahmen. Lesen Sie auchAuch der mitunter sehr konfrontative Vorwurf der US-Regierung, dass Deutschland und andere europäische Staaten ihre eigenen Bürger zensierten und keine Presse- und Meinungsfreiheit erlaubten, trägt zum Negativbild bei. Die US-Regierung teilt diese Einschätzung allerdings nicht. „Meiner Ansicht nach verfolgen die USA das Ziel, in der europäischen Öffentlichkeit mehr Verständnis für bestimmte Positionen zu schaffen: dass Masseneinwanderung Gesellschaften belastet, dass Europa stärker für seine eigene Verteidigung sorgen sollte und dass Regierungen sich um die öffentliche Sicherheit kümmern sollten, anstatt Äußerungen in den sozialen Medien zu kontrollieren“, sagt Sarah Rogers im Gespräch mit WELT. Rogers ist im US-Außenministerium zuständig für Public Diplomacy. Weder das amerikanische Volk noch seine gewählten Vertreter hätten ein Interesse daran, Europa grundlos zu verärgern. Aber es sei wichtig, diese Themen anzusprechen, „weil wir letztlich alle im selben Boot sitzen“.Lesen Sie auchDie Vereinigten Staaten galten seit dem Zweiten Weltkrieg in vielen Staaten der Welt als ein Garant für Frieden und Sicherheit. Auch dieses Bild hat sich seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus stark gewandelt. Zwar gibt es Ausnahmen. Auf den Philippinen (77 Prozent), in Kenia (74 Prozent) und in Israel (73 Prozent) sind die Menschen mehrheitlich der Ansicht, dass die USA zur globalen Stabilität beitragen.Doch in 19 der 22 Länder, für die Vergleichsdaten vorliegen, ist diese Überzeugung zurückgegangen. In Schweden, den Niederlanden, Polen, Kanada und Australien fiel sie um 30 Prozentpunkte oder mehr. Eklatant ist der Rückgang auch in Hinsicht auf die Frage, ob Trumps USA ein verlässlicher Partner sind. In Kanada, dem großen Nachbarland, denken das aktuell nur noch 35 Prozent der Bürger. Vor vier Jahren waren es noch 83 Prozent. Ein interessanter Aspekt der Umfrage ist, wie sehr Trumps außenpolitische und außenwirtschaftliche Entscheidungen seiner Beliebtheit unter Anhängern rechtspopulistischer Parteien schaden. Tatsächlich ist diese im vergangenen Jahr merklich gesunken, ausgelöst etwa durch seine Kommentare zu Grönland, seine Zollpolitik oder den Iran-Krieg. So hatten im vergangenen Jahr beispielsweise 43 Prozent der Wähler der niederländischen PVV von Geert Wilders Vertrauen in Trump. Aktuell sind es 27 Prozent. Stefanie Bolzen berichtet für WELT seit 2023 als US-Korrespondentin aus Washington, D.C. Zuvor war sie Korrespondentin in London und Brüssel.