Einerseits. Ich muss dieses Restaurant in der Theorie erstmal feiern. Da eröffnet tatsächlich noch ein Restaurant – pardon, ein „Esslokal“, wie es sich nennt –, das Regionalität, Saisonalität und Nachhaltigkeit hochhält. „Hier gibt’s nicht alles – aber alles ist von hier.“ So lautet der Leitsatz, weshalb sich das Esslokal gleich auch noch den nicht ganz suchmaschinenfreundlichen Namen „hier“ gegeben hat. Was das konkret bedeutet, erfahre ich als Mittagsgast sofort. „Wir arbeiten ausschließlich mit Produkten von hier“, erklärt mir die Mitarbeiterin. „Sprich: Wir verzichten auf Olivenöl, Zitrone, Schokolade, Zimt und alles, was von weit herkommt.“ Vermutlich weil ich beim Stichwort fehlendes Olivenöl etwas bedröppelt schaue, fügt sie hinzu: „Keine Sorge, wir haben sehr gutes Rapsöl aus dem Fläming.“

Das „hier“ überzeugt auch im Innenhof durch einen stilsicheren Mix aus Vintage und naturnahem Design.

© Nils Hasenau

Ob mich das beruhigen soll, weiß ich nicht. Gefreut habe ich mich trotzdem. Denn ein guter Lunch aus tollen Produkten vom Umland ist durchaus eine Marktlücke. Und Gastronomen, die das nicht als bloßes Marketinginstrument nutzen, sondern ernst meinen, ebenfalls. Dass sie damit eigentlich „late to the party“ sind, wissen sie und es ist umso lobenswerter.