Lauschig – mit diesem Wort ist der Innenhof perfekt geschrieben. Und in diesen Tagen, an denen die Thermometer Werte deutlich jenseits der 30-Grad-Marke anzeigen, sind die Tische an diesem idyllischen Ort ein wahrer Segen. Ja, warm ist es natürlich auch hier, aber es ist auch schattig und durch das viele Grün im Hof sogar einigermaßen frisch und luftig. Kein Wunder, dass René Messerschmidt und sein Team den Innenhof nicht nur in Ehren, sondern auch in Schuss halten und die frühere Kapazität auf jetzt mehr als 70 Plätze erweitert haben.Mehr als zwei Jahre lang mussten die Eschersheimer und die Stammgäste aus anderen Frankfurter Stadtteilen auf diesen beliebten Platz im Freien verzichten. Das Gasthaus „Zur Golden Kron“ stand seit dem Tod des Kochs Alfred Friedrich lange leer, bis sich mit Messerschmidt vor etwas mehr als einem halben Jahr ein neuer Pächter für das traditionsreiche Haus gefunden hatte. Jetzt läuft der Betrieb wie früher, ein wenig bodenständiger und einfacher, deutlich preiswerter und moderner – aber mindestens ebenso freundlich und unprätentiös wie zu Friedrichs Zeiten.René Messerschmidt betreibt das Gasthaus „Zur Golden Kron“ in Frankfurt-Eschersheim.Wonge BergmannDer war in Frankfurt und der Region alles andere als ein Unbekannter, als er 2017 mit Anfang sechzig das historische Fachwerkhaus in Alt-Eschersheim übernahm und eine kulinarische Tradition, die bis ins späte 17. Jahrhundert zurückreicht, fortsetzte. Der gebürtige Österreicher hatte damals schon eine lange Karriere hinter sich. Friedrich war bei Eckart Witzigmann in der „Aubergine“ und bei Jörg Müller auf Sylt gewesen, hatte im legendären Frankfurter „Brückenkeller“ zwei Sterne erkocht und später auch im „Zarges“, im „Tiger Gourmetrestaurant“ und im „Lafleur“ im Palmengarten-Gesellschaftshaus gewirkt.Aus der „Golden Kron“ machte er zusammen mit dem Offenbacher Sommelier Pit Punda ein „Edelwirtshaus“, wie die beiden es nannten. Schon bald begeisterte der gelungene Spagat zwischen feiner und rustikaler Küche eine große Zahl an Stammgästen. Doch dann kamen zwei Corona-Lockdowns, der unerwartet frühe Tod Friedrichs und der Leerstand.Der Oberurseler Messerschmidt knüpft mit seinem Konzept an Friedrichs Prinzipien an. Im Innenhof und in der Gaststube hat sich kaum etwas verändert, die „Golden Kron“ ist immer noch – oder besser: wieder – ein schnörkelloses Gasthaus ohne viel Schnickschnack. Am Herd setzt der gelernte Hotelfachmann und Koch allerdings deutlich klarer auf eine gutbürgerliche Küche aus regionalen Zutaten. Auf die von Friedrich immer mal wieder zelebrierten Anklänge an die französische Haute Cuisine verzichtet er.Ein bisschen Zeitgeist tut der „Golden Kron“ gutUnd so gibt es bei Messerschmidt dann statt des klassischen Wiener Schnitzels vom Kalb eben ein Schnitzel „Wiener Art“ vom Schwein und statt einer Entenleber-Terrine mit eingelegten Feigen zur Vorspeise lieber ein Eschersheimer Schneegestöber mit Kümmel, roten Zwiebeln und Brot. Ja, das ist eine andere kulinarische Welt, aber auch die hat ihre Höhepunkte. Zum Beispiel wenn Messerschmidt seine hausgemachte Bärlauchfrikadelle mit Mandel-Kohlrabi, grobem Kartoffelstampf und einer kräftigen Bratensoße (18,20 Euro) oder den wunderbar saftig-zarten Rindertafelspitz mit Gemüsestreifen, Salzkartoffeln und Grüner Soße (23,80 Euro) auf die Teller bringt.Bodenständig gut: Der Handkässalat mit Apfel, Radieschen, Walnuss und Lauchzwiebeln wird von René Messerschmidt mit einer Vinaigrette mit roten Zwiebeln serviert.Wonge BergmannDas ist solide Gasthausküche, der auch kein Zacken aus der Krone gebrochen wird, wenn unter den Vorspeisen neben dem doppelten Handkäs mit Musik (8,80 Euro) auch Zitronen-Hummus mit geschmorten Tomaten und Kalamata-Oliven (9,90 Euro) auf der Karte steht und bei den vegetarischen und veganen Gerichten Tagliatelle mit Pesto (17,50 Euro) oder ein Sandwich aus Sauerteigbrot, Selleriesteak, Rote-Bete-Creme, Aioli und Rauke (16,90 Euro) zu finden sind. Ein bisschen Zeitgeist tut auch dem traditionsreichsten Haus mitunter ganz gut – da macht die „Golden Kron“ keine Ausnahme.„Zur Golden Kron“, Alt-Eschersheim 58, Frankfurt, Telefon 069 / 30 85 87 00, Internet www.zurgoldenkron.de. Geöffnet dienstags bis samstags von 17 bis 23 Uhr, sonntags von 12 bis 22 Uhr, montags geschlossen.