Fliegen wir nach San Francisco, mit „some flowers in your hair“, oder doch lieber nach Boston, zur „Tea Party“, in die Wiege der Freiheit? Fragen, die sich Amerika-Reisende langfristig überlegen sollten. An die Westküste oder doch lieber nach Nordosten? Gute Frage! Sind immerhin gut 4000 Flugmeilen Unterschied.Die Fußballspieler aus Bosnien-Hercegovina stehen genau vor dieser Frage, nachdem das Team am Mittwochabend seinen Amerika-Aufenthalt bei der WM um mindestens ein K.-o.-Runden-Spiel verlängert hat.Die Bosnier schlugen Qatar in Seattle (im Nordwesten) 3:1 und sicherten sich damit Rang drei in Gruppe B. Und weil danach Brasilien gegen Schottland gewann und Mexiko die Tschechen aus dem Turnier warf, gehören die Bosnier nun auch definitiv schon zu den besten acht Gruppendritten dieser Weltmeisterschaft. Das ist klar, weil neben Südkorea und Schottland auch die möglichen Dritten der Gruppen I und J in allen Fällen eine schlechtere Punkt- und Torausbeute aufweisen werden.So weit, so großartig für Bosnien, das nun zu „den Besten der Welt“ gehöre, wie die heimische Presse jubelte.Und damit beginnen die Schwierigkeiten. Denn wie geht der Wettbewerb weiter? Die Matrix des Turnierbaums mit den schier unendlichen, um genau zu sein 495, Kombinationsmöglichkeiten weist für den Dritten der Gruppe B zwei Routenpläne aus. Entweder am Montag (22.30 Uhr MESZ) in Boston gegen den Sieger der Gruppe A, also Deutschland, oder am Donnerstag (2.00 Uhr MESZ) gegen den Gewinner von Gruppe D, den Gastgeber USA. Und zwar in San Francisco.Wann das feststeht? Sobald klar ist, welche anderen Dritten weiter im Turnier mitspielen dürfen. Im ungünstigsten Fall erst nach Abschluss aller Vorrundenspiele. Das wäre Sonntag früh um 4.00 Uhr MESZ.Ihr Hauptquartier haben die Bosnier in Sandy im Bundesstaat Utah aufgeschlagen. 1200 Kilometer Luftlinie bis San Francisco, aber 3800 bis Boston.Südkoreaner und Schotten im WartebereichImmerhin müssen sie sich nur auf zwei mögliche Gegner vorbereiten. Für die Deutschen waren es vor ihrem letzten Vorrundenspiel noch deren acht. „Nicht optimal“, klagte Bundestrainer Julian Nagelsmann, der sich murrend auf eine Nachtschicht einstellte, um seinen Spielern ihren Gegner vorzustellen.Das könnten auch die Schotten oder die Südkoreaner sein. Die verweilen derzeit auf dem „Hot Seat“, nachdem sie ihre Gruppenphasen am Mittwochabend jeweils als Dritte abgeschlossen haben – aber nicht wissen, ob sie noch mitspielen dürfen.Der „Hot Seat“ ist eine Art virtuelles Wartezimmer für Fußballer auf den hinteren Rängen. Sie müssen einen, zwei oder drei Tage in Unklarheit ausharren, Zeit totschlagen, dennoch die Spannung halten, andere Mannschaften anfeuern, um dann eventuell doch die Koffer zu packen. Und nach Hause zu fliegen. Oder nach Boston, um gegen Deutschland zu spielen. Oder nach Seattle. Oder nach New York, in die Stadt, die niemals schläft. Nichts ist unmöglich im Turnier der unbegrenzten Möglichkeiten.
Fußball-WM 2026: Der Wahnsinn der besten Gruppendritten
Nächster Halt Boston? Oder doch San Francisco? Wohin der verwickelte Turnierplan das Team aus Bosnien-Hercegovina führen wird, ist noch offen. Willkommen im Wartezimmer der Weltmeisterschaft.








