PfadnavigationHomeSportFußballWMArtikeltyp:MeinungDrei-Länder-TurnierEs ist erstaunlich, aber bei dieser WM geht es tatsächlich um FußballStand: 16:02 UhrLesedauer: 3 MinutenIn Boston herrscht Bier-Notstand: 50.000 schottische Fans belagern zur WM die Stadt – und trinken die Kühlschränke der Bars und Kneipen leer. Damit nicht genug: Zum Wochenende werden auch noch die trinkfesten Engländer erwartet.Es hatte große Befürchtungen gegeben: Erleben wir wieder eine politische WM? Nein, der Kontrast zu Katar ist extrem angenehm. Viele Fans demonstrieren, wofür das Spiel wirklich steht, und US-Präsident Trump hält sich (bislang) raus.Es wird eine dieser Szenen sein, die in Erinnerung bleiben werden: Wie die norwegischen Spieler, die auf dem Rasen des MetLife Stadiums in New Jersey sitzen und beginnen, ihre Oberkörper vor- und zurückzubewegen – zum Rhythmus der Trommel, die von Martin Ödegaard geschlagen wird. Erling Haaland grinste dabei wie ein Kind. Diese humorvolle, spielerische Hommage an die Wikinger war einfach nur großartig.Ja, der Fußball hat Amerika erobert – mit den Emotionen, die er auslösen kann. Mit den farbenfrohen Fans aus der ganzen Welt, die zur WM nach Mexiko, Kanada und in die USA gekommen sind – trotz all der Hindernisse: den teils horrenden Ticketpreisen, den Einreisebeschränkungen.Es sind schöne Bilder, die uns aus den Stadien erreichen – und vor allem aus den Ausrichterstädten: Dudelsack spielende Schotten samt Gans im hoffnungslos „leergetrunkenen“ Boston, kunstvoll geschmückte Aztekenkrieger in Mexiko City, rudernde Norweger am Times Square, ghanaische Zauberer mit weißem Pulver, holländische Happenings, Samba tanzende Brasilianer in Miami und Japaner, die das Stadion aufräumen. Apropos: Die Frauen einiger Japaner, die bei der Verrichtung ihrer Tätigkeiten im Fernsehen zu sehen waren, haben sich gemeldet. Ihre Botschaft: Es wäre schön, wenn sich die japanischen Männer zu Hause auch so vorbildlich verhalten würden.Infantinos Schleimerei lässt nachAuch das ist Fußball. Er kann das Beste aus den Menschen herauskitzeln. Vor allem kann er, und das ist nicht ganz unwichtig in der heutigen Zeit, Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen zusammenbringen.Die WM 2026 bietet bislang einen angenehmen, wohltuenden Kontrast zu Katar 2022 – und das, obwohl es große Befürchtungen gab, es könnte wieder eine politische WM werden. Doch dieses Mal geht es wieder verstärkt um Fußball. Auch in der deutschen Mannschaft, die vor vier Jahren beim Spagat zwischen Fußball und politischen Botschaften schmerzhaft gescheitert ist. Lesen Sie auchWoran liegt das? Die Gefahr der Überlagerung durch Themen, die die Menschen spalten und belasten, war auch diesmal gegeben: die Schleimerei von Fifa-Chef Gianni Infantino gegenüber Donald Trump. Dessen Drohung, die Spiele aus demokratisch regierten Städten abzuziehen. Die Angst, dass die ICE-Agenten Fans schikanieren könnten. Die willkürliche Verweigerung von Einreisen – okay, letztere hat es tatsächlich gegeben.Lesen Sie auchDoch viele Befürchtungen haben sich nicht bestätigt. Warum? Vielleicht, weil Infantino erkannt hat, dass auch für ihn das Eis dünner werden könnte, wenn er allzu plump einen Staatschef hofiert, der für viele Menschen in den Erdteilen, in denen er regelmäßig die Stimmen für seine Wiederwahlen einsammelt, ein Feindbild ist: in Südamerika und vor allem in Afrika. Und weil Trump sich bislang bei noch keinem Spiel hat blicken lassen – weil er wohl ahnt, dass Fußballfans nicht sein Publikum sind.Fußballspielen können die Gastgeber auch nochDer entscheidende Unterschied zu Katar ist aber ein anderer. Es ist eine WM in drei Ländern, die sich aktuell zwar nicht besonders grün sind, aber die eines verbindet: Sie bestehen, egal welche politische Agenda ihre Regierungen auch verfolgen mögen, aus pluralistischen, offenen Gesellschaften. Es sind klassische Einwanderungsländer. Das trifft primär auf die USA zu – selbst wenn die Maga-Aktivisten dies nicht wahrhaben wollen.Natürlich lebt die WM auch davon, dass die Stars performen: Mbappé, Haaland und Messi. Überhaupt Messi: Was soll man zu ihm noch schreiben? Die WM gewinnt auch, weil es im Gegensatz zu Katar drei Gastgeberteams gibt, für die dieses Turnier eine „Once-in-a-Lifetime“-Chance ist – und die bislang eine sehr gute Rolle spielen.Doch entscheidend ist etwas anderes. Die WM 2026 ist so bunt und vielfältig wie selten zuvor. Auch, weil sie so groß ist. Weil viele kleinere Fußballländer zum ersten Mal dabei sind. Denn selbst wenn es manchen nicht passt: Fußball kann gar nicht anders als multikulturell sein. Das ist seine größte Stärke.
WM 2026: Es ist erstaunlich, aber bei dieser WM geht es tatsächlich um Fußball - WELT
Es hatte große Befürchtungen gegeben: Erleben wir wieder eine politische WM? Nein, der Kontrast zu Katar ist extrem angenehm. Viele Fans demonstrieren, wofür das Spiel wirklich steht, und US-Präsident Trump hält sich (bislang) raus.










