Eine hohe Antwortquote und eine Vielzahl von Bewerbungen: Das ist das Fazit des Verteidigungsministeriums, sechs Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes für den neuen Wehrdienst und dem Wiederbeginn einer Wehrerfassung. Die Erfassung funktioniere „reibungslos“, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums. Zum Stichtag 18. Juni 2026 seien etwa 298.200 Anschreiben an junge Männer und Frauen versendet worden, die in diesem Jahr volljährig werden. Davon wurde etwa die Hälfte an Männer verschickt, die zur Antwort verpflichtet waren.Von den Männern haben nach Erhalt der Schreiben etwa 96 Prozent geantwortet. Davon habe etwa jeder fünfte ein Interesse an einem Dienst in der Bundeswehr gezeigt. Bei den verbleibenden vier Prozent werde „nun die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens geprüft“, heißt es. Von den angeschriebenen Personen „anderen Geschlechts“, worunter die Bundeswehr offenbar auch Frauen versteht, haben nach Angaben des Ministeriums weit über neunzig Prozent nicht geantwortet – ein Hinweis darauf, wie unattraktiv die deutschen Streitkräfte nach wie vor für Frauen sind. Von den Frauen und weiteren Personen „anderen Geschlechts“ erklärte demnach etwas mehr als ein Drittel sein Interesse an einem Dienst in der Bundeswehr.Mehr Bewerber, mehr EinstellungenAus dem Kreis der Interessenten wurden in den ersten Monaten des Jahres 1500 junge Leute gemustert und zu ihren weiteren Interessen in Assessments befragt. Weitere 600 Termine seien geplant, so das Verteidigungsministerium. Von den männlichen Teilnehmern wurden demnach rund 80 Prozent als tauglich für den Wehrdienst gemustert. Das Ministerium kündigte an, dass in nächster Zeit auch diejenigen Männer gemustert würden, die kein Interesse gezeigt hätten. Die Auswahl hierzu erfolge nach Wohnortnähe und regional verfügbaren Musterungskapazitäten. Erst vom 1. Juli 2027 an sollen alle 18 Jahre alten Männer gemustert werden.Positiv gestaltet sich aus Sicht des von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) geführten Ministeriums die Personalgewinnung insgesamt. Es gebe aktuell 38.500 Bewerbungen und etwa 11.000 Einstellungen für alle Laufbahnen, teilte das Ministerium mit. Dies sei ein Plus von rund 24 Prozent bei den Bewerbungen und 13 Prozent bei Neueinstellungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Mit dem neuen Wehrdienstgesetz waren erhebliche Vergünstigungen wie ein hoher Anfangssold, Prämien und Weiterbildungsmöglichkeiten zu einem Attraktivitätspaket geschnürt worden.