Die neue deutsche Wehrhaftigkeit beginnt erwartbar unspektakulär: verwaltungskonform, digital, selbsterklärend. Kein Feldwebel brüllt über den Kasernenhof, kein Marschbefehl liegt im Briefkasten. Es beginnt mit einem Schreiben, einem QR-Code, einem Fragebogen.
Wer ab 2008 geboren wurde, bekommt Post vom Staat. Junge Männer müssen antworten, junge Frauen dürfen. Gefragt wird nach Fitness, Gesundheit, Motivation, Führerschein, Ausbildung, Interessen. Es ist der Moment, in dem Deutschland nach Jahren sicherheitspolitischer Schonhaltung wieder wissen will, wen es im Ernstfall eigentlich gebrauchen könnte. Die Bundeswehr beschreibt den Fragebogen selbst als Instrument, um Motivation und Eignung der Angeschriebenen für den Dienst in den Streitkräften zu ermitteln.
Das klingt harmlos, fast bürgernah. Ein bisschen wie Berufsorientierung mit Tarnfleckoption. Doch hinter dem neuen Wehrdienst steckt mehr als ein Personalprogramm für junge Leute mit Abenteuerlust. Es ist der vorsichtige Wiedereinstieg in eine alte Staatslogik: Sicherheit ist keine Dienstleistung, die man einfach einkauft. Sie kann wieder zur Zumutung für den Bürger werden.
Offiziell bleibt der Dienst freiwillig. Niemand soll gegen seinen Willen in die Kaserne gepresst werden. Aber die Wehrerfassung kehrt zurück. Alle deutschen Staatsbürger ab dem Geburtsjahrgang 2008 sollen nach ihrem 18. Geburtstag angeschrieben werden. Für Männer wird die Musterung schrittweise wieder Pflicht; wer den Fragebogen ignoriert, riskiert nach Mahnungen ein Bußgeld von etwa 250 Euro. Am 1. Juli 2027 sollen die ersten verpflichtenden Musterungen für den Jahrgang 2008 beginnen. Weil das Grundgesetz eine Wehrpflicht derzeit nur für Männer vorsieht, bleibt Frauen die Teilnahme freigestellt.












