Den Widerspruch debattierenVielleicht geht es Ihnen wie mir, ich vermeide die Auseinandersetzung mit dem Thema Organspende. In Deutschland warten mehr als 8000 Menschen auf ein Spenderorgan, in den meisten Fällen auf eine Niere. Zuletzt sind die Spenderzahlen gestiegen, aber nicht genug. Mich berühren die Geschichten über wartende oder gerettete Menschen stets sehr. Zum Beispiel diese hier . Und doch handele ich nicht.

Organspendeausweis: »Nur nach festgestelltem Hirntod«

Was tun? Seit Jahren wird in Deutschland über die Einführung einer sogenannten Widerspruchslösung diskutiert: Jeder Erwachsene wäre im Todesfall Organspender, wenn er nicht zuvor explizit widersprochen und dies dokumentiert hätte. Die Organspende würde der Normalfall. Bisher aber gilt: Wer nach dem Tod Organe oder Gewebe spenden möchte, kann dies zu Lebzeiten etwa über einen Spenderausweis festlegen.Heute debattiert der Bundestag über das Thema, weil eine fraktionsübergreifende Gruppe von Abgeordneten aus Union, SPD, Grünen und Linken erneut einen Anlauf zur Widerspruchslösung unternimmt. Zuletzt hatte der Bundestag im Jahr 2020 einen solchen Antrag abgelehnt. Abgestimmt wird heute allerdings nicht.

Meine Kollegin Milena Hassenkamp, die sich bei uns im Hauptstadtbüro mit dem Thema beschäftigt, wünscht sich die rasche Einführung einer Widerspruchslösung: »Sie kann allerdings nur ein erster Schritt sein«, meint Milena. Denn wenn es mehr Organspenden geben solle, müsse auch debattiert werden, zu welchem Zeitpunkt ein Mensch als tot gilt: »Derzeit dürfen Organe nur nach dem festgestellten Hirntod entnommen werden. Wir müssen darüber sprechen, ob auch der Herzstillstand über zehn Minuten ausreicht.«