Allerhand Neues haben Schottlands Fans bei dieser Weltmeisterschaft entdeckt. Sie haben Baseballspiele besucht und waren beim Bullenreiten. Im Gegenzug schenkten sie den Amerikanern bei ihren ureigenen Sportarten eine europäische Stimmung, laut und friedlich.Beim wahrscheinlich letzten Spiel ihrer Mannschaft wartete auf sie dann eine weitere Entdeckung. Eine, auf die sie gerne verzichtet hätten. Eine derartige Selbstzerstörung, wie sie ihre Spieler betrieben, haben wohl nur die wenigsten von ihnen schon mal gesehen.Schottland wird als Gruppendritter wohl ausscheidenSchottland half beim 0:3 gegen Brasilien so kräftig mit, dass man den Eindruck gewinnen konnte, die Spieler hätten womöglich genug von diesem Ausflug nach Nordamerika. Mit drei Punkten wird Schottland sehr wahrscheinlich als einer der vier schlechtesten Gruppendritten ausscheiden und das völlig verdient.So ideenlos und fehlerbehaftet, wie sich die Schotten präsentierten, hätten sie auch kein Weiterkommen verdient. Dabei waren sie mit solch großen Hoffnungen zur WM gereist. Als erste Generation ihres Landes wollten sie sich für die K.-o.-Runde qualifizieren, aber die Chancen dazu schwanden schon nach wenigen Minuten.Bei einem Abstoß der Schotten konnte sich Verteidiger Scott McKenna nicht entscheiden, ob er den Ball wieder zu Torwart Angus Gunn zurückspielen sollte oder ob er ihn lieber am Fuß behält. Rayan nutzte den Moment der Unentschlossenheit, indem er dazwischenging und sofort auf den völlig frei einlaufenden Vinícius passte. Der umkurvte Gunn noch elegant, bevor er zur Führung einschob. Zwischen dem Moment des Abstoßes und des Gegentores lagen aus schottischer Sicht nur wenige Sekunden.Viel schlechter hätte das Spiel für sie nicht beginnen können. Ein Punkt, so die Rechnung, hätte wahrscheinlich zum Weiterkommen gereicht. Dafür wollten die Schotten so lange wie möglich die Null gegen Brasilien halten. Das war schon nach sieben Minuten nicht mehr möglich.Matheus Cunha macht mit dem 3:0 alles klarDie Gewissheit, mindestens ein Tor schießen zu müssen, verunsicherte die Schotten eher, als dass sie sie motivierte. Jack Hendry, der Verteidigerkollege des unglücklichen McKenna, verlor vor dem eigenen Strafraum einfach den Ball an Vinícius, der schon wieder einschob.Zum Glück für Schottland meldete sich der Videoschiedsrichter, er hatte bei der Balleroberung ein Foul von Vinícius an Hendry erkannt. Lange währte die Freude aber nicht. Kurz vor der Pause kam der Auftritt von Torwart Gunn, der es seinen Vorderleuten gleichtat und sich einen schweren Aussetzer leistete. Eine Flanke von Bruno Guimarães schätzte er falsch ein und ermöglichte Vinícius so doch noch sein zweites Tor.Der war darüber sichtbar glücklich. Mit zu viel Unterstützung hatten die Brasilianer unmöglich rechnen können, ging es für sie ja auch noch um viel. Um Gruppensieger zu werden, mussten sie gewinnen, wollten sie sich nicht auf Haiti verlassen, das es im Parallelspiel mit Marokko zu tun hatte. Zur Pause war Brasilien seinem Ziel schon sehr nahe.Aus Hoffnung wurde Gewissheit, als Matheus Cunha kurz nach einer Stunde zum 3:0 traf. Der ehemalige Stürmer von Hertha BSC hat sich als Stammkraft in der Seleção etabliert, das Tor war schon sein dritter Turniertreffer.Die brasilianischen Fans fordern NeymarBrasiliens Fans wiegten sich in glückseliger Sicherheit und verwendeten ihre Gesänge darauf, klangvoll Neymar zu fordern. Der alternde Stürmer, der in den vergangenen Jahren mit Verletzungen und der eigenen Motivation zu kämpfen hatte, war von Trainer Carlo Ancelotti überraschend für die WM nominiert worden.Sportlich hilft er der Mannschaft kaum, aber von seiner Präsenz und Erfahrung erhofft sich Ancelotti positive Auswirkungen auf das Teamgefüge. Zum Einsatz war er bis dahin noch nicht gekommen, aber mit der sicheren Führung im Rücken gab Ancelotti den Massen, was sie wollten.Eine Viertelstunde vor dem regulären Ende schickte er Neymar aufs Feld, was zur endgültigen Ekstase auf den Rängen führte. Zumindest bei all jenen, die mit gelben Trikots Brasiliens gekleidet waren. Für Schottlands Anhänger gab es dagegen nichts mehr zu bejubeln. Chancen erspielte sich ihre Mannschaft kaum, hin und wieder gab es Schüsse aufs Tor, die aber alle ungefährlich waren.Es bleibt also bei lediglich einem Treffer für die Schotten bei dieser WM. Ihre Ideenarmut schlug den Fans aufs Gemüt, auffällig stumm verfolgten sie die letzten Minuten des Spiels, die mit einiger Sicherheit auch ihre letzten im Turnier waren.
Brasilien besiegt Schottland bei Fußball-WM 2026: Neymar mit Einsatz
Die Schotten betreiben beim 0:3 gegen Brasilien Selbstzerstörung und werden wohl nach der Vorrunde ausscheiden. Der Rekordweltmeister freut sich über die Hilfe – und die Rückkehr seines Stars.













