Es ist jetzt wie immer für die Schotten: Sie müssen warten und hoffen. Seit Beginn der Fußballweltmeisterschaften hat sich keine andere Nation als Schottland bei den Männern häufiger für Endrunden qualifiziert, ohne je die Vorrunde zu überstehen. Die Turnierjahre – 1954, 1958, 1974, 1978, 1982, 1986, 1990, 1998, 2026 – spiegeln eine ewige Leidensgeschichte wider, die sich inzwischen über Generationen erstreckt. Sinnbildlich dafür stehen die Duelle mit Ehrfurchtsgegner Brasilien, dem die Schotten schicksalhaft immer wieder begegnen, den sie allerdings nie bezwingen konnten. Auch im fünften Anlauf in der Nacht zum Donnerstag in Miami nicht. Schottland unterlag Brasilien 0:3.Als hätte die Tartan Army, wie die schottischen Fans genannt werden, selbst nicht an ein Ende der Serie geglaubt, erschien sie ausgedünnt wie nach einer verlorenen Schlacht im Stadion. Bis auf einige Tausend Anhänger hatte sich die Mehrheit der einst bis zu 50 000 Personen großen Reisegruppe auf den Heimweg gemacht. Die Tragik lag jedoch nicht allein in der Niederlage selbst, sondern vor allem in ihrer Deutlichkeit. Schottland schließt nun die Gruppe C hinter Brasilien und Marokko mit drei Punkten und einer 1:4-Tordifferenz ab. Die Aussichten, als einer der acht besten Gruppendritten doch noch das Sechzehntelfinale zu erreichen, sind ähnlich düster wie das Wasser im Loch Ness.„Wir werden nach Hause fahren“, prophezeite Trainer Steve Clarke resigniert. In der ersten Halbzeit versuchten die Schotten, den Ball so zirkulieren zu lassen, wie es sonst die technisch versierteren Brasilianer tun. Die eigenen Fans begleiteten die Kombinationen mit „Olé“-Rufen. Allerdings nur so lange, bis Abwehrspieler Scott McKenna in der siebten Minute den Rückstand mit einem haarsträubenden Ballverlust im eigenen Strafraum einleitete. Kapitän Andrew Robertson, der zur Halbzeit verletzt ausgewechselt werden musste, unterlief beim zweiten Gegentor kurz vor der Pause ein ähnliches Missgeschick. Jeweils traf Vinícius, später noch Matheus Cunha.„Wir werden nach Hause fahren“: Schottlands Trainer Steve Clarke glaubt nicht mehr an ein Weiterkommen. Martin Rickett/PA Wire/dpaEs wirkte beinahe zynisch, dass die Schotten gegen Brasilien lange Zeit mehr Ballbesitz hatten. Sie ließen sich von der Seleção locken, die zunächst so zahm agierte wie ein schlafender Jaguar im Amazonasbecken und dann doch zupackte, sobald der Gegner unvorsichtig wurde. Nach dem Rückstand kämpften die Schotten weiter, hielten mit – und scheiterten wieder einmal an sich selbst. In drei Turnierspielen schossen Clarkes Männer keinen einzigen Treffer; der 1:0-Sieg gegen Haiti resultierte aus einem Eigentor. Besonders bitter ist, dass sie im letzten Vorbereitungsspiel gegen Bolivien noch vier Treffer in der ersten Halbzeit erzielt hatten. Es ist ein Kalauer, über den sogar die selbstironischen Schotten nicht mehr lachen können.Die Enttäuschung nach 28 Jahren WM-Abstinenz war auch deshalb nach dem Spiel gegen Brasilien so ausgeprägt, weil die Schotten diesmal – wie jedes Mal! – fest davon überzeugt gewesen waren, es endlich schaffen zu können. Zurück blieb der klischeehafte Fatalismus, den keiner so treffend ausdrückte wie Clarke: „Nur Schottland schafft es, einen machbaren Auftaktgegner (Haiti) zu bekommen und anschließend gegen die Nummer fünf (Brasilien) und die Nummer sechs (Marokko) der Weltrangliste antreten zu müssen.“ Zur schottischen Mentalität gehört dennoch, nie aufzugeben. „In allen Dingen ist besser hoffen als verzweifeln“, ließ Goethe seinen Torquato Tasso der Menschheit übermitteln. Wer wüsste das besser als die Schotten?
Schottland bei der Fußball-WM: Die Tartan Army gibt sich geschlagen
Nach dem 0:3 gegen Brasilien sinkt Schottlands Hoffnung gegen null, zum ersten Mal eine WM-Gruppenphase zu überstehen. Selbst die Fans verlieren den Glauben.















