Seit heute Nacht kommt der Totalausfall des Funknetzes dazu. In der Nacht zum Mittwoch sei bei „planmäßigen Arbeiten“ an den „Kernkomponenten“ des sogenannten Bahnfunks GSM-R eine Störung entstanden, erklärt die Bahn. Die Folge: Stillstand im Bahnland. Weil Zugführer und Stellwerke nicht miteinander kommunizieren konnten, wurden Güter- und Personenzüge aus Sicherheitsgründen in die nächsten Bahnhöfe gefahren, teils auch auf offener Strecke angehalten. Die Folgen: Tausende aufgewühlte Reisende und Kunden; Verspätungen und Zugausfälle bis in den Folgetag hinein; ein vermeintlicher Millionenschaden, weil auch die Bahnunternehmen am Tag darauf die Verspätungen händisch ausbügeln müssen.Was genau war die Ursache? So richtig erklären kann es sich bislang nicht einmal die Bahn selbst. Was sie ausschließt: Sabotage. Mit hoher Wahrscheinlichkeit dagegen ein Fehler beim Komponentenwechsel. Hardware, Software, menschliches Versagen? Alles möglich, so die Bahn.Infrastruktur Das Geld liegt auf der Schiene Die Bahn verbaut einen Großteil der staatlichen Infrastrukturmilliarden. Bauunternehmen wie Strabag profitieren – zunächst einmal. von Artur Lebedew und Harald SchumacherDer Konzern will die Ursachen in den nächsten Tagen ergründen. Infrastruktur-Chef Philipp Nagl und der Aufsichtsrat wirken nervös, sind am Mittwochmorgen eilig zusammengekommen, um die Lage zu besprechen. Und was, wenn es wieder passiert? Wie sicher ist das Funksystem wirklich?Der digitale Zugfunk gilt als das zentrale Nervensystem des Zugverkehrs. Dabei ähnelt GSM-R technisch dem 2G-Standard des Digitalen Mobilfunks, kurz GSM genannt, und wurde seit den späten 1990er Jahren auch in Deutschland eingeführt. Für den Einsatz im Bahnbetrieb besitzt GSM-R aber zusätzliche Funktionen, wie etwa Gruppenrufe, Notruffunktionen oder die Möglichkeit, Teilnehmer nicht über ihre persönliche bahninterne Rufnummer zu erreichen, sondern etwa auch über ihre Funktion, beispielsweise als „Lokführer ICE 524“.Trotz der langen Nutzung gilt das System in Europa noch immer als der Standard, selbst wenn mit dem „Future Railway Mobile Communication System“, kurz FRMCS, schon ein Nachfolger absehbar ist. Der soll in den 2030er Jahren eingeführt werden. Heute kommunizieren über das GSM-R Fahrdienstleiter, Zugpersonal, Lokführerinnen, Rangierteams und weitere Einsatzkräfte.Was gesichert scheint: Entstanden ist der Fehler im Kernnetz des Systems. Dieses kann man sich bei der Bahn vereinfacht in drei Schichten vorstellen: Die Grundebene bildet die dezentrale Abdeckung vor Ort mit Basisstationen und Funkmasten, die in etwa je 20 Kilometer abdecken. Die zweite Ebene besteht aus regionalen Zentren, in denen die Stationen zusammengeschaltet sind. Eine Störung auf dieser Ebene, wie etwa beim Sabotageakt im Oktober 2022 in der Nähe von Herne und in Berlin, ist bekannt. Damals hatten Unbekannte beim Versuch, Kupferkabel zu stehlen, auch zwei redundante Lichtwellenleiter durchtrennt, über die das GSM-R-Netz gesteuert wird. Daraufhin fiel das Funknetz in großen Teilen Norddeutschlands aus. Der gesamte Zugverkehr in der Region wurde für rund drei Stunden eingestellt.