Was genau ist passiert?Am Dienstagabend meldete die Deutsche Bahn um 22.30 Uhr „eine bundesweite Störung des digitalen Bahnfunks GSMR“. Es würden vorläufig alle Züge an Bahnhöfen zurückgehalten. Techniker seien mit Hochdruck daran, die Störung zu beheben. Bahn-Chefin Evelyn Palla sagte, die Lage sei mit Hilfe eines Notfallsystems stabilisiert worden. Kurz nach Mitternacht hieß es, die Ursache der Störung sei identifiziert. Aber auch am Morgen konnte die DB noch keinen exakten Grund für den Ausfall nennen.Was ist der Bahnfunk GSMR?Die Abkürzung steht für „Global System for Mobile Communications – Railway“. Es ist eine speziell auf den Zugverkehr angepasste Version des Mobilfunksystems GSM, das in den 1990er Jahren eingeführt wurde und die Grundlage für Handygespräche bildet – inzwischen in der fünften Generation 5G. Damit bildet es ein zentrales Kommunikationsmittel zwischen den Lokführern im Zug und den Fahrdienstleitern in den Stellwerken. „Das GSM-R Mobilfunknetz ersetzt nahezu alle analogen Funksysteme der Deutschen Bahn AG“, schreibt die zuständige DB-Tochtergesellschaft DB InfraGo auf ihrer Internetseite. Als Vorteile nennt sie – und das war vor dem Ausfall – die hohe Sicherheit in der betrieblichen Kommunikation.Wie kam es zum Ausfall des Zugfunks?Der Chef der zuständigen DB-Infrastrukturgesellschaft InfraGo, Philipp Nagl, sagte, ursächlich sei der planmäßige Tausch einer technischen Komponente gewesen. „Wie es dadurch genau zu der Störung kam, analysieren wir nun mit höchster Priorität.“ In Sicherheitskreisen wird ein fehlerhaftes Software-Update vermutet. Von Sabotage oder einem Cyberangriff gehen Sicherheitsbehörden dagegen bislang nicht aus.Welche Auswirkungen hatte der Funkausfall auf die Fahrgäste?Am Morgen erklärte die DB, der Bahnverkehr sei wieder „weitgehend reibungslos“ angelaufen. Vereinzelt könne es noch zu Einschränkungen kommen. Wer jedoch zu nächtlicher Stunde unterwegs war, hatte gravierende Probleme, weiterzukommen. Viele Reisende strandeten an Bahnhöfen, vor den Infoschaltern bildeten sich lange Warteschlangen. Kurz nach Mitternacht teilte der Staatskonzern mit, es würden Taxi- und Hotelgutscheine ausgegeben sowie Aufenthaltszüge zur Verfügung gestellt.Sind die Lieferketten betroffen?Die Störung traf den Güterverkehr auf der Schiene besonders hart, weil die Güterzüge vor allem nachts fahren. Seit Mitternacht rollten zwar vereinzelt wieder Züge, meldete der Verband der Güterbahnen, aber rund die Hälfte der Güterzüge stehe noch verteilt im Land und an den Grenzen. Die Lage sei „extrem angespannt“, weil Güter-, Nah- und Fernverkehr gleichzeitig auf Weiterfahrt warten. Es werde Tage dauern, bis der Logistikstau abgearbeitet sei, warnte der Verband. Die überwiegende Mehrheit des Güterverkehrs wird über private Wettbewerber abgewickelt. Die DB-Tochtergesellschaft Cargo hat in den vergangenen Jahren erhebliche Marktanteile verloren.Wie reagiert die Politik?In der Politik herrschte Verständnislosigkeit und Verärgerung. Durch die Bank wurde eine umfassende Aufklärung des Falles gefordert. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) als Vertreter des Eigentümers Bund verlangte von dem Staatskonzern, er müsse seine Systeme so aufstellen, dass sich das nicht wiederhole. Oliver Krischer, Verkehrsminister von Nordrhein-Westfalen, wurde deutlicher: „Das macht mich fassungslos. Dass durch einen technischen Defekt der komplette Bahnverkehr in Deutschland zum Erliegen kommt, ist ein neuer Tiefpunkt bei einer ohnehin schwachen Betriebsqualität.“ Der Grünen-Politiker äußerte auch Kritik am Notfallmanagement der Bahn. Nötig seien Mechanismen, die ein solches Desaster in Zukunft vermeiden. Bahn-Chefin Palla bekam gleich am Mittwochmorgen Gelegenheit sich vor dem Bundestag zu rechtfertigen: Sie war schon vor Wochen zu einer Sondersitzung des Verkehrsausschusses geladen, um die abermalige Verschiebung von Stuttgart 21 zu erklären: Die Eröffnung des neuen Bahnhofs verschiebt sich dort um weitere fünf Jahre.
Bahnausfall in der Nacht: Wie es dazu kam
In ganz Deutschland fährt kein Zug – das kommt selten vor, aber es kommt vor: Wie eine bundesweite Störung des Zugfunks das System Schiene ausschaltete.










