PfadnavigationHomePanoramaTechnikausfall„Wir haben so ’ne Krawatte“ – Bahnreisende sitzen nach bundesweiter Zugfunk-Störung stundenlang festStand: 06:58 UhrLesedauer: 5 MinutenIm ganzen Land standen Züge der Deutschen Bahn für rund anderthalb Stunden still. Nun rollen die ersten wieder. Es wird aber noch lange mit Verspätungen und Ausfällen gerechnet.Eine massive Funkstörung hat den Bahnverkehr am Dienstagabend bundesweit zum Stillstand gebracht. Inzwischen rollen die Züge wieder. Reisende müssen jedoch bis zum Morgen mit Verzögerungen rechnen.Erste Züge der Deutschen Bahn sind nach dem bundesweiten Ausfall wieder losgefahren. Das bestätigten mehrere dpa-Reporter aus den Zügen. „Der Verkehr läuft nun Schritt für Schritt wieder an“, sagte ein Sprecher in der Nacht der Deutschen Presse-Agentur. Auch DB Regio Mitte und die S-Bahn Berlin teilten online mit, dass der Zugverkehr wieder aufgenommen werde. Teils sollten die Probleme bis zum Berufsverkehr am Morgen anhalten. So teilte etwa die DB Regio Mitte auf der Plattform X mit, bis sich der Bahnverkehr wieder normalisiert habe, müsse heute mindestens bis 6 Uhr mit hohen Folgeverspätungen und kurzfristigen Fahrtausfällen gerechnet werden. Auf der Regionalseite der DB für Nordrhein-Westfalen hieß es nach dem Ende der Störung: „Bis sich der Bahnverkehr wieder normalisiert hat, wird es jedoch noch einige Zeit dauern.“ Man solle mit hohen Verspätungen und Ausfällen rechnen. Die deutschlandweite Störung sorgte ab 22 Uhr für stundenlangen Stillstand. Gegen 0.30 Uhr fuhren die ersten Züge wieder.Die Ursache der Störung des Bahnfunks GSM-R hatte die DB noch in der Nacht identifiziert – ohne allerdings zu erklären, worin sie bestand. IT-Experten der DB hätten pausenlos an der Entstörung gearbeitet, mit Erfolg. „Die Störung konnte so innerhalb kurzer Zeit behoben werden“, hieß es weiter. Man danke allen Fahrgästen für die Geduld. Lesen Sie auch„Wir konnten mit einem Notfallsystem die Lage stabilisieren“, sagte Bahn-Chefin Evelyn Palla der „Bild“-Zeitung. Deshalb „fahren nun alle Züge wieder“. Die Ursache für das Problem „müssen wir jetzt klären“, fügte die Bahn-Chefin hinzu.Lesen Sie auchMetronom rät Kunden, „heute definitiv keine Bahnreisen mehr anzutreten“Auch die Metronom-Eisenbahngesellschaft war von der Störung betroffen, wie sie auf ihrer Website schreibt. Durch die „umfangreiche Störung“ komme es zu „erheblichen Beeinträchtigungen im Bahnverkehr“. „Alle Züge stehen still und wir rechnen damit, dass heute Nacht nichts mehr fährt“, sagte Metronom-Sprecher Simon Märtens der Nachrichtenagentur AFP. Das Unternehmen riet Kunden, „heute definitiv keine Bahnreisen mehr anzutreten“ oder sich nach alternativen Fortbewegungsmitteln umzusehen.Weiter heißt es: „Aus Sicherheitsgründen müssen alle Züge ihre Fahrt einstellen beziehungsweise den nächstgelegenen Bahnhof anfahren und dort verbleiben. Von der Störung sind sämtliche Strecken und Zugverbindungen betroffen.“Lesen Sie auchWELT-Reporterin Ricarda Breyton berichtete aus dem ICE 70 von Karlsruhe in Richtung Hamburg, dass der Zug um kurz vor 22 Uhr zum Stehen gekommen sei. „Wir haben jetzt alle Wasser bekommen“, erklärte sie zwischenzeitlich. Im ICE 846 von Berlin nach Köln wurde durchgesagt, der Zug verspäte sich um 300 Minuten. Letztlich setzte sich der ICE um kurz nach Mitternacht wieder in Bewegung.Kompletter Berliner S-Bahn-Verkehr stand stillIn Berlin war der Verkehr im gesamten S-Bahn-Netz eingestellt. Betroffen waren alle Linien. „Bitte nutzen Sie zur Umfahrung die Verkehrsmittel der BVG“, hieß es. Am Berliner Hauptbahnhof war auf Durchsagen zu hören, dass auch der Fernverkehr eingestellt sei.„Nein, wir wissen nicht, was wir tun sollen“, sagte eine Studentin am Berliner Hauptbahnhof. Wann ihr Zug fährt, wo sie Informationen bekommt – sie wisse es nicht, Auskünfte könne niemand geben. Zwei Frauen, die nach einem Konzert aus Berlin zurück nach Lutherstadt Wittenberg wollten, sagten: „Wir haben so ’ne Krawatte.“ Aber sie betonten auch: „Die Bahn-Mitarbeiter haben das Mögliche gemacht“, seien freundlich und ansprechbar.S-Bahnverkehr in Stuttgart ruhteAuch alle S-Bahnen in Stuttgart standen zwischenzeitlich still. „Derzeit werden alle S-Bahnen im gesamten S-Bahn-Netz an den Bahnsteigen zum Halten gebracht“, teilte die S-Bahn Stuttgart auf X mit. „Prüft in der Reiseauskunft eure Verbindung auf alternative Verkehrsmittel. Wir geben euch Bescheid, sobald wir neue Informationen haben und einschätzen können, wie lange die Störung dauert.“„Wir organisieren Sammeltaxis“, sagte ein Mann. Die einen wollten nach Karlsruhe, die anderen nach Heilbronn, manche sogar nach Köln oder Berlin. Ihre Pläne ändern mussten praktisch alle.Wer in der Landeshauptstadt nur einen kurzen Weg auf der Schiene absolvieren muss, hatte Glück: Die U-Bahn fuhr noch. Verkehr der Hochbahn nicht von Funkstörung betroffenDer Verkehr der Hamburger Hochbahn war nicht von der Störung betroffen. Alle U-Bahn-Linien fuhren, wie ein Sprecher der Hochbahn der dpa am Abend sagte. Wie ein dpa-Reporter vom Hauptbahnhof berichtete, standen Züge des Regional- und Fernverkehrs am Hauptbahnhof, die S-Bahnen fuhren hingegen. Vor einem Informationsschalter der Bahn standen am Hauptbahnhof am Abend zahlreiche Menschen. Nach Angaben von Reisenden werden am Informationsschalter der DB Taxi-Gutscheine ausgegeben. „Noch jemand nach Lübeck“-Rufe waren zu hören. Andere Menschen versuchten, auf eigene Faust Fahrgemeinschaften zu bilden.Verband verlangt Aufarbeitung der Bahn-StörungDer Verband der privaten Güterbahnen fordert eine genaue Aufarbeitung. Die Ursache für den Ausfall am späten Dienstagabend dürfe „nicht allein durch eine ‚Selbstauskunft‘ der DB InfraGo als Betreiberin beantwortet werden“, sagte Verbandsgeschäftsführer Peter Westenberger der dpa. Es brauche eine bessere Überwachung und Steuerung des Schieneninfrastrukturbetriebs. Der Verband fordert dazu seit Langem die Gründung eines Bundesamts für Schieneninfrastruktur. Die privaten Güterbahnen, also die Konkurrenten von DB Cargo, waren ebenfalls von der Störung betroffen – und das ausgerechnet am späten Abend. „Da der Güterverkehr zu einem erheblichen Teil in den Nachtstunden unterwegs ist, sind die Beeinträchtigungen durch den Shutdown auch sehr hoch“, sagte Westenberger. dpa/afp/nw/saha